Moin,
sodale, dann holen wir mal noch ein bisschen aus:
Zuvor muss man allerdings noch eines Erklären:
Öl besteht im Prinzip aus unterschiedlich langen Molekülketten von Kohlenstoffatomen.
Diese werden als Cx bezeichnet wobei x für die "Länge" dieser Ketten steht.
Eine C2 Kette ist also super kurz mit nur 2 Kohlenstoff (Periodensystemzeichen C), eine C15 Kette besteht dann aus 15 Kohlenstoff Atomen und so weiter... "Aussen rum" um diese Kohlenstoffatome sind Wassertsoffatome (H als Symbol).
Es gibt dann verschiedene Unterarten, das muss man aber hier erstmal nicht wissen, uns reicht das Grundprinzip.
Fangen wir erstmal mit der Basis an - Es gibt 3 generelle Grund-Ölarten:
Mineralisches (Grund-) Öl:
Dieses wird direkt aus Rohöl gewonnen durch Destilierung, Filterung sowie Raffinierung.
Da das Öl durch diesen Prozess aber "unsaubere" Molekülketten enthält - also C Atome an denen H Atome fehlen, wird danach ein sogenanntes "Finishing" oder "Hydrofinishing" durchgeführt: Es wird Wasserstoff zugeführt um die "kaputten" bzw. unvollständigen Ketten zu ergänzen.
Das macht das Öl Alterungsstabiler und auch