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Rudis Globetrotter-Newsletter    

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Rudis Globetrotter-Newsletter

Postby netzmeister » Sat 9. Jan 2021, 13:21

Rudi Kleinhenz ist uns allen ein Begriff, steuert er doch seit Jahren am Buschtaxi-Treffen absolut wunderbare Reiseberichte bei! Rudi ist Globetrotter, und er verschickt regelmäßig einen Newsletter, der wirklich lesenswert ist. Also stelle ich seine Newsletter ab jetzt hier ein, damit Ihr alle was davon habt:

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Liebe Reisefreunde

Das Jahr der Hoffnung ist gerade zwei Minuten alt, da schlägt die eigene Blödheit gnadenlos zu. Ich schieße mir aus 20 cm Entfernung den Korken meiner Sektflasche volle Kanne ins rechte Auge. Ungeschminkt könnte ich in jedem Zombiefilm mitspielen. Spricht mich jemand darauf an, antworte ich: „Häusliche Gewalt!“

Euch allen erst mal ein hoffnungsvolles 2021. Etwas Geduld werden wir noch mitbringen müssen, um wieder auf Treffen und Reisen gehen können.



Abgesagte Termine für Januar:

Das für Januar angesetzte Wintertreffen der dzg im Nibelungenturm ist abgesagt, ebenfalls weiterhin die Vortragsreihen der Freunde des Abenteuermuseums in Saarbrücken und Kirkel, des Lagerfeuers in Duisburg und der EAF-Stammtisch in München.

Für Februar sind keine Treffen angesetzt, ab Anfang April gehen die Freiluft-Veranstaltungen wieder los und bis dorthin setze ich innig auf die begonnenen Impfungen.

Der Globetrotter-Kalender für 2021 ist fertig, die Vorderseite kann man unter folgendem Link ausdrucken: https://globetrotter.org/der-neue-kalender-ist-fertig/

Dort auf das blaue dzg-Logo und einmal weiter klicken.



Corona-Impfung:

Nur so kann das Virus auf Dauer besiegt werden, ohne weitere große Todeszahlen in der Weltbevölkerung. Die zweite Welle hat bei uns bisher dreimal so viel Todesopfer gefordert, diesmal gab es auch einen Todesfall direkt in meiner Nachbarschaft. Dass nicht jeder dieser Impfung sofort vertraut, kann ich verstehen. Trotzdem will ich euch Mut zusprechen! Ich bin kein Virologe, habe aber als gelernter Biologie-Laborant 20 Jahren Berufserfahrung in der klinischen Mikrobiologie und der genetischen Toxikologie. In dieser Zeit habe ich abertausende menschlicher Untersuchungsmaterialien (Stuhl, Urin, Blut, Sputum, Wundabstriche, Liquor, usw.…) auf pathogene Organismen und Mikroorganismen (Bakterien, auch TBC, Hefen, Schimmel- und Hautpilze, Amöben, Flagellaten, Plasmodien, Band-, Spul-, Faden- und Hakenwürmer, usw…) untersucht, unter anderem auch die Eigendiagnose 1994 auf Schigellen-Ruhr. Zu meiner Laborzeit (1978-98) sind plötzlich die jetzt sogenannten „Krankenhauskeime“ auf der Bildfläche erschienen. Damals wurde vom Labor L&S www.labor-ls.de ein spezieller Stempel angefertigt, mit vier Großbuchstaben MRSA = multiresistenter Staphylococcus aureus. Jeder Befund der so unser Labor verlies, machte mir klar, dass dieser Mensch einen Todeskampf führt und ich konnte dem behandeltem Arzt kein Antibiotika empfehlen, einfach weil keines durch die mutierten Bakterien mehr wirksam war. Und dieser MRSA wütet immer noch in unseren Kliniken, es gibt keinen Impfstoff dagegen. Es ist kein Virus, das ist der Unterschied. Gegen Viren helfen ja auch keine Antibiotika! Wir wurden damals im Labor gegen Hepatitis A + B vorsorglich geimpft, was mir auf meinen Reisen in tropische Regionen zum Vorteil wurde, ich musste die Impfungen nicht selbst zahlen. Auch Polio (Kinderlähmung, letzter bekannter Fall in Deutschland 1990) und Tetanus (Wundstarrkrampf) müssen alle 10 Jahre aufgefrischt werden, ebenso die Gelbfieberimpfung. Als Kleinkind wurden meine Generation und die davor noch alle gegen Pocken geimpft! Es gab damals eine Impfpflicht! Nur deswegen sind die Pocken seit 1980 ausgerottet. 25 % der Pockeninfizierten starben, wer überlebte war durch Narben am ganzen Körper entstellt. Ich habe zwei kleine Narben an meiner linken Schulter, die ich vor 58 Jahren durch die Impfung bekommen habe und es hat nie irgendwelche Probleme gegeben. Die Medizin ist jetzt 58 Jahre weiter und deshalb vertraue ich voll und ganz unserem Gesundheits-System, dem ich seit 22 Jahren nicht mehr angehöre, aber um so öfter davon profitiert habe. 2015 brachte ich aus Malawi eine Malaria tropica mit nach Hause. Ich bat den Arzt im Würzburger Tropeninstitut, mich meinen eigenen Blutabstrich mikroskopisch auswerten zu lassen. So schöne Plasmodien hatte ich in 20 Jahren bei L&S davor nie gesehen! Jetzt war ich wieder mal der Patient und hatte ausgerechnet die Krankheit, die weltweit immer noch die meisten Todesopfer fordert. Aber ich lebe in Deutschland und wurde vier Tage später geheilt entlassen. Gegen Malaria gibt es keine vorbeugende Impfung, allerdings ein wirksames Medikament und das zahlt die Krankenkasse, wie auch die gesamte Behandlung! Man muss nur rechtzeitig in tropenärztliche Behandlung!

