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Die Sandwüste von Mogador    

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Die Sandwüste von Mogador

Postby RobertL » Sun 8. Jul 2018, 14:33

Hallo zusammen! An sich hätte ich diesen Beitrag normalerweise im Wüstenschiff-Forum gepostet. Nachdem dort aber seit geraumer Zeit, offenbar mit eindeutiger Duldung der Forumsbetreiber, die rechtsrechten Hetzer die Oberhand haben, schreibe ich den Wüstenbeitrag hier, in der Hoffung dass jemand Ideen dazu hat.

Ich habe heute, auf einem meiner Flohmarkt-Streifzüge, ein altes Journal namens "Kosmos - Handweiser für Naturfreunde" aus dem Jahr 1926 in die Hand bekommen. Beim durchblättern fiel mir ein Bericht von einem Dr. Kurt Flöricke auf, der von einem Flug eines großen Flugbootes (Dornier - Wal) der spanischen Marine entlang der marokkanischen Küste im Jahr 1924 berichtet, bei dem Luftaufnahmen der Küste Marokkos gemacht wurden. Dabei ist mir sofort aufgefallen, dass dieser Bericht von einer Sandwüste bei Mogador (heutiges Essouira) berichtet und auch Luftaufnahmen davon enthält.

Ich denke die spanische Marine hatte im Jahr 1924 kein Interesse an "Fake-News" - also ist davon auszugehen dass dies die tatsächlichen Umstände im Jahr 1924 darstellt.

Nachdem ich selbst schon in Essouira war und daher weiß, dass dort heute weit und breit keine Sandwüste zu finden ist, stellen sich mir mehrere Fragen:

- wo ist die Sandwüste hin?
- kann so ein großes Sandgebiet in knapp 100 Jahren einfach spurlos verschwinden?
- wenn ja - wieso und wohin?
- was bedeutet das für die aktuellen Sandgebiete in Marokko?
- wieso gab es diese Sandwüste vor knapp 100 Jahren, wo noch kein "Klimawandel" war, und wieso gibt es sie heute nicht mehr?

Hier noch die "Übersetzung" des relevanten Textes
Die schönste und sauberste dieser Städte ist Mogador, die deshalb bei den Arabern „el Zeguira“ = „die Liebliche“ heißt. Vorgelagert sind der umfangreichen Stadt eine Reihe größerer und kleinerer Felseninseln, auf denen See- und Fischadler sowie eine eigene Form von Kormoranen nisten. Die nähere Umgebung weist Felder auf, aber nicht weit davon erstreckt sich schon die traurige marokkanische Sandwüste, die ich oft genug zu Pferde durchquert habe. Gerade hier bei Mogador finden sich ziemlich viele und sehr liebliche Oasen, z.B. Ain Hascha, zu deutsch Steinquell.


Essaouira bedeutet dehalb aus meiner Sicht auch „die Liebliche“ von „el Zeguira“ und nicht, wie es Wikipedia behauptet, "die Eingeschlossene" von "as-Ṣawīra".

Fotos von dem Artikel

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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby xsteel » Sun 8. Jul 2018, 15:40

Na,
des war des rote Zeuch auf den Autos in den letzten 30 Jahren :rofl:

Spass beiseite.... kannst gern noch mehr Seiten davon hier reinstellen.

Danke und Gruß Sigi
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby _Malte_ » Sun 8. Jul 2018, 18:20

Wenn ich die alten Fotos mit Google Earth vergleiche, ist der Streifen zwischen Mogador und der Wüste mittlerweile bebaut und die ehemalige Wüste dahinter ist mit Baum- und Buschwerk bewachsen.

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Das kann schon durch leichte Veränderungen der Hauptwindrichtungen / Meeresströmungen verursacht worden sein.
Mitunter wird der Sand auch einfach bis aufs Deckgestein weggeweht, wenn kein Nachschub kommt.
Dann freuen sich u.U. die Archaeologen.
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby _Malte_ » Sun 8. Jul 2018, 19:40

RobertL wrote: - kann so ein großes Sandgebiet in knapp 100 Jahren einfach spurlos verschwinden?


Was ich noch erwähnen wollte, es kann durchaus, Robert.
Bohrkernanalysen haben gezeigt, dass sich sogar ein Großteil der Sahara innerhalb von nur 500 Jahren in eine Graslandschaft verwandelt hat. Dreimal in den letzten 200.000 Jahren, zuletzt im Holozän, bis etwa 2000 v.Chr. aus der Savanne wieder eine Wüste geworden war.
Schweineinteressant. Ich hätte damals mein Geologiestudium nicht schmeissen sollen. :think:
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby RobertL » Sun 8. Jul 2018, 19:48

_Malte_ wrote:
RobertL wrote: - kann so ein großes Sandgebiet in knapp 100 Jahren einfach spurlos verschwinden?


Was ich noch erwähnen wollte, es kann durchaus, Robert.
Bohrkernanalysen haben gezeigt, dass sich sogar ein Großteil der Sahara innerhalb von nur 500 Jahren in eine Graslandschaft verwandelt hat. Dreimal in den letzten 200.000 Jahren, zuletzt im Holozän, bis etwa 2000 v.Chr. aus der Savanne wieder eine Wüste geworden war.
Schweineinteressant. Ich hätte damals mein Geologiestudium nicht schmeissen sollen. :think:


Wirklich sehr interessant! Dass solche Vorgänge allerdings in einer solchen, für geologische Prozesse, extrem kurzen Zeitspanne ablaufen können, war mir nicht bewusst. Dass in weniger als 100 Jahren so ein Sandmeer verschwindet! :shock: :shock:

xsteel wrote:Spass beiseite.... kannst gern noch mehr Seiten davon hier reinstellen.

