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    -- Kraftstoffe / Fuels

        -- PÖl im Direkteinspritzer

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netzmeister
Verfasst am: Do, 13. März 2003, 10:02
Administrator Anmeldungsdatum: 16.05.2001 Beiträge: 11166 Wohnort: 76356 Weingarten
Hi Leute,

Über PÖl im DI wurde ja schon gesprochen - hier noch einmal die Ausführungen von Michael zum Thema:

"IDI (indirekte Einspritzer) haben Vor- oder Wirbelkammern. Die Einspritzdüse spritzt den Kraftstoff in diese Kammer, in der eine Vorverbrennung stattfindet, durch die Ausdehnung des Gases dadurch wird über einen Schußkanal der eigentlich Brennraum gefüllt und die restlichen Gase werden dort verbrannt. Dadurch findet eine Zweistufenverbrennung statt, die das Geräuschniveau und die mechanische Beanspruchung der Bauteile senkt.

Bei den neueren Dieseln gibts eigentlich nur noch Direkteinspritzer, durch zB. Zweifederdüsenhalter kann man eine Zweistufenverbrennung auch unter Umgehung einer Vorkammer stattfinden lassen. Diese Düsen spritzen direkt in den Hauptbrennraum. Die Unterschiede liegen im Wirkungsgrad, Kammerdiesel haben im Schnitt eine Literleistung von bis zu 30 PS pro Liter Hubraum, DI's liegen teilweise bis 40 bei gleicher Drehzahl (alle Werte für Saugdiesel) und deutlich höherem Drehmoment.

Die direkte Einspritzung macht Probleme bei Pölbetrieb, da zB beim Kaltstart der Kraftstoff an die Kolbenwände gelangen kann und sich dort niederschlägt. Dadurch gelangt er ins Motoröl und kann polymerisieren (geht bis zu Klumpenbildung). Ebenso empfindlich sind die Lochdüsen bei DI's. Während Kammermotoren Zapfendüsen haben, bei denen der Nadelzapfen die Düsenöffnung immer mechanisch reinigt haben die DI-Lochdüsen keine mechanische Reinigungshilfe. Sollten die Spritzlöcher zukoken kann sich das Spritzbild dermaßen verändern, daß im ungünstigsten Fall wieder die Zylinderwände angespritzt werden mit dem obigen Effekt + verkleben/verkoken usw. der Kolbenringe, wenn man von anderen Folgeschäden wie Überbelastung der Pumpe usw. absieht. Diese Gegebenheiten kann es bei Kammermotoren systembedingt nicht geben.

Das Niederschlagen von Kraftstoffresten im Betrieb an den Zylinderwänden findet so gut wie immer statt, nur daß Dieselkraftstoff schon ab 55 Grad C verdampft, Rapsöl erst über 200."


Jetzt stellt sich doch folgende Frage: Ein Teil der Probleme ist gegessen, wenn ich nach Start und vor Ende mit Diesel befeuere - aber wie sieht´s aus, wenn ich dann PÖl einschalte? Besteht auch bei entsprechender Vorheizung die Gefahr der Verkokung der Düsen?

Interessant ist der Gedanke für die DIs allemal...

Euer Netzmeister

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landcruiser
Verfasst am: Do, 13. März 2003, 14:31
Anmeldungsdatum: 17.05.2001 Beiträge: 7506 Wohnort: outback - Northern Territory of lower saxonia
über die Tauglichkeit der DI streiten sich m.W. immer noch die PÖL-Geister

die Verkokung nimmt bei entsprechender Vorwärmung stark ab bzw. unterbleibt völlig, da das PÖL ab ca. 60° C wesentlich besser verbrennt

man merkt es schon am Geruch: ohne Vorwärmung riechts wie Frittenbude, mit korrekter Vorwärmung nicht

das Problem des Umschaltens zwischen PÖL und DINO sollte man aber auch für andere Motoren nicht aus den Augen verlieren, könnte auch wichtig sein für das, je nach Umbau, ev. auftretende Problem "Temperaturschock" an der ESP durch den Kraftstoff

darum werde ich wohl so umbauen, dass PÖL und DINO immer durch den Wärmetauscher müssen, damit die Erwärmung bzw. Abkühlung an der ESP nicht schlagartig geschieht, dafür kommt ev. ein weiterer "Abschalthahn" in die Kühlwasserzuleitung des WT, wenn ich nicht mit vorgwärmten Diesel fahren will