Ich will mich vorrangig impfen lassen, um meine Mitmenschen zu schützen. Ich denke dabei an die Menschen, die nicht so gut medizinisch versorgt sind, wie wir hier in Deutschland. Ich meine z. B. das Pygmäendorf im Dschungel der Zentralafrikanischen Republik (2011), das Zeltlager der Zaaten im Norden der Mongolei (2001) oder die Fischer auf der Insel Tukurere (2019). Dieses winzige Eiland ist ein Teil, des zum Inselstaat Kiribati gehörenden Atolls Butaritari und liegt irgendwo in den unendlichen Weiten des Pazifiks. Sucht mal bei google maps: Tukurere, Kiribati! Dort leben glücklich und zufrieden zwei Familien, ohne Strom, fließend Wasser oder gar Internet. Sie haben uns so herzlich empfangen, uns kurze Zeit an ihrem paradiesischen Leben teilhaben lassen. Schleppen wir dort, oder wo auch immer auf dieser wunderschönen Welt, dieses Virus ein, dann hat es vielleicht für diese kleine Gruppe unglaublich netter Menschen fatale Folgen! Dafür würde ich mich ein ganzes Leben selbst hassen. Das war der Hauptgrund in 2020 das ich in Deutschland geblieben. Eine Reise ist für mich nur gelungen, wenn ich mit den Menschen vor Ort, in ihrer Heimat in direktem Kontakt komme, eben für eine begrenzte Zeit ein Teil ihres Lebens werde. Wer nur von A nach B fährt, schnell ein paar Fotos macht und seine Zeit mehr am Strand oder beim Saufen verbringt ist kein Globetrotter. Wir Globetrotter sind Botschafter des Friedens, Berichterstatter aus der Ferne, auch Helfer vor Ort und haben Vorbildfunktion in Sachen Impfung! Deswegen werde ich Europa erst wieder verlassen, wenn ich bin geimpft bin, keine Gefahr mehr für die einheimische Bevölkerung darstelle.



Arme für Mama – ein Fazit:

Durch die Pandemie auch bei mir völlig in den Hintergrund geraten, wurde ich neulich auf eine extrem freundliche Art daran erinnert. Ich bekam ein Buch geschickt von meinem Freund und dzg-Mitglied Manni Caspers mit dem Titel „140 Tage nach Australien“ und habe es auch gleich gelesen! Ich hatte ja mehrmals darüber berichtet.

Für die Neuen im Newsletter!

Auf der Website von Manni und Carsten https://140tagenachaustralien.com steht folgendes zu dieser familiären Tragödie:

Für eine junge Kämpferin, Anna (22 Jahre alt), die Mama von Mia!

In diesem Spendenaufruf wollen wir auf das besondere Einzelschicksal einer jungen Familie aufmerksam machen, die nicht nur einen enormen Kampfgeist an den Tag legt, sondern sich auch durch ihre Stärke, Liebe und Tapferkeit auszeichnet.

Wie schnell das eigene Leben und das der eigenen Familie in seinen Grundfesten erschüttert werden kann, mussten Mia und ihre Eltern kürzlich auf die wohl schmerzlichste Art und Weise erfahren. Am 01. Februar dieses Jahres (2019) erkrankte Anna, Mias Mama an der Kinderkrankheit „Meningitis“. Diese Krankheit brachte leider eine besonders schwere Form der Sepsis mit sich.

Wochenlang musste die Familie um das Leben der jungen Mutter bangen. Mittlerweile lässt sich sicher sagen, dass sie überlebt, doch zahlt sie für ihr Überleben einen hohen Preis. Anna musste in Folge der schweren Krankheit, beide Arme und beide Beine amputiert werden.

Ich muss es wirklich nochmal vordergründig erwähnen, Manni und Carsten haben durch ihre Überlandreise von Deutschland nach Australien dieser Familie 120.000 € an Spenden zukommen lassen! Einfach grandios! Allerdings hat auch hier Corona für diverse Schwierigkeiten gesorgt. Anna hat bis jetzt keine AHB erhalten und auch die Krankenkasse macht scheinbar Schwierigkeiten, was das Bezahlen diverser Dinge betrifft, dank Corona. Trotzdem ist diese Familie positiv ihrem neuen Leben gegenüber eingestellt. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel daran nehmen.