Danke und Gruß Sigi

Viel mehr zu diesem Thema gibt es leider nicht in diesem Journal. Es paar Absätze zu militärischen Begebenheiten könnte ich noch "klartexten", wie z.B. die Unterstützung des marokkanischen Sultans durch Krupp! :)
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby RobertL » Sun 8. Jul 2018, 19:57

So nebenbei in anderer "historischer Sache": kann jemand gut Kurrent lesen von euch?
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby _Malte_ » Sun 8. Jul 2018, 19:59

Es scheint sich dort manches verändert zu haben, nicht nur die alten Namen im Text.
Cap Juby habe ich gefunden, über die Oase Auin Hascha finde ich nichts.

Deutsche Schreibschrift konnte ich als Jugendlicher mal leidlich lesen, meine Oma hat noch so geschrieben.
Jetzt kuck ich auch eher wie das Schwein ins Uhrwerk. Aber manchmal gehts.
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby xsteel » Sun 8. Jul 2018, 20:04

Da wird sich kaum einer melden mit:
Haben wir in der GrundschGrundschule noch so geschrieben :rofl:
Aber ich versuch mich immer wieder im Kochbuch der Urgroßmutter....
Auflage von 1898 :lol:
Schon interessant und gut. Weiß nicht was die Fernsehköche von sich geben mit ihrem Gehabe,
aber des war alles mal schon erfunden was die heut von sich geben.

Also was du borhin gepostet hast konnt ich lesen.

Gruß Sigi
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby RobertL » Sun 8. Jul 2018, 20:07

xsteel wrote:Da wird sich kaum einer melden mit:
Haben wir in der GrundschGrundschule noch so geschrieben :rofl:
Aber ich versuch mich immer wieder im Kochbuch der Urgroßmutter....
Auflage von 1898 :lol:
Schon interessant und gut. Weiß nicht was die Fernsehköche von sich geben mit ihrem Gehabe,
aber des war alles mal schon erfunden was die heut von sich geben.

Also was du borhin gepostet hast konnt ich lesen.

Gruß Sigi

Na ja - was ich gepostet habe ist Fraktur und nicht Kurrent. :lol: :lol: Ich will aber jetzt dieses Thema nicht zerstören. Falls jemand gut in Kurrent ist - bitte melden. 8)
Schlecht kann ich es selber auch! :biggrin: Ist schon 50 Jahre her dass es mir meine Oma beigebracht hat und ich habe es eher wenig praktiziert seither.
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby Dogan5 » Sun 8. Jul 2018, 21:56

RobertL wrote:- wo ist die Sandwüste hin?
- kann so ein großes Sandgebiet in knapp 100 Jahren einfach spurlos verschwinden?
- wenn ja - wieso und wohin?
- was bedeutet das für die aktuellen Sandgebiete in Marokko?
- wieso gab es diese Sandwüste vor knapp 100 Jahren, wo noch kein "Klimawandel" war, und wieso gibt es sie heute nicht mehr?


Jupp kann es, Bebauung macht so etwas möglich.
Den restlichen Sandwüsten kann es ähnlich gehen solltes isch dort Leute ansiedeln.
Klimawandel gibt es nicht erst in diesem Jahrhundert, wir sterben nur zu schnell als das wie es mitbekommen wie das Klima sich ändert. Wenn wir wie Bäume so 400 Jahre leben würden wäre es einfacher.
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby xsteel » Sun 8. Jul 2018, 22:04

Dogan5 wrote: Wenn wir wie Bäume so 400 Jahre leben würden wäre es einfacher.


Ein paar kenn ich die so alt sein müssten, zumindest wenn es um des Holz im Hirn geht.

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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby Toyo75 » Mon 9. Jul 2018, 05:54

Hallo Robert,

Vermutlich unterm Golfplatz liegt der Sand. :angryfire:

Vor 28 Jahren war ich zuletzt in Essaouira, Auberge Tangaro. Südwestlich der Auberge ein Sandmeer, an das ich sofort bei deinem Post dachte. GM hat mir dann den Golfplatz dort gezeigt.

Kann natürlich auch weiter südlich sein, gibt (gab?) ja mehrere Barchanfelder auf der Strecke bis Agadir.

Viele Grüße
Barbara
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby RobertL » Mon 9. Jul 2018, 19:08

Also ich habe aus zwei Karten aus dem Jahr 1943 (Quelle: http://legacy.lib.utexas.edu/maps/ams/southern_morocco/ Karten 1 & 15) eine Übersicht zusammengepfropft und darauf sieht man eindeutig ein großes Sandfeld rund um das ehemalige Mogador, welches wohl heute mit Vegetation bedeckt ist. Erstaunlich wie schnell das geht. Malte hat das ganz richtig gesehen.

Ein Teil wurde auch von der modernen Stadt "gefressen".

Das "Original" der zusammengepfropften Karten kann ich bei Interesse gerne verschicken, hat 5,2MB.

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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby RobertL » Mon 9. Jul 2018, 19:13

Dogan5 wrote:
Klimawandel gibt es nicht erst in diesem Jahrhundert, ...

Schon klar! Mir wohl klarer als vielen anderen. Hast wohl noch nicht im Klimahysterie-Thread mitgelesen. Der Kommentar war eher sarkastisch gemeint (deshalb die "Gänsefußchen") in Hinblick auf die veröffentlichte Meinung. :D
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Re: Die Sandwüste von Mogador

Postby toyotamartin » Mon 9. Jul 2018, 19:40

Dort sieht es jetzt so aus:
CIMG9123.JPG

aufgenommen heuer auf der Strasse von Essaoira zum Camping le Calme
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