(Edited by landcruiser at 14:32 am 13. Mar. 2003)

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MichaelZ
Verfasst am: Di, 01. Apr 2003, 21:24
Anmeldungsdatum: 11.07.2002 Beiträge: 15 Wohnort: München
Hallo,

Landcruiser, zu Deiner Vorwärmung: Die HD-Rohre zu den Düsenstöcken sind lange genug, um egal wie weit vorgeheizte Öle auf Umgebungstemperatur abkühlen zu lassen. Die Vorwärmung dient einzig und alleine dazu, das Öl filtergängig und irgendwie transportabel zu halten.  Zuviel Vorwärmung schadet mehr der Einspritzpumpe als sie nutzt, denn sie ist auch auf Kühlung durch den Kraftstoff angewiesen, noch dazu ist der Durchfluß entsprechend der höheren Viskosität geringer (u. A. dadurch Fresserrisiko). 60 bis 70 Grad C. sind schon ok.
Für eine saubere Verbrennung sorgen die durch den Zylinderkopf an die Düsenstöcke/Düsen abgegebene Wärme und ein einwandfreies Spritzbild der Düsen sowie ein warmer Motor. Der Geruch bei kaltem Motor entsteht vielmehr durch eine zwangsläufig unvollständige Verbrennung, die mit Dieselkraftstoff zwar auch stattfindet, aber geruchsmäßig weniger auffällt (Pölfahrer riechen schlechte Dieselkraftstoffverbrennung besser Wink).

Zum Direkteinspritzer möchte ich noch folgendes anfügen:
Bei Kammerdieseln sorgt eine im Fahrbetrieb normal rotglühende Vor/Wirbelkammer für eine akzeptable Verbrennung auch schwerer entflammbarer Öle.
Bei DI's gibt es keine glühenden Teile, sondern nur heiße Luft und mittelwarme Kolbenmulde, die ausreichen muß, den Kraftstoff zu entzünden (besser das Sprit/Luftgemisch).
Starten mit Dieselkraftstoff erleichtert einiges, allerdings gibt es auch im normalen Fahrbetrieb sehr unterschiedliche Bedingungen wie zB. Schiebebetrieb, bei dem nicht nur DI's, sondern sogar Kammermotoren sehr stark auskühlen, bei verschlissenen Motoren reicht das sogar aus, um beim nächsten Gasgeben blaue Abgaswolken aus unverbranntem Kraftstoff entstehen zu lassen (die gleichen wie beim Kaltstart). Beim DI sollte demnach entsprechend der Brennraumtemperatur bei dieser Situation auf Dieselkraftstoff zurückgeschaltet werden. Der Aufwand dürfte dazu aber für einen Automatismus nicht gerade gering sein. Manche Umrüster verbauen für diese Zustände beim DI die Glüheinrichtung um, damit im und nach Schiebebetrieb die Glühkerzen bestromt werden, obs was taugt und ausreicht kann ich aber nicht beurteilen.

Motorleerlauf ist ein ähnlich ungünstiger Zustand, bei dem die Brennraumtemperatur sehr stark in den Keller geht. (einfacher Test, Motor im Leerlauf warm laufen lassen...dauert schon eine Zeit)

Ob's wirklich sowas wie einen Temperaturschock gibt, wage ich zu bezweifeln, wenn ich mir die Wärmekapazität von Öl, den Durchfluß (Daumenregel ca. 100 Liter pro Stunde bei max. Drehzahl) und die Metallmasse der Pumpe sowie die eigene Wärmeerzeugung durch Reibung in der Pumpe vorstelle. Bei einer Bosch VE zB. passiert der Kraftstoff nach der Vorförderpumpe erst den gesamten Pumpeninnenraum, bevor sie mit dem Hochdruckteil in Berührung kommt.

Ludwig Elsbett (der Senior), leider letzte Woche am Donnerstag im Alter von 90 Jahren zu meinem großen Bedauern verstorben, baute in seinen legendären 3-Zylinder DI-Pflanzenölmotor zweiteilige Kolben ein, das Oberteil mit recht großer Mulde ist aus Stahl (höherer Temperaturbereich, weniger Wärmeabgabe usw.), Unterteil aus Alu (weniger Gewicht..etc), nur verbunden mit dem Kolbenbolzen (sog. Gelenkkolben) unterstützt von "duothermischen" Verfahren mit tangentialer Einspritzung sowie passendem Drall der angesaugten Luft und Zapfendüsen bietet meiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit einen DI problemlos mit Ölen verschiedener Viskosität störungsfrei zu betreiben.

