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Ventilspiel / Valve Clearance    

Light Duty (Bundera/Prado): 1984 - 1996
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Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Afrika-Phil » Tue 15. May 2018, 18:33

Hallo zusammen,

ich bin mittlerweile in Mitten der Generalüberholung meines HZJ75 Baujahr 1996 troop carrier, und das in Ruanda / Zentralafrika. Ich habe schon das Getriebe und Verteilergetriebe überholt, wobei ich das Verteilergetriebe direkt mal von Vakuum auf manuell gemacht habe. Dieser Knopf zum Zuschalten des 4x4 ist zwar komfortable, aber nicht gemacht für den täglichen Gebrauch um Busch bei nem alten Truck.

Egal, beim Motor habe ich ein Rätsel: Ich musste den Zylinderkopf tauschen weil der Alte einen Hitzeschaden hatte. Das Budget hat leider nur für ein Produkt aus Fernost gereicht. Das Originalteil hätte den Wert des Wagens gesprengt, und gebraucht habe ich nichts ordentliches gefunden.

Heute habe ich als einen der letzten Schritte das Ventilspiel (Valve Clearance) kontrollieren wollen um gegebenenfalls die "Plättchen" zu tauschen. Das Ventilspiel ist bei mir durchgehend viel zu groß. Meiner Berechnung zufolge müssten die neuen Plättchen alle zwischen 3,45 und 3,9 mm sein. In dieser Größe gibt es die aber garnicht zu kaufen (maximal 3,15). Bevor ihr mich jetzt alle für zu blöd haltet die neuen Größen zu berechnen hier ein Beispiel: Zweites Ventil (also Ausgang) sollte ein Spiel von 0,4mm haben. Ich habe aber 1,35mm. Das Plättchen hat aktuell 2,75mm, das neue Plättchen müsste also 3,7mm haben.

Kennt jemand das Problem? Und kann es daran liegen, dass der Motor noch nie gelaufen seit Generalüberholung?

Grüße aus dem Herzen Afrikas

Phil
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Babashanti » Tue 15. May 2018, 19:53

Hi Phil,
ich kann dir leider mit deinem technischen Problem nicht weiterhelfen aber da meldet sich bestimmt jemand mit mehr Ahnung und Kompetenz.
Ich wünsche dir auf jeden Fall eine gute Reise und das dein 75er wieder gut läuft.
Pass gut auf dich/euch auf, im Osten der D.R. Kongo ist gerade wieder Ebola ausgebrochen. Besonders kritisch muss es wohl derzeit rund um Bikoro und Mbandaka sein. Aber da solltest du weit genug von weg sein.
Alles gute und lass mal wieder was von dir hören!
Schöne Grüße
Mike
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby AndreasHirsch » Tue 15. May 2018, 20:11

...hatten Wir das nicht erst letztens hier, mit Teilenummern und Abmessungen...
GRuß aus Berlin
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Afrika-Phil » Tue 15. May 2018, 20:18

ja hatten wir letztens, da wusste ich aber noch nicht, dass mein Ventilspiel die maximale Plättchengröße übertrifft!

Danke Babashanti! Werde den Kopf über Wasser halten
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Afrika-Phil » Thu 17. May 2018, 16:41

Hallo zusammen wiedermal,

ich habe nun nochmal meine Gedanken gesammelt und würde mich über Antworten / Einschätzungen freuen. 3 Jahre Mechatroniker habe ich dann eben doch nicht gelernt, meine Erfahrungen entstammen eher der afrikanischen Praxis.

Mein Problem ist bekannt: alle meine Ventilspiele sind so groß, dass es nichtmal die entsprechenden Einstellplättchen gibt. Überall gibt es mehr als einen Milimeter zu viel Spiel.

