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Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort    

Alles rund um die Reise

Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby Surfy » Mon 9. May 2022, 13:09

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Nach unserer Transafrika und der Südamerika Reise hatte ich das Thema "Sicherheit auf Reisen" zumindest für unsere Overlanding-Trips innerhalb von Europa etwas entspannter beäugt. Natürlich haben wir uns für Eventualitäten vorbereitet, haben mögliche Vorfälle durchdacht und unsere möglichen Reaktionen darauf.

Dass mir auch nach über 400 Nächten einsames Wildcampen die Pumpe nochmals so schwer gehen könnte - hätte ich bei einer beschaulichen anmutenden Reise in Europa bzw Spanien - wirklich nicht gedacht.

Wir standen einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, an einem einsamen menschenleeren Strand in Spanien.

https://www.4x4tripping.com/2022/05/adr ... mping.html

Mir ging nicht nur die Pumpe - ich hatte Angst. Angst dass dies nicht gut ausgehen wird. Und mit unserer Reaktion - haben wir die Sicherheit für weitere Reisende beim Wildcamping am Strand vermutlich nicht gerade verbessert.

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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby durchdickunddünn » Mon 9. May 2022, 16:22

Ja, Südspanien/Andalusien ist in der Hinsicht schon immer und auch heute noch speziell. Schon vor 25 Jahren erlebt:

An der Steilküste zwischen Nerja und Almunecar gibt´s eine kleine Ferienhaussiedlung an der Steilküste. Unten ist ein schöner Strand mit Lokal in einer halbkreisförmigen Felsbucht, die mit dem Auto von der Küstenstraße auf 2 steilen Wegen erreichbar ist, einer davon eine Piste durch ein trockenes Flußtal.

Ich sitze nachts gegen 2 Uhr noch mit einer Flasche Wein, Buch und kleinem Licht auf der Terrasse. Plötzlich fällt mir auf, dass auf halber Höhe im gegenüberliegenden Fels der Bucht eine blaue Lampe gezündet wird. Ich lösche mein Licht, steige mit Fernglas auf den höher gelegenen Wasserspeicher und richtig: Auch auf unserer Seite der Bucht taucht so ein blaues Licht auf. Beide markieren offenbar die Bucht zur Navigation vom Meer her. Dann Motorengeräusch, durch das Flußtal kommen 3 Autos und halten vor dem dunklen Restaurant. Dann auch schon Motorgeräusch auf dem Meer und es rauschen 2 flache Schnellboote ohne Positionslichter in die Bucht bis nahe ans Ufer. Stimmen, Türenschlagen, offenbar Entladung der Boote in die Autos, die sofort abfahren. Die Boote wenden und zischen mit Vollgas ab, die blauen Lampen verlöschen, auch das dritte Auto fährt ab. Alles in guten 10 Minuten über die Bühne. Ganz offenbar auch das eine (sehr gut eingeübte) Schmuggelaktion, die von den Felsbuchten der Küste und der Nähe zu Afrika begünstigt wird. Und so läuft das halt heute noch.

Ich denke, Ihr habt euch richtig verhalten. Die Schmuggler haben dort kein Interesse, ihre Geschäfte und Routen dadurch ins Augenmerk zu rücken, dass sie ausländische Touristen um die Ecke bringen. Aber dass euch die Düse gegangen ist, glaube ich gerne - ich war damals wenigstens vom Geschehen ein Stückchen weg.

Das mit der Polizei hingegen hätte ich gelassen. Deren Interesse an Aufklärung dürfte höchst gering sein, wahrscheinlicher ist, dass sie bei diesem "normalen Vorgang" bewusst weg schaut. Als die Guardia Civil in Spanien noch vorherrschende Ordnungskraft war, wäre das möglicherweise anders gewesen. Aber das ist Jahrzehnte her. Mein verstorbener Stiefvater, dem das Ferienhaus gehörte, hatte dort immer einen geladenen Revolver deponiert. Aber mit so etwas in solchen Situationen herumzufuchteln, bringt gar nichts. Mäuschen spielen, wegducken, keine Eskalation.

Gruß durchdickunddünn
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby niap » Mon 9. May 2022, 22:15

All die guten, guten Geschichten passieren immer auch nur denen die sie erzählen können!
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby Surfy » Wed 11. May 2022, 14:38

niap wrote:All die guten, guten Geschichten passieren immer auch nur denen die sie erzählen können!


Danke für die Blumen!

Wie die Kommentare zeigen, hier, im Blog und auch in den Schwester-Foren passiert solches doch ab und an, gerade auch in dieser Region, aber Berichte liest man seltener.

