Studie aus der Schweiz zu den Deutschen Querdenkern mit außerordentlich bemerkenswerten Ergebnissen:
„Bei der letzten Bundestagswahl haben 21 Prozent die Grünen und 17 Prozent die Linke gewählt. Der AfD haben 14 Prozent ihre Stimme gegeben. Bei der nächsten Bundestagswahl wollen nun aber 30 Prozent der AfD ihre Stimme geben“, sagt Nachtwey. Charakteristisch für die neue Bewegung sei die Entfremdung von den Institutionen des politischen Systems, den etablierten Medien und den alten Volksparteien. „Es ist eine Bewegung, die mehr von links kommt, aber stärker nach rechts geht, sie ist jedoch enorm widersprüchlich.“
„Dabei zeigte sich, dass unter den Querdenkern – zumindest verdeckt – antisemitische Stereotype verbreitet sind, anderen klassisch rechtsautoritären oder rechtpopulistischen Einstellungen stimmen die Befragten jedoch weniger zu: 64 Prozent der Befragten sagen sogar, man müsse Kindern nicht beibringen, auf Autoritäten zu hören; der Nationalsozialismus wird seltener verharmlost als in der Gesamtbevölkerung.“
„Religion und die Kirchen spielen bei den Querdenkern eine geringe Rolle, nur zwölf Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten einen Gottesdienst besucht. „Aber die Querdenker“, sagt Nachtwey, „betrachten sich selbst als erwacht gegenüber den ungläubigen sogenannten Schlafschafen. Man will der verwalteten und der als technokratisch empfundenen Welt einen Sinn geben, es gibt eine Skepsis gegenüber dem hypermodernen Industrialismus.“
„Möglicherweise ergibt sich aus der neuen Bewegung ein Problem für die Grünen, mit dem sich die SPD und die CDU schon lange befassen müssen: Beiden Volksparteien gelingt es immer weniger, bestimmte Teile ihrer Milieus an sich zu binden. Bei der SPD zeigte sich das nach den Hartz-Reformen, bei der CDU nach der Flüchtlingskrise. „Die Professionalisierung der Grünen, ihre langjährige Regierungstätigkeit hat auch dazu geführt, dass ein Teil des grünen Milieus sich von dieser Partei nicht mehr repräsentiert fühlt. Vor allem ist das der anthroposophisch-esoterische Teil des grünen Milieus, Menschen also, die der modernen Industriegesellschaft und der Wissenschaftsgläubigkeit kritisch gegenüberstehen“, sagt Nachtwey. Bei vielen Querdenkern, die die Gefahren des Virus SarsCov-2 leugneten, gebe es einen ausgesprochenen Hang zur Naturromantik: So vertrauen 41 Prozent der Befragten ihren „Gefühlen mehr als Institutionen und Experten“, stark ausgeprägt sei der Wunsch, Schulmedizin und alternative Heilmethoden gleich zu behandeln, typisch seien auch der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Körpers und das Verlangen nach spirituellem Denken.
https://www.faz.net/aktuell/politik/inl ... 85343.htmlAuweia - da kommt ja was auf uns zu...
Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821/1829):„Wer sich den Gesetzen nicht fügen lernt, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten.“