Der Postkartensammler:

Dzg-Mitglied Klaus Meier sammelt leidenschaftlich Postkarten aus der ganzen Welt. Das war seine Motivation, in die dzg einzutreten. Er ist sozusagen, ein passives Mitglied. Ich schicke ihm seit gut 6 Jahren Postkarten aus der ganzen Welt. (Mozambique, Sudan, Sao Tome & Príncipe, Aserbaidschan, Tuvalu und Bermuda-Inseln, um nur einige zu nennen) Ich bekomme immer einen begeisterten Brief, mit einem großzügigen Obolus, obwohl ich das gar nicht will. Auf unserer Ost-Deutschland-Tour Oktober 2020 sind wir kurz bei ihm vorbeigefahren. Die aktuelle Lage hat nur ein Gespräch über den Gartenzaun hinweg zugelassen. Er ist bald 80 und kam gerade aus dem Krankenhaus. Sobald sich die Lage entspannt hat, werde ich ihn nochmal besuchen, um in seiner Sammlung zu wühlen.

Hier die bitte an euch: „Schickt ihm Postkarten, egal wo ihr gerade seid! Schreibt eure Heimatadresse drauf, er freut sich riesig und bedankt sich garantiert bei euch!“

Auf seinen Visitenkarten ist nur die Postadresse, keine Telefonnummer! Das hat seinen Grund, man soll ihm Postkarten Schreiben!

Hier seine Anschrift wie auf seiner Visitenkarte:

Klaus Meier

Postkartensammler

Zur Waldsiedlung 12

08527 Plauen



Rumänien-Adventskalender:

Hätte zwar besser im Dezember gepasst, man kann aber auch im Januar immer ein Türchen aufmachen! Wurde mir von Rosi Rohmer (dzg) zugemailt, sie hat es von dzg-Mitglied Wolfgang Post, unserem Rumänienspezialisten! Tolle Bilder und viel Wissenswertes aus Europas schönstem Land, garantiert nicht nur aus meiner Sicht! Ich war schon zweimal dort!

http://www.rumaenienadventskalender.de



Neue Website von Michael Wöhning

Michael ist ein guter Freund von mir, leider immer noch kein dzg-Mitglied. Sein Onkel mittlerweile schon. Viele kennen ihn von seinen lebhaften und spannenden Vorträgen auf dem Rhöntreffen in Nickersfelden oder in der Europa-Union in Bad Kissingen. Es gibt unter anderem sechs spannende Rad-Reiseberichte zu Lesen und einiges mehr!

www.michaelwoehning.de



Website von Ruth und Jürgen Haberhauer

Die beiden dzg-Mitglieder haben das vergangene Jahr auf jeden Fall sinnvoll genutzt und waren zwei Monate in den Wäldern Finnlands unterwegs. Auf ihrer Website gibt es einige Abenteuer nachzulesen. Eine schöne Geschichte, z. B. ist der Bärenmann.

www.blog.sojombo.de/index.php?/archives ... nmann.html



Warum ich in 2021 meine Stasi-Akten anfordere - meine Erlebnisse im anderen Deutschland:

Geboren 1962 auf einem kleinen Bauernhof am Rande der Rhön, hatten wir weder Toilette noch Badewanne im Haus, auch keinen PKW auf dem Hof, aber immerhin einen der ersten Schwarzweiß-Fernseher im Dorf. ARD und ZDF waren die Kanäle und mit etwas Glück konnten wir DDR 1 empfangen. Dort gab es eine Kultsendung, auch für uns West-Deutsche, das Sandmännchen. Einmal schaute ich mehr zufällig eine Straßen-Parade, ich denke in Ost-Berlin. Ein Reporter lief durch die Menge und fragte Ost-Deutsche Bürger: „Fühlen sie sich noch als Deutsche?“ Stolz kam aus allen Mündern zurück: „Nein, wir sind Bürger der Deutschen Demokratischen Republik!“ Was ich damals nicht wusste, dass war ein abgekartetes Spiel, die Menschen bekamen etwas für diese Aussage vor laufender Kamera. Meine Reaktion als unwissender Schüler: „Was für Arschlöcher!“

1983 wurde ich zum Grundwehrdienst eingezogen. Dort wurde uns das Feindbild Warschauer Pakt/DDR richtig eingebläut. Mein Bild vom anderen Deutschland wurde dadurch nicht besser!