Viele Grüße

Michael



(Edited by MichaelZ at 22:45 am 1. April 2003)
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kitegenosse
Verfasst am: Mi, 02. Apr 2003, 15:50
Anmeldungsdatum: 05.03.2003 Beiträge: 105
hallo michael

ich habe deinen beitrag mit interesse gelesen.
da ich für meinen hdj80 sowieso einen 2.tank einbauen möchte, überlege ich mir nun, gleich auf eine pöl/diesel 2-tanklösung umzurüsten.

da ich aber noch ziemlich neu in der landcruiser-welt bin, weiss ich nicht, ob sich der 1hd-ft motor meines j8 dafür eignet.
wie beurteilst du die situation, und wie müsste deiner meinung nach eine poel-lösung für den 1hd-ft motor aussehen?

ganz herzlichen dank schon im voraus für die antwort :)

besten gruss

mathias

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MichaelZ
Verfasst am: Mi, 02. Apr 2003, 18:03
Anmeldungsdatum: 11.07.2002 Beiträge: 15 Wohnort: München
Hallo Mathias,

leider kenne ich die diversen Toyo-Motoren überhaupt nicht. Fahre selbst Landrover Saugdiesel.
Ich denke aber, daß es hier eine Menge Leute gibt, die die Motoren und Peripherie gut beschreiben können um eine kleine Beurteilung abgeben zu können.

Wenn es sich um einen Direkteinspritzer handelt, wäre ich sehr, sehr vorsichtig mit höherviskosen Kraftstoffen.

Du hast ja im fatty-Forum auch angefragt, mal schauen, was noch so herauskommt.

Viele Grüße

Michael

(Edited by MichaelZ at 19:38 am 2. April 2003)
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kitegenosse
Verfasst am: Do, 03. Apr 2003, 16:43
Anmeldungsdatum: 05.03.2003 Beiträge: 105
hallo michael,

ok, ich werde mich weiter umhören.
auf jeden fall danke für die antwort Smile
besten gruss

mathias

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netzmeister
Verfasst am: Di, 29. Apr 2003, 20:27
Administrator Anmeldungsdatum: 16.05.2001 Beiträge: 11166 Wohnort: 76356 Weingarten
Thomas Eckert hat seinen 61er auf 2-Tank-Betrieb umgebaut - hier findet Ihr einen Umbaubericht.

Ich bin mal auf die Langzeiterfahrung gespannt!

Wenn man den Diesel zu 90 und das PÖl im Großeinkauf zu 60 Cent ansetzt, dann hätte sich der Umbau - reine Materialkosten ohne Stunden - nach ca. 1.800 Litern oder 15.000 km amortisiert.

WENN das auf lange Sicht gutgeht, was sich natürlich erst noch rausstellen wird (sorry, Thomas - ich male jetzt nicht den Teufel an die Wand, sondern denke nur realistisch nach).

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MichaelZ
Verfasst am: Di, 29. Apr 2003, 23:15
Anmeldungsdatum: 11.07.2002 Beiträge: 15 Wohnort: München
Hallo Netzmeister,

habe den Umbaubericht mit Interesse gelesen.
Nunja, 1000 km hat er ja bislang gehalten.
Worauf der Besitzer halt recht achten sollte wäre ein dezenter Pommesgeruch am Ölpeilstab, evtl. Motorölvermehrung, Polymerisationsneigung und Änderungen/Rauch der Blow-By-Gase.
Hatte erst das Vergnügen an einem (Zweitank) VW-TDI am Ölpeilstab mal riechen zu dürfen, da wäre mir der Spaß am "Pölen" ziemlich vergangen.

Ich wünsche ihm mal viel Glück, trotzdem gehe ich nach max. 100.000 km von größeren Problemen aus.
Zuviel Physik spricht gegen einen dauerhaften Erfolg.
(just my two cents)

In stiller Hoffnung, daß ich unrecht habe und viele Grüße

Michael
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