Bondgirl hat geschrieben: 23. Dezember 2025 18:50Oh wie spannend! Ich will den Fred nicht missbrauchen aber das weckt Erinnerungen! Wo und wie durftet ihr Euch denn bewegen im Mourzuq und Ubari? Gerne einen eigenen Fred![]()
siehe auch J8 Bilder
Libyen Nov/Dez 2025
Hier ein paar Infos über meine Libyenreise Nov/Dez 2025.
Einreise mit eigenem KFZ ist nur mit Begleitung der Touristenpolizei möglich,
die muss Dich bereits an der Grenze empfangen, ansonsten keine Einreise möglich.
Für Wüstengebiete ist zusätzlich ein Guide erforderlich.
Wir waren mit einer italienischen Truppe von Desartica unterwegs,
vor 20 Jahren hatte ich mal ein paar Leute von denen in Tunesien kennengelernt.
Der Boss der Truppe reist seit 30 Jahren nach Libyen, mit Ausnahme
der Kriegsjahre bis letztes Jahr. Der hat dort Freunde und beste Kontakte.
Sehr schwierig ist Diesel zu bekommen. Dank der Kontakte von Desartica
hatten wir trotzdem nie Stress. Bereits vor der Tour wurden da und
dort ein Depot von seinen libyschen Kumpels angelegt, die hatten uns in
einem Tundra begleitet.
Ab und zu wurde nur für uns eine Dieselzapfsäule hinter der Tankstelle vorübergehend
in Betrieb genommen. Benzin ist einfacher zu bekommen,
lange Schlangen vor den Zapfsäulen sind trotzdem normal, dank der Touristenpolizei
wurden unsere Benziner immer vorgereiht. Auch bei den vielen Checkpoints von Polizei oder Militär wurden
wir dank der Touristenpolizei immer durchgewunken, ohne Kontrolle.
Von Tripolis bis zur tunesischen Grenze war überhaupt keine Tankstelle offen,
kein Benzin oder Diesel erhältlich, uns wurde gesagt, wegen dem Benzinschmuggel nach Tunesien.
Die Begleiter wussten das wohl und haben uns schon 200 km vor Tripolis vollgetankt.
Bei der Einreise wurden die Tanks an der letzten Tankstelle in Tunesien gefüllt.
Zweimal ist der Tundra in der Wüste abgebogen und hat uns abends oder
am morgen Benzin und Diesel in Fässern gebracht, keine Ahnung woher,
war irgendwie perfekt organisiert, gab wegen Sprit nie Stress.
Libyen ist ein Land der Benziner. Für Dieselmotoren gibt es keine Ersatzteile.
Wir hatten zwei Defekte. Bei einem 80iger ging in den Dünen der Turbo kaputt.
Der bekam einen Bypass und lief als "Sauger" weiter. Über die Dünen
hing er manchmal am Mog, ansonsten konnte er auf der Geraden mit 80-90 km/h
die Tour zu Ende fahren.
Bei einem Wrangler ging ein Lager vom Riemenantrieb kaputt.
Der schaffte es grad noch bis Tripolis. Ersatzteil für den Diesel war
nicht möglich zu beschaffen, gab auch keinen Turbo für den 80iger.
Der Wrangler fuhr dann Huckepack am Abschlepper für 100.- Euro
an die tunesische Grenze. War alles ganz entspannt, Desartica hatte immer alles
perfekt gelöst, gab deswegen nie wirklich Verzögerungen.
Anreise mit einem top gewarteten Diesel ist sehr empfehlenswert.
Ziel der Tour war die Durchquerung des Erg Murzuk.
Die Truppe war gut ausgerüstet und abgestimmt. So waren wir
dann schneller unterwegs als geplant. Desartica organisierte
dann kurzfristig noch eine Genehmigung für den Erg Urbari und
so ging's noch zu den Mandara Seen.
Dies war in 35 Jahren meine erste Tour mit einem "Veranstalter",
war bisher immer selbständig unterwegs und eher skeptisch.
Aktuell geht's halt nicht anders nach Libyen oder auch Algerien.
War dann sehr überrascht, wie toll die Tour dann war.
Eine perfekte Truppe waren wir, jeder war hilfsbereit, hat alles geteilt,
den ganzen Tag wurde viel gelacht. Wenn man wollte und fit mit GPS war,
konnte man den Tag auch quasi "allein" verbringen und immer wieder zur
Truppe stoßen. Hat aber nie wirklich jemand gemacht, war einfach
immer gspaßig die eine oder andere Herausforderung gemeinsam zu bewältigen.
Auch ohne Zwang würd ich das nächste Mal die Touristenpolizei oder Guides anheuern,
die haben einiges möglich gemacht, was man allein nie schaffen würd, z.b. Sprit organisieren.
Außerdem waren sie total nette Leute, haben uns viel übers Land erzählt
und einiges gezeigt, was man allein nie entdecken würd. Kosten hierfür sind in
der Gruppe fast zu vernachlässigen. Für die Zeit in Libyen haben wir 50.- Euro für
Einkaufen und Sprit benötigt. 150.- Liter Diesel oder Benzin tanken kostet 3.- Euro.
Diesel und Benzinqualität ist top, mit Euro6 Diesel in diesem Land kein Problem.
Das Land selbst ist total am Boden. Die Leute leben teilweise in Ruinen, endlose Müllberge
entlang den Straßen, Spuren des Krieges noch überall sichtbar.
Trotzdem sind die Leute total freundlich, freuen sich ehrlich, dass Du da bist.
Nicht ein einziges Mal wollte jemand was oder hätt die Hand aufgehalten.
Wir haben uns immer und überall sicher gefühlt, keine einzige unangenehme Situation erlebt,
auch nicht dort wo sich die Flüchtlinge aus dem Süden sammeln.
Die Cafes oder Camping an den Mandaraseen sind verlassen und nur mehr vermüllte Ruinen.
Schaut nicht unbedingt nach einer positiven Zukunft aus.
Während unser Tour haben wir sonst nirgends Touristen getroffen,
nicht an den Seen und auch nicht in Tripolis. In Sabratha
waren eine Handvoll Einheimische unterwegs, ansonsten nur wir.
Wenigsten hat jetzt mal die Weltbank ein bissl Druck ausgeübt, damit die
zwei korrupten herrschenden Banden etwas für das normale Volk tun.
Schaut aber eher nach Alibiaktionen aus, damit die Ölkonten nicht gesperrt werden.
Summasummarum ein tolles Abendteuer abseits der gewohnten Reiseziele,
traumhafte Wüstenlandschaften und nette Leut. Ich fahr auf jeden Fall wieder hin.
Gerhard
