Am Anfang meiner Reisekarriere fuhr ich mit dem eigenen Auto kreuz und quer durch Europa. Am 06.06.1987 war ein Wochenendtrip nach Prag geplant. Mit tschechoslowakischem Visum im Reisepass, einigen Sixpack Bier und 2 Kumpels ging´s im Ford Granada Combi zum ersten Mal in den „Ostblock“. Im Prager Stadtzentrum angekommen, parkten wir und holten gleich ein Bierchen aus dem Auto. Kurze Zeit später schlenderte eine junge deutsche Clique auf uns zu. Jeanshose, Jeansjacke, genau wie wir, und einige hübsche Mädels hatten sie auch dabei. Einer der jungen Kerle blieb vor mir stehen, schaute kurz und fragte: „Hast du mal ein Bier für mich?“ Mein erster Gedanke: „Zieh Leine, kauf dir selbst dein Bier!“ Das sprach ich zum Glück nicht aus, denn plötzlich war ich gewillt, auch mal einen Fremden kennen zu lernen. So spendierten wir einige Bierchen auf der Straße und wurden in intensive, äußerst interessante Gespräche verwickelt! Nach einer halben Stunde fragte ich meinen neuen Freund: „Wo seid ihr denn her?“ „Halle“, war die Antwort! „Dann seit ihr ja aus der DDR!“ entfuhr es mir völlig überrascht! Die Clique war genauso cool wie wir, mein Bild vom anderen Deutschland änderte sich schlagartig. Die Jungs wollten den Motor vom Granada (2 l, 90 PS, 6 Zylinder) sehen! „Das ist ja ein LKW-Motor staunten sie regelrecht!“ Wir verabredeten uns für den Abend. Während wir ein Hotelzimmer bezogen, schliefen die anderen auf dem Campingplatz. Sieh erwähnten auch, dass sie nicht in die Prager Discos gelassen wurden. Das konnten und wollten wir nicht glauben. Wir kommen mit euch, das kriegen wir hin allerdings blieb es ein Wunschglaube. Ich betrat zuerst die Eingangshalle der Disco. Der Türsteher lies mich problemlos passieren. Nach mir 4 „Ossi´s“, die wurden sofort nach draußen geschickt, mein Kumpel wurde eingelassen, usw… „Die erkennen uns an unseren Schuhen“, erklärte mir Thomas aus Halle. Auch ein Bestechungsversuch von unsrer Seite mit 10 DM war erfolglos. Wir blieben das ganze WE mit der Clique zusammen. Die waren wirklich cool. Wo sitzt man schon mit einer Bierflasche in der Hand und einem hübschen Mädel im Arm in der Kirche, natürlich ohne Gottesdienst. Davon gibt es auch ein Bild. Cathleen hatte mir dann sogar ihre Adresse gegeben. Nach Halle kam ich dann, das erste Mal in meinem Leben Oktober 2020, also 33 Jahre später, die Himmelsscheibe von Nebra bestaunen. Ich habe von den Leuten leider nie wieder was gehört, kam aber mit einem ganz anderen Bild der DDR, damals von diesem Wochenend-Trip zurück. Es ist immer besser, sich selbst vor Ort eine Meinung zu bilden, als nachzuplappern, was irgendjemand von sich gibt. Das hatte ich damals gelernt.

Ostern 1989: Wie die Jahre davor stand auch diese Ostern eine Städte-Tour auf dem Programm. Warum nicht mal nach Ost-Berlin! Davor waren wir in West-Berlin, Kopenhagen, Wien und Brüssel. Immer in meinem Ford Granada, meist mit den gleichen Kumpels. Diesmal waren wir zu viert. Den Transit durch die DDR nach West-Berlin kannten wir, spannend wurde es am Grenzübergang Friedrichstraße in Berlin. Wir hatten alles Mögliche über die Grenzschikanen gehört. Zwangsumtausch von 25 DM in Ostmark, Autodurchsuchung, sie würden einem sogar „im Arsch rumbohren“. Auf letzteres war keiner scharf, auf das Nachtleben von Ost-Berlin schon. Die Spannung stieg, wir waren an der Reihe. Geld war getauscht, der Pass gestempelt, sonst passierte gar nichts mehr. Ein bisschen mehr Aktion hatten wir schon erwartet. Wir wurden zur nächsten Kontrolle gewunken. Der Zöllner, etwas zu klein für seine Uniform, oder die Uniform zu groß für ihn, das war Ansichtssache. Entsprechend komisch wirkte er auf uns. Wir mussten uns das Lachen verbeisen. Dies merkte unser Gegenüber und das war die Wende in unserem unkomplizierten Grenzübertritt. „Machen sie mal die Heckklappe auf!“ kam die Aufforderung einem Befehl gleichend. Thomas drückte den Knopf der Heckklappe. Was er nicht, und auch kein anderer meiner Kumpels, wusste: Drückte man den Knopf, während die Heckklappe verschlossen war, blieb er einfach drinnen stecken, war nur mit einer Zange wieder rauszuziehen. Erst dann konnte man Aufschließen und öffnen. Deshalb meine höfliche Bitte an den Zöllner: „Haben sie Mal eine Zange?“ Verdutzt blickte mich mein Gegenüber an, darauf folgte der zweite Befehl: „Fahren sie sofort dort auf die Grube!“ Und jetzt ging´s rund. Er lief zur Höchstform auf, es war nicht mehr komisch! Der „Überuniformierte“ suchte mit Spiegeln unter dem Auto, riss die Seitenverkleidungen weg, holte das Ersatzrad raus. Jetzt hatten wir die Situation, von der wir vorher „träumten“. Bloß nicht nochmal provozieren, sonst platzt noch unser Traum von Ostberliner Discos voller „williger“ Mädels.

Nach 30 Minuten Sucherei, nach was auch immer, lies die „Bulldogge“ ab. „Wo wollen sie denn hin“, kam dann die freundliche Frage. Nachtleben Ostberlin (nach dem Motto, wir machen durch bis morgen früh…). „Sie müssen spätestens um 23.59 Uhr wieder hier sein, sonst bekommen sie große Probleme“, gab er uns mit auf den Weg. Die 25 getauschten Ostmark waren mit dem Abendessen aufgebraucht, die vermeintliche Disco war lahm. Wir standen 90 min später wieder am Grenzübergang, wollten in eine Westberliner Disco. Der laufende Meter hatte immer noch Dienst und ahnte eine Verschwörung: „Was wollen sie denn schon wieder hier, da stimmt doch was nicht! Fahren sie mal dort auf die Grube und öffnen sie die Heckklappe.“ Diesmal drückte Robert den Knopf, die Klappe war abgeschlossen! „Haben sie mal eine Zange?“ fragte ich etwas kleinlaut! „Verschwinden sie aus unserem Land, sie rauben mir meine Zeit!“ Das waren seine letzten Worte. In Rekordzeit hatten wir die Grenze passiert! Beim Transit nach Deutschland am Grenzübergang Marienborn ein weiteres Problem. Mein Transitvisum war weg, absolut unauffindbar. Nur die Tatsache, dass ich der Autobesitzer war, lies die Situation glimpflich ausgehen. Hätte einer meiner drei Kumpels sein Papier verloren, wären wir an diesem Tag nicht mehr über die Grenze gekommen. Es war ein kleines Abenteuer, im Herzen Deutschlands, vor über 30 Jahren.