Was können hierfür die Gründe sein? Ich komme auf 5 Optionen:

(1) Der Zylinderkopf aus Fernost ist einen MM zu „groß“;
(2) Die Nockenwelle hat sich nach 300.000 KM um einen MM abgenutzt.
(3) Die Ventile haben sich nach 300.000MM um einen MM verkleinert. Dem kann ich aber erst auf den Grund gehen, wenn ich den bereits montierten Zylinderkopf wieder ausbaue;
(4) Die Lager der Nockenwelle sind „zu groß“. Ich habe mal im Internet geguckt und diese Lager gibt es wohl nicht in verschiedenen Größen, sondern überall nur als Standard STD. Das macht mich etwas stutzig, denn wenn das ein übliches Problem wäre, dann gäbe es ja verschiedene Größen;
(5) Das zu Große Ventilspiel liegt daran, dass der Motor nach der Revision noch nicht gelaufen ist. Wenn er also erstmal ein Paar Stunden heiß war, dann erübrigt sich das Problem. Das wäre zu schön um wahr zu sein…

Habe ich etwas vergessen oder einen Denkfehler? Ich habe meine Abmessung gestern nochmal mit einem deutschen Kumpel überprüft. Messergebnis stimmt.

Wie ich jetzt vorgehen werde (es sei denn Ihr habt bessere Ideen):

(i) Morgen: Nockenwelle ausbauen und vermessen;
(ii) Morgen: Nockenwellenlager ausbauen und vermessen. Aber: Was ist normaler Weise deren Dicke? Was ist die Standard Dicke? Hat mir Dr Google nicht sagen können
(iii) Samstag: Motor trotz falschem Ventilspiel ein paar Stunden laufen lassen und nochmal messen, ob sich was getan hat.

Ich denke mal, wenn das alles nichts bringen sollte, werde ich versuchen, Nockenwellenlager aufzutreiben in -1mm.

Was denkt Ihr? Schießt bitte Antworten los, hier in Zentralafrika ist man bei solchen Sachen dann doch etwas alleine auf weiter Flur. Der ruandische Mechaniker, der mir hier hilft, hat schon zu Lachen begonnen, als ich überhaupt nur von halben Milimetern zu sprechen begann…

Grüße aus Kigali

Philipp
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby steffen_k » Thu 17. May 2018, 18:25

Hallo Phil,

erstmal mein Mitleid, ich würde dir ja gerne helfen, aber eine Ferndiagnose ist doch relativ schwer. Ich versuche mal einige Sachen auszuschließen:
(2) Die Nockenwelle hat sich nach 300.000 KM um einen MM abgenutzt.
=> Das halte ich für sehr sehr unwahrscheimlich, ich habe bei meinem 1HDT bei 500tkm die Ventile eingestellt und die Shim's mussten max 0.2mm dicker sein.

(3) Die Ventile haben sich nach 300.000MM um einen MM verkleinert.
Die Nockenwelle drückt ja nicht aus das Ende des Ventile sondern auf die gehärteden Shim's, die sind ja selbst nur knapp 3mm dick, wenn die 1mm abgenutzt wären würdest du das sehen.

(4) Die Lager der Nockenwelle sind „zu groß“.
Dann müsste die Lager aber 2mm im Durchmesser zu groß sein, damit du einen radialen Abstand von 1mm bekommst.

Hast du den Kopf so zusammengebaut wie hier gezeigt?

https://partsouq.com/en/catalog/genuine ... =313185&q=

(iii) Samstag: Motor trotz falschem Ventilspiel ein paar Stunden laufen lassen und nochmal messen, ob sich was getan hat.
=> Nein!!! Da tut sich sich was im 1/10mm Bereich aber nicht mehr.

Also mein Tip ist der Kopf ist Schrott

Gruß Steffen
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Itchy Feet » Thu 17. May 2018, 18:42

Schon mal die Ventile auf ihrem Sitz im Kopf geprüft. Dichten die im Ventil Sitz? Konntest du die einschleifen?

Grüße
Matthias
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Afrika-Phil » Sun 20. May 2018, 11:09

Hallo zusammen,

ich habe gestern den Motor gestartet und er lief geschmeidig wie eine junge Antilope. Soweit schonmal die Erfolge. Aber das Problem des Ventilspiels habe ich noch nicht behoben...

Ich habe nochmal nachgedacht und überprüft:

Die Nockenwelle ist in der Tat abgenutzt / verkleinert. Pro Nocke zwischen 0,1 und 0,8 mm. Also nicht unerheblich und ich werde sie ersetzen. Aber: Da hatte ich einen Denkfehler gemacht. Am Ventilspiel wird das nichts ändern. Denn das Ventilspiel messe ich ja an der "Seite" der Nocke, nicht an der Spitze. Auch wenn sich die Spitzen abgenutzt haben mit der Zeit wird sich ja an den Seiten nichts abgenutzt haben. Das Ventilspiel wird sich also durch die neue Nockenwelle nicht verändern.

