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Autarke Energieversorgung ohne viel Umbau    

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Autarke Energieversorgung ohne viel Umbau

Postby Thorsten M » Tue 1. Oct 2019, 15:33

Moin,

ich habe mir eine relativ mobile autarke Energieversorgung für die Lux-Pritsche geschaffen, hatte hier im Forum aber eher verteilte Infos gefunden und möchte hier kurz meine Lösung vorstellen. Vielleicht kann die Darstellung dem einen oder anderen Anregungen liefern, evtl. gibt es ja auch noch ein paar weiterführende Tipps von Euch.

Meinen Lux habe ich mir als im Alltag nutzbares Reisefahrzeug angeschafft, möchte ihn aber nicht gleich vollständig umbauen sondern eher evolutionär und reversibel erweitern. Ich halte mich gern draußen auf und komme durchaus mit wenig (aber der richtigen) Ausrüstung gut klar: ein Revo-ExtraCab-Lux mit AluCab-Hardtop und Dachzelt (Treeline), die Pritsche für das Gepäck ist ohne feste Installationen (Schublade o.ä.). Mein flexibel handhabbares Tarp ziehe ich einer festen und schweren Markise vor, auf der Anhängerkupplung hängt dann oft noch ein Fahrradträger mit MTB oder GravelBike.

So ganz ohne 'Strom' geht es nicht: größter Energie'fresser' ist wohl meine Kompressorkühlbox (Engel MR040), weiter dann das eine oder andere USB- oder 12V-Gerät. Mehr ist da eigentlich nicht, 230V benötige ich mittlerweile nur noch für das Ladegerät der Kameraakkus. Aber ganz ohne 230V-Versorgung möchte ich dann doch nicht los - irgendetwas habe bestimmt noch übersehen.
Die Kühlbox hing bisher an der 12V-Steckdose im Armaturenbrett und stand hinter dem Beifahrersitz. Das war beim Einkaufen noch vertretbar, ansonsten aber eher nervig: die Zugänglichkeit ist eingeschränkt (Öffnung quer zur Fahrtrichtung) und 12V sind ohne Änderung nur bei eingestecktem Schlüssel und eingeschalteten Verbrauchern verfügbar. Bei längerer Standzeit wäre die Starterbatterie entsprechend gefährdet. Besser wäre es, elektrische Energie auf der Pritsche zur Verfügung zu haben, Kühlbox und ggf. weiteres elektrisches Gerät kann dort ebenfalls Platz finden. Über die Seitenklappen der AluCab wäre der seitliche Zugang auf Kühlbox und eine Alukiste problemlos möglich. Nur: für die Energieversorgung der Pritsche hatte ich bisher noch keine Lösung, eine zweite Batterie (gern Lithium) mit 'Kabelziehen' zur Lima, Lademanagement und entsprechend festen Installationen wollte ich (noch) nicht angehen.

Im September stand der erste längere Ausflug (zwei Wochen) mit unkritischen Rahmenbedingungen an: zwei längere Standzeiten auf Usedom und im Harz auf Campingplätzen mit sonnigen Wettervorhersagen. Aus diesem Anlass griff ich das Thema 'autarke Energieversorgung' noch einmal auf. Am Ende meiner Recherche habe ich mich für eine mehr oder weniger portable Solar-Lösung entschieden: als Energiespeicher dient ein GoalZero 'Yeti 1400 Lithium' (1400kWh, also ca 140Ah) mit MPPT-Laderegler, aufgeladen wird mit einem 'Boulder 100' Solarpanel. Beim ersten Testaufbau auf der Terasse habe ich mit dem nach Auge ausgerichteten Kollektor bis 70W Eingangsleistung erzeugen können, dieser Wert dient mir momentan als persönliche Referenz.

Für die Reise musste ich alles natürlich irgendwie im oder am Auto unterbringen. Das Solarpanel befestigte ich etwas hemdsärmlig mit Zurrbändern auf der Pioneerplattform über dem Fahrerhaus, der Energiespeicher wanderte auf die Pritsche. Der einzige notwendige 'Umbau' war das Bohren eines Lochs in die Hardtopfront, um die Solarzellenleitung zum Energiespeicher führen zu können. Nebenbei konnte sich der Yeti beim 'mobilen Bohren' der Durchführung bewähren.

Da die Kühlbox anfangs nicht über die 12V-Buchse des Yeti laufen wollte, habe ich sie mit 230V betrieben. Wegen der dann notwendigen mehrfachen Spannungswandlung (12V-230V-12V) summiert sich die Verlustleistung über die Zeit dann doch etwas, zumal der 12V-230V-Wandler durchgängig etwa 10W 'verbrät'. Die suboptimal waagerecht auf dem Dach liegende und durch die Zurrgurte teilweise abgedeckte Solarzelle hielt mit bis zu 35W dagegen (ich habe allerdings auch nur sporadisch kontrolliert). Mit dieser Kombination stand ich etwa vier Tage autark (ca. 6h in der Sonne), der Akkustand sank derweil auf knapp 40%. Dann kam ich auf die Idee, einfach mal ein vorhandenes 12V-Verlängerungskabel zwischen Kühlbox und Akku zu schalten und ab da lief die Kühlbox mit 12V 8) Der Akkustand erholte sich und blieb quasi durchgängig bei 100% :D . Die zwei Wochen habe ich ausschließlich mit Solarstrom verbracht. Das Laden von Telefon, Tablet und 'Powerbanks' der Campingnachbarn inbegriffen.

Ich hatte mich zunächst vom Preis (ca. 2100€) dieser Lösung abschrecken lassen, habe mich davon während der Tour aber schnell erholt. Im Vergleich zu einer "festen" Lösung mit 1.4kWh-Lithium-Akku, Lademanagement, Leitungen, 1,5kW-Wandler und den Steckdosen (12V, USB) ist es vermutlich auch nicht so viel teurer, nachgerechnet habe ich aber nie. Auf jeden Fall bin ich sehr zufrieden mit diesem Ansatz und nebenbei habe ich noch ein 1,5kW 'Notstromaggregat', falls ich mal im Garten staubsaugen muss.


Viele Grüße
Thorsten
Thorsten M
 
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