Mai 1989: Wie schon das Jahr zuvor, fuhr ich mit dem Motorradclub „Les Cascadeurs“ für eine Woche nach Ungarn, Party-Urlaub am Balaton. 5 Tage Delirium, 2 Tage komatöses Dahinvegetieren. Party-all-the-Time war das Motto. 3 DM für 0,5 l Wodka, 3 DM eine Flasche Krimsekt! Der Teppich in der Ferienwohnug war täglich sektgetränkt. Immer wenn sich Nachbarn nachts beschwerten, schickten wir unsere schönsten Mädels raus, die Situation schlichten. Die Jungs hatten ihre Bikes dabei, Rennmaschinen, Goldwings und geile Chopper, alles was eben für extremes Aufsehen sorgte! Diesmal schleppte einer gleich am ersten Abend vier tolle DDR-Mädels mit auf unsere Bude. Was mir in Lloret de Mar nicht gelang, klappte dann mit Fremdhilfe am Balaton. Ein Mädel hatte Interesse an mir. Ich teilte mein Zimmer mit meinem besten Kumpel. Den konnte ich jetzt nicht gebrauchen. Er bekam die Anweisung, du kommst frühestens in 90 min hoch. Er zwinkerte mir zu. Ich hatte mit Grit die Bude allein, wenigstens für 15 min. Dann stand er doch im Raum mit einer Flasche Krimsekt und der Bemerkung: „Unten ist nichts mehr los!“ „Raus mit dir, du störst!“ Er verzog sich ins Nachbarzimmer. 5 min später stand der nächste im Raum. „Das ist nicht dein Zimmer, raus mit dir!“ Er antwortete: „Wenn meine Alte mit deinem Kumpel in meinem Bett liegt, kann ich wohl auch hier in seinem Bett schlafen!“ Das war ein schlagendes Argument, zumal er dann doch schnell einschlief. So wurde ein bisschen mehr aus diesem Abend. Ich wollte Grit wieder sehen!

12.-15.08.1989: Könnte der Termin für mein Globetrottertreffen in Nickersfelden sein. Nur fand das Gründer-Treffen erstmals 13 Jahre später statt.

Die Motorradgang fuhr mit mir nach Riesa. Dort wohnte Grit und ihre Freundin Manuela. Ich fuhr mit meinem Granada Kombi, die anderen 4 ihre Bikes, wohl gemerkt waren die Motorräder im Visum eingetragen. So standen wir am Grenzübergang Eußenhausen/Meinigen. Die Westdeutschen Grenzer fragten uns erstaunt: „Wo wollt ihr denn hin? Mit euren Motorrädern lassen die euch drüben garantiert nicht rein!“ „Wir haben sie doch im Visum eingetragen!“ „Dann viel Glück“, sagte der West-Deutsche Zöllner! Eine halbe Stunde später waren wir enttäuscht zurück. Die Motorräder durften nicht einreisen! Also alle Mann in den Granada und los. In Riesa wurden wir aufgeregt erwartet. Manuela und ihr Freund Frank (der Bruder von Grit) hatten für Ostverhältnisse eine tolle Wohnung und fürstlich für uns eingekauft. Zwei Freunde in einem anderen Auto folgten. So waren wir insgesamt sieben Wessis, sechs Typen, ein Mädchen. Grit hatte in der Nähe eine Wohnung, dort schliefen wir beide. Die anderen alle im Schlafsack in Manuela´s Wohnung. Verständlicherweise seilte ich mich von der Truppe frühzeitig ab, und bekam so das nächtliche Chaos erst am nächsten Tag erzählt. Zwei wurden nachts beim Rauchen vor dem Haus von der Vopo aufgegriffen, es bedarf sehr großer Überredungskünste von Manu und Frank, das es zu keinen größeren Strafen kam. Da am ersten Abend schon der gesamte Alkohol in den Gurgeln der Westler verschwunden war, ging es am nächsten Tag auf die Suche nach Nachschub. Der Leipziger Hauptbahnhof, genauer gesagt, der dort befindliche Inter-Shop wurde von uns überfallen und geplündert. Ich trug alles an Coca-Cola, das es dort zu kaufen gab, auf einmal davon. Eineinhalb Paletten Dosen a 0,33 l. Ich kann mich bis zum heutigen Tag an die ältere Dame erinnern, die mich ungläubig anschaute und sagte: „So viel!“ Sie wusste also was Coca-Cola war und wie schwer man da ran kam in der DDR. In Riesa wurde eine Metzgerei von uns geplündert, die hatten danach kein einziges Steak mehr. Was wir da angerichtet hatten, war uns damals nicht bewusst. Vielleicht war es ja sogar positiv im Nachhinein. Es wurde eine rauschende Grillparty, von der ich mich mit Grit früher zurückzog. Sie erzählte mir dann, dass ihr Vater ein hohes Tier bei der Partei (SED) sei und er auf keinen Fall von mir Wind bekommen durfte. Deshalb gab es auch das Zimmer in dem wir jetzt die Nacht verbrachten, SED-Sonderstatus sozusagen. Ich bekam auch ihre Telefonnummer mit dem Zusatz, nur morgens zwischen 6.30 und 7.30 Uhr anzurufen, da war ihr Vater zum Joggen außer Haus. Zur Vierzigjahrfeier der DDR wollten wir uns in Ost-Berlin wiedersehen.

Ihr Bruder Frank wollte unbedingt mal meinen Granada Kombi fahren. Ich vergesse nie seine leuchtenden Augen, als er auf einer Landstraße bei Riesa mehrere Trabbis und einen Wartburg überholte und begeistert sagte: „Das ist ja ein Rennwagen!“

Auf dem Heimweg fanden wir noch einen „DDR-Outdoor-Laden“. Dort war, neben drei weiteren Campinggegenständen, auch ein Campingbeil ausgestellt. Davon hatte der Laden tatsächlich 4 Stück. Drei davon konnten wir erwerben, das vierte war als Schaufenster-Dekoration unverkäuflich. Einmal mehr war mir bewusst, wie gut wir es doch im Westen hatten. Ein weiteres chaotisches WE in meinem noch jungen Leben war Geschichte.

Mittlerweile begann die Flucht aus der DDR über Ungarn. Manu und Frank hatten mir anvertraut, das sie auch flüchten wollten. Ich versprach, die beiden ende September an der Grenze in Österreich abzuholen, diese Situation konnte nur ein weiteres großes Abenteuer werden!

Am 08.09.1989 brach ich mit einem Kumpel vom Motorrad-Club zu meiner bisher größten Reise auf. Über Frankreich und Spanien nach Marokko, weiter durch Algerien und Tunesien, dann mit der Fähre nach Sizilien und über Italien und Österreich zurück in die BRD, wie man West-Deutschland damals abkürzte. Danach sollte es umgehend nach Ungarn gehen. Wir staunten nicht schlecht, Manu und Grit hatten es zwischenzeitlich ohne uns nach Bad Kissingen geschafft. Frank kaufte sich sofort einen Ford Granada Kombi! Mein Kommentar damals: „Frank du spinnst!“ Er musste ja mit 175 % KFZ-Versicherung anfangen! Der Versicherungsbeitrag für ein Jahr war teurer als der Kaufpreis.

Vom 06.-08.10.1989 war die „Vierzig-Jahr-Feier der DDR“ und im West-Deutschen Fernsehen wurde überall verkündet, die DDR hat die Grenzen für West-Deutsche für die gesamte Feier geschlossen! Ich musste Grit Bescheid geben. Drei morgen verbrachte ich zwischen 6.30 und 7.30 Uhr am Telefon. Wahrscheinlich hätte ich schneller Kontakt ins tiefste Afrika bekommen, als in die DDR. Ich wählte mir die Finger wund (für die jüngeren unter den Lesern, unser Telefon hatte eine Wählscheibe), kam am ersten Tag nur einmal durch, als sich in sächsischem Akzent das Kreiskrankenhaus in Riesa meldete. Tags darauf der gleiche Erfolg, diesmal hatte ich nach unzähligen Wählversuchen die Feuerwehr von Riesa am Apparat. Erst am dritten Tag hatte ich Grit am Telefon und konnte unser geplantes Rendezvous in Ost-Berlin auf das darauffolgende Wochenende verschieben. Danach kaufte ich ein Tastentelefon mit Rufwiederholung, hatte ich doch an sämtlichen Fingern Schwielen und Abschürfungen.

Am 13.10.1989 brach ich nach meinem Labor-Arbeitstag gegen 18 Uhr, mit einer Kanne starkem Kaffee Intus, nach Berlin auf. Ich erreichte am 14.10. gegen 2 Uhr den Grenzübergang Checkpoint Charlie und legte mich völlig übermüdet in meinen Granada Kombi. Wirklich ruhig war es nie, so dass ich kaum Schlaf bekam. Gerädert kroch ich gegen 7 Uhr aus dem Auto, um die Grenze schnellstmöglich zu passieren, kam doch Grit´s Zug um 10 Uhr am Bahnhof Berlin-Schönweide an. Ich bemühte mich nicht aufzufallen und war tatsächlich um 8 Uhr in Ost-Berlin, mit einem Tagesvisum ausgestattet, mit dem ich mich bis 23.59 Uhr im Stadtgebiet aufhalten durfte. Durch Fragen kämpfte ich mich in einer Stunde zum Bahnhof-Schöneweide durch, Navi´s wurden erst 20 Jahre später erfunden. So war ich eine Stunde früher am Gleis und wartete geduldig. Irgendwann traf der Zug ein und meine Spannung stieg. Viele hübsche Mädels liefen an mir vorbei, wo war Grit? Der Zug verließ das Gleis und ich stand alleine da. Was war passiert? Auch Handys wurden erst viel später erfunden! War sie vielleicht am Bahnhof Schönefeld ausgestiegen, hatte das verwechselt. Ich hatte keine andere Erklärung. Was tun, Schönefeld lag außerhalb des Stadtgebiets. Ich hatte somit eigentlich keine Berechtigung dorthin zu gehen. Drei Möglichkeiten kamen in Frage, um Grit dort abzuholen. Ich setze mich in meinen Granada und fuhr selbst dorthin! Wurde ich dabei erwischt, hatte ich ein großes Problem. Möglichkeit 2: Ich gab einem Trabbi-Fahrer 10 DM, mit der Bitte mich dorthin zu bringen! War es ein DDR-treuer Bürger, hatte ich das gleiche Problem. Überall standen Polizisten und Soldaten! Möglichkeit 3 war die S-Bahn. Das schien mir die sicherste Variante, bis ich dann die Stadtgrenze damit verlies. Angstschweiß stand auf meiner Stirn, erkannte man mich nicht an meinen Nike-Turnschuhen, ich musste an Prag denken! Bahnhof/Flugplatz Schönefeld war erreicht. Überall Uniformierte, wenn das mal gut ging. Ich musste ja schon an meinem ängstlichen Verhalten auffallen. Aber Grit musste ja hier irgendwo sein. So schlängelte ich mich, auf der Suche nach ihr, durch die vielen Wachposten. Nach 30 Minuten gab ich enttäuscht auf. Nichts wie zurück, bevor sie mich wirklich noch schnappten. Grit war mir plötzlich egal, so etwas wie Todesangst befiel mich! Ich atmete auf, als die S-Bahn die Stadtgrenze zu Ost-Berlin passierte. Um 12 Uhr war ich zurück an meinem Auto, eigentlich hatte ich schon den Beschluss gefasst, nach Hause zu fahren. Der nächste Zug aus Riesa kam um 14 Uhr, solange wollte ich dann doch noch warten. Ein zweites Mal stand ich erwartungsvoll am Bahngleis. Wieder stiegen viele hübsche Mädels aus, dass diesmal eine direkt vor mir stehen blieb, bemerkte ich irgendwie gar nicht. Erst als sie mich ansprach, schaute ich sie erstaunt an: „Grit was ist denn passiert?“

„Ich habe verschlafen!“ gab sie zur Antwort!?!?!?!

Scheiß egal, dachte ich, wir waren zusammen, aber was jetzt! Mir vielen die drei Interhotels ein, soweit ich wusste bekam man dort gegen Bares (DM) eine Visumverlängerung innerhalb kurzer Zeit. Geld war mir plötzlich egal, wir steuerten das Palast-Hotel in Ost-Berlin an und traten verunsichert an die Rezeption. Meine erste Frage: „Ich bin aus dem Westen, Grit von hier, ist das ein Problem?“ Wenn sie genug DM dabei haben ist das überhaupt kein Problem, das Zimmer kostete 280 DM/Tag, die Visumverlängerung weitere 140 DM! Bis zum heutigen Zeitpunkt ist das die teuerste Übernachtung meines Lebens, die Inflation überhaupt nicht berücksichtigt. Zum Glück hatte ich so viel Bargeld dabei, Kreditkarten gab es ja auch noch nicht! Viel bekam ich von Ost-Berlin nicht mit, wir verzogen uns gegen 18 Uhr aufs Zimmer und ich schlief erschöpft sofort ein. Ich wachte am Sonntagmorgen auf, wusste gar nicht was los war! Grit saß neben mir im Bett und war trotzdem guter Dinge. Sie hatte die ganze Nacht durch RTL geschaut, für sie das Highlight ihres Lebens. Riesa lag ja mitten im „Tal der Ahnungslosen“. Es war ja noch ein bisschen Zeit... Frühstücksbuffet war mit im Preis, das wusste weder sie noch ich. So trauten wir uns nur zwei Brötchen vom fürstlichen Buffet zu nehmen, um nicht noch mehr Kosten entstehen zu lassen. Was weiß der Bauer von der großen weiten Welt. Man lernt auf Reisen eben nie aus.

November 1989: Für die ersten Tage hatte ich wieder ein DDR-Visum beantragt. Klar zum einen Grit wieder sehen, zum anderen sollte ich auch für Frank und Manuela wertvolles Hab und Gut mitbringen, das sie auf ihrer Flucht zurück lassen mussten. Spannung war vorausprogrammiert. Dieses Auto kenne ich doch, wurde ich auf West-Deutscher Seite am Grenzübergang Eußenhausen vom Zöllner empfangen. Ich hatte auch Dia-Projektor, Leinwand und die Dias meiner Afrika-Reise mit dabei. Das blieb dem DDR-Zöllner nicht unbemerkt. Er klärte mich auf, dass ich solche Dinge eigentlich nicht einführen darf, er würde aber Mal ein Auge zudrücken. Neugierig öffnete er auch einen der vier Kästen und nahm gerade das Dia heraus, welches Frank und Manu (die DDR-Flüchtlinge) in Bad Kissingen zeigten. Er betrachtete es extrem kritisch, als schien er etwas zu ahnen. Die anderen 394 Dias zeigten alle Motive aus Afrika, merkwürdiger Zufall. Diesmal schliefen Grit und ich bei Manus Mutter auf dem Dachboden. Grit stellte mich ihrer Mutter vor. Diese hatte nichts dagegen, kannte sie doch die vielen Vorteile, die man als Bürger der BRD hatte. An einem Abend zeigte ich die Dias aus Afrika vor einem Publikum von 4 Personen bei Manus Mutter im Wohnzimmer. Als ich nach vier Tagen zurück fuhr, hatte ich unter anderem ein Kaffeeservice aus Meißner Porzellan dabei! Und dann kam die Katastrophe, ich fand gegen 23.45 Uhr in Meiningen nicht sofort den Grenzübergang. Schweißgebadet kam ich um 23.57 Uhr an der Grenze an! Das Auto wurde durchsucht und das Porzellan gefunden. Das dürfen sie nicht ausführen, sagte der Zöllner und nahm es in Gewahrsam. Es wäre ein Geschenk versicherte ich und nach 15 Minuten händigte er mir das Service glücklicher weiße wieder aus. Manuela und Frank nahmen es freudig in Bad Kissingen entgegen.