Es ist nicht so schön darüber zu berichten. Man hat sich und vor allem seine Partnerin einem grossen Risiko ausgesetzt, die sich beim Bewerten der Sicherheitslage ganz sicher auf mich verlassen hatte.

Das war dann in der Regel vermeidbar gewesen und kann nachträglich einfach nur so gewertet werden: als unsäglich dumme Aktion. Ich bin da in der Situation definitiv zu sorglos geworden, vermutlich auch durch vorgängige Reisen durch risikoreichere Regionen.

Die wenigsten von uns schreiben ihre Erfahrungen öffentlich auf. Und unschönes - lässt man dabei doch vermutlich des öfteren einmal aus.

In der Regel berichtet man doch lieber über die schönen Erlebnisse, das gute Essen, die tollen Plätze, die schöne Natur und fokussiert sich nicht auf den Unfall, den Einbruch, den Diebstahl oder die eigenen Unzulänglichkeiten bei den getroffenen Entscheidungen.

Die sich stapelnden Reisefahrzeuge auf den legalen Plätzen und halb legalen Plätzen - der leere Strand - es hätte schon 1-2 Signale gegeben die ich hätte sehen können, oder semi unbewusst übersehen hatte. Dass die Party zwingend da steigen muss wo man sich hinstellt, ist ja dann schon eine eignene Dramatik.

Auch ich muss nun noch am Reisebericht schreiben, damit sich "nicht nur dieser" Vorfall in der Einnerung verfängt... Auch ein Grund wieso man über solches nicht so viel liest aus der Reiseszene.

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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby BJ Axel » Wed 11. May 2022, 14:42

Surfy wrote:Das war dann in der Regel vermeidbar gewesen und kann nachträglich einfach nur so gewertet werden: als unsäglich dumme Aktion. Ich bin da in der Situation definitiv zu sorglos geworden, vermutlich auch durch vorgängige Reisen durch risikoreichere Regionen.


Sehe ich nicht so. Man kann auch am hellichten Tag in der Fußgängerzone an einem Juwelier vorbeilaufen, der plötzlich von 5 Schwerbewaffneten ausgeraubt wird. Und nicht jeder einsame Strand ist automatisch ein Anlandeplatz für Drogenhändler und Schlepper.
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby tentoyo » Wed 11. May 2022, 15:40

Hallo, es hieß doch Land Cruiser Verkauf und Bus Kauf wegen Nachwuchs.
War euer Nachwuchs bei der Aktion dabei?
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby durchdickunddünn » Wed 11. May 2022, 22:21

Ich will gewiss nichts verharmlosen - und dennoch war Surfys Erlebnis aus meiner Sicht eher "harmlos". Die Schmuggler haben ganz andere Interessen als Touristen zu killen. Deshalb war auch mein damaliges Erlebnis vor 25 Jahren schon harmlos. Niemals hätten die eine Ferienhaus-Habitacion attackiert.

Das mit dem falschen Ort allerdings stimmt. Zu damaligen Zeiten haben wir ganz normal gecampt auf der Anreise. Und auch da habe ich z.B. erlebt, wie Ruhe auf einem Campingplatz durch Sicherheitskräfte mittels Faustschlägen hergestellt wurde. Spanien halt. Und ehrlich, schon damals und erst recht heute: Niemals und in keinem Land würde ich mich an einen kilometerlangen flachen, vom nächsten Küstenort einsehbaren, vermeintlich menschenleeren Strand ohne Sichtschutz stellen. Einsamkeit kann sogar die falsche Entscheidung sein, einige Einwohner auf dem Strand um dich herum bieten eher Sicherheit. 20 km weg ins Inland hinter Busch und Fels, da herrscht Ruhe. Ich schaue immer auf den Karten, wo Gelände Sicht- und anderen Schutz bietet und suche nach Verborgenheit. Zum Meer kann ich dann am nächsten Tag locker wieder fahren.

Oder ich gehe von vornherein auf einen Campingplatz, einen Bauernhof etc. Muss ja nicht alles immer "wild" sein.

Gruß durchdickunddünn
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby quadman » Wed 11. May 2022, 22:48

Zur falschen Zeit am falschen Ort kann man immer sein. Selbst in Deutschland im Wald, wenn ein blöder Jägersmann morgens um vier Uhr neben dem Fahrzeug dreimal in die Luft schießt...
Spannend, muss aber nicht sein.