Ich habe die Ventilstößel nachgemessen. Die sind alle um etwa 0,3 mm kleiner als die neuen, die ich beim lokalen Händler gefunden habe (der einzige Händler der ab und zu mal Originalteile hat). Hier habe ich also 0,3 mm "Fehler" gefunden.

Ich hatte die Ventile eingeschliffen, allerdings aufgrund der gegebenen Möglichkeiten super dilettantisch. Aber auch hier: Da wird sich ja nicht groß was am Ventilspiel ändern. Beim einschleifen nimmt man doch im 0,1mm Bereich ab...Eingefräst habe ich die aber nicht. Wie ich gehört habe ist das wohl normalerweise der erste Schritt bei neuen Zylinderköpfen.

Ich habe mal beim Metallbauer nachgefragt hier. Er sagte er könne das um einen MM fräsen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwas ungenau macht, ist sehr hoch. Arbeiten im 0,1 mm Bereich sind nicht unbedingt die Stärke der lokalen Handwerker.

Daher tendiere ich momentan dazu, mit einem zu großen Ventilspiel zu leben. Zu groß ist wenigstens besser als zu klein...

Was denkt ihr? Wieviel Arbeit würdet ihr da rein stecken?
Afrika-Phil
 
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby Cruisero » Mon 21. May 2018, 09:21

Hallo Phil,

hast Du denn nun schon die neuen und dickeren Shims/Plättchen eingebaut? Und damit nochmal gemessen?

Gruß
Frank
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby karrizek » Mon 21. May 2018, 10:48

Hallo Afrika-Phil,
deinen Fehler hast du schon richtig eingeschätzt.
Der Zylinderkopf aus Fernost ist nicht korrekt maßhaltig.
In fast allen WHB gibt es die sogennannte Ventilüberstandshöhe als Maß angegeben. Diese Maß benötigt der Motoreninstandsetzer dringend um zu wissen das er mit den Shim´s zum Ventilspieleinstellen hinkommt.
Ich habe mal ein Bild zur Veranschaulichmachung angefügt. Gemeint ist Punkt3 in Millimetern gemessen.
(Ich habe meistens das Problem, das das Maß zu groß ist,und es gibt die Shim´s nicht so dünn, dann muß ich das Ende des Ventilschaftes um 0,5mm abdrehen.)
Anstonsten stimmt die Aussage von steffen_k.
(Beim Fräsen der Ventilsitze ist immer die Ventilüberstandshöhe im Auge zu halten, da habe ich oft schon bemerkt, das durch den 45Grad Winkel des Sitzes das Ventil tiefer durchkommt und die Überstandshöhe zu groß wird.)

So...Schlauschwätzmodus aus: Kopf nochmal abnehmen, Sitze der Ventile minimal nachfräsen und wenn dann mit max-Shims das Ventilspiel immer noch um 0,2-0,4mm zu groß ist: würde ich das so laufen lassen. Größeres Ventilspieläußert sich in Geräuschen und evtl. im Nockenwellenverschleiß, da die Nocken mit viel Spiel auf den Shim hämmern.

Viel Erfolg und

so long
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Re: Ventilspiel / Valve Clearance

Postby BJ Axel » Mon 21. May 2018, 11:27

karrizek wrote:Hallo Afrika-Phil,
deinen Fehler hast du schon richtig eingeschätzt.
Der Zylinderkopf aus Fernost ist nicht korrekt maßhaltig.
...
Kopf nochmal abnehmen, Sitze der Ventile minimal nachfräsen und wenn dann mit max-Shims das Ventilspiel immer noch um 0,2-0,4mm zu groß ist: würde ich das so laufen lassen. Größeres Ventilspieläußert sich in Geräuschen und evtl. im Nockenwellenverschleiß, da die Nocken mit viel Spiel auf den Shim hämmern.


Und da bin ich dann beim allseits beliebten Punkt, ob dieser Zusatzaufwand in der Summe das Originalersatzteil nicht doch rentabel gemacht hätte.
Gerade wenn man bedenkt, daß der Hersteller des Billigteiles sicher bei vielen anderen qualitätsrelevanten Parametern ähnlich "sauber" gearbeitet hat. Wenn die Legierung und der Gieß- und Kühlprozess auch nicht passt, hat man sicher noch viel Freude...

Axel
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