Am 09.11.1989 dann der Mauerfall!

Weihnachten 1989 ist Grit das erste und einzige Mal bei mir zu Hause in Bad Kissingen!

Am 26.01.1990 fahre ich das letzte Mal, diesmal ohne DDR-Visum nach Riesa, nun werde ich auch Grits Vater vorgestellt. Er tat „begeistert“ von mir. Im seinem Wartburg fuhren wir zu viert, Grit mit Eltern und meine Wenigkeit zum Campingplatz der Familie Böck. SED war eben auch Wohlstand. Dort kippte ich mit meinem „Wochenend-Schwiegervater“ 15 Bierchen (0,33 l) auf seine Rechnung. Er gab sich alle Mühe, mir zu imponieren, ein echter Wendehals. Die Enttäuschung folgte am nächsten Morgen. Mit dickem Schädel aufgewacht sagte Grit zu mir: „Ich habe einen anderen!“ Ich antwortete: „Alles klar!“ War die Luft raus, als die Grenze gefallen war, Spannung nicht mehr gegeben. Ich kann es nicht anders interpretieren. Ich habe diese Geschichte trotzdem bis heute (auch Grit), in positiver Erinnerung! Frank und Manu haben sich später getrennt und sind von Bad Kissingen weggezogen. Grit habe ich ein einziges Mal noch zufällig getroffen, Manu und Frank nicht mehr.

Am 03.10.1990 war ich schon mit Gabi zusammen. Gemeinsam nahmen wir an der Feier zur deutschen Wiedervereinigung am ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen/Meiningen teil. In der Wiedervereinigung sah ich einen ganz wichtigen Schritt zum Weltfrieden. Jetzt 30 Jahre später bin ich etwas ratlos, wie unzufrieden sich Deutschland und die Deutschen selbst entwickelt haben.

Zu guter Letzt noch zwei abschließende Zitate:

Einmal von meinem Freund und dzg-Mitglied Klaus Winterling, den ich in Begleitung seiner Partnerin Maike im Jahr 2005 in Tsetserleg in der Mongolei das erste Mal begegnet bin:

Auf Reisen habe ich gelernt, die Privilegien einer wirtschaftlich gesicherten Existenz, einer guten Gesundheit und eines guten Passes anzunehmen. Ich habe einfach Glück gehabt, in Deutschland geboren worden zu sein. Kein Grund für ein schlechtes Gewissen. Wir müssen aber unsere Chancen auch zum Wohle Anderer nutzen. Auf Reisen werden wir toleranter, demütiger und uns wird bewusst, dass alle Menschen wichtig und etwas besonderes sind. Vielleicht ist es ein zu großes Wort, aber ich halte Reisen für eines der wichtigsten friedenstiftenden und friedenerhaltenen Aktivitäten auf dieser Welt. Und Spaß macht es auch noch; riesengroßen Spaß sogar; auch noch nach 55 Jahren.

Ja, so lange ist Klaus nun schon unterwegs, hat über 170 Länder, immer mit dem Rucksack bereist!

Zurzeit lese ich das Buch „freigelassen“ von Birte Jeß und Ingo Schmitz, zwei wirklich vorbildlich reisende jüngere Globetrotter, die ich seit der Abenteuer Allrad 2012 kenne. In ihrem Buch bin ich gerade auf folgende Zeilen gestoßen:

Uns wurde erneut klar, dass die Zeit, die wir bisher auf dieser Welt verbringen durften, immer die Sonnenseite war, egal welche Wolken sich manchmal davor geschoben haben mochten. Das Privileg der Geburt und unserer Herkunft hatten wir dabei weder selbst erarbeitet noch verdient! Es war lediglich ein Zufall der Natur gewesen.



In diesem Sinne: Gemeinsam besiegen wir die Pandemie, die Impfung ist der Schlüssel! 2021 wird ein besseres Jahr, auch wenn es für mich mit einem Blut unterlaufenem Auge begann! Bleibt gesund und zuversichtlich, ich bin es auf jeden Fall!
Gruß Rudi Kleinhenz
Eichelberg 4
97688 Bad Kissingen
Tel: 0971-7854617

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***seit 1974 gemeinsam unterwegs - Der Club fürs Fernweh***
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