Gruß Stefan
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby SandRookie » Mon 16. May 2022, 22:22

Echt jetzt, mir ging die Pumpe schon beim durchlesen Deines Berichtes!
Wir waren zum gleichen Zeitpunkt auch in dieser Gegend unterwegs, allerdings ohne jegliche Zwischenfälle. Dass wir als Wildcamper ein solches Risiko tragen muss als Banalisierung bezeichnet werden. Aber es gehört eine gute Portion Pech dazu. Wie Du schon sagst, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Auf jeden Fall werde ich diesen Faktor in Zukunft in die Beurteilung unserer Standplätze einbeziehen.

Vielen Dank für die Berichterstattung, prädikat sehr wertvoll.

Gruss

Stefan
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby Schraubenversteher » Tue 17. May 2022, 19:06

quadman wrote:Zur falschen Zeit am falschen Ort kann man immer sein. Selbst in Deutschland im Wald, wenn ein blöder Jägersmann morgens um vier Uhr neben dem Fahrzeug dreimal in die Luft schießt...
Spannend, muss aber nicht sein.

Gruß Stefan


Das mit den drei Schüssen kommt mir bekannt vor.
War 1987 in Montenegro: Dort liegt der Skadarskosee und mitten
durch den See geht die Grenze zu Albanien.
Vielleicht kennt der eine oder andere den Platz direkt nach der Dammstraße,
dort war damals eine verlassenes Steingebäude (Fischzuchtinstitut) mit ebenem
Platz direkt am Seeufer. Ein Einheimischer hatte uns den Platz für eine Übernachtung
empfohlen. Nach einer langen Tagesetappe und einem entspannten Bad im "brühwarmen"
See verkrochen wir uns recht bald in unsere Schlafsäcke. Damals war ich noch in der Lage
nur auf einer Isomatte in einem Leichtzelt am Boden zu schlafen.
In der Morgendämmerung wurden wir von drei Gewehrschüssen vom anderen Seeufer
aus geweckt. Kurz darauf nochmal drei Schüsse, dieses mal aber keine 10 Meter von unserem
Zelt entfernt. Ich und meine damalige Reisebegleiterin saßen aufrecht und hellwach
auf unseren Matten und lauschten was wohl als nächstes passieren würde.
Wir hörten Stimmen und Autotüren schlagen. Dann wurde mit zwei oder drei Fahrzeugen
rangiert.
Neugierig öffnete ich den Reisverschluss vom Zelt etwas und spitzelte hinaus.
Wenige Meter vor dem Zelt stand eine Gruppe Männer, die angespannt Richtung See
blickten. Dann war ein Außenbordmotor zu hören, und ein Boot näherte sich.
Einer der Männer blickte um und entdeckte mich dabei. Unsere Blicke trafen sich.
Er führte seinen Zeigefinger zu seinen Lippen und mit der anderen Hand deutete er
mir an, ich solle im Zelt bleiben.
Die Geste war für mich eindeutig: "Maul halten und Kopf einziehen", was ich auch
unverzüglich befolgte.
Dann ging alles sehr schnell. Das angelandete Boot wurde hastig entladen, die
Ware (ich nehme an es waren Zigaretten) wurde in die PKWs umgeladen und in
wenigen Minuten war alles verstaut und die Fahrzeuge sowie das Boot entfernten sich
von dem Platz.
Wir verharrten noch endlose 20 Minuten in unserem Zelt, bevor wir uns trauten
heraus zu schauen. Inzwischen war es hell und wir waren wieder ganz allein auf
dem Platz.
Nochmal Glück gehabt! Hätte auch ganz anders enden können. Aber damals als
junger Mensch, hatte ich auch noch ein andere Einstellung zu möglichen Gefahren.

Servus,
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby Cookie0-1 » Wed 18. May 2022, 07:02

Wie blöd muss man eigentlich sein, seinen bevorstehenden Schmuggelwarenaustausch im ruhigen Morgengrauen mit insgesamt 6 Gewehrschüssen zu publizieren?

Die Angst der Betroffenen kann ich nachvollziehen. Zum Glück hatte ich solche Situationen bisher nicht und wünsche diese auch niemandem.
.
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Re: Wildcampen: Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Postby Schraubenversteher » Wed 18. May 2022, 22:42

Nun, ich vermute mal die hatten keine Mobiltelefone (1987).
CB-Funk ist auch nicht gerade abhörsicher. Und irgendwie
mussten die sich ja verständigen, dass die Luft rein ist, und
die Aktion starten kann. Wahrscheinlich haben die einfach
eine entsprechende lange Reaktionszeit der örtlichen
Polizei einkalkuliert. Deshalb waren die ja auch beim Umladen
so in Eile.
Heutzutage werden die wohl whatsapp nutzen. :rofl:
Gruß,
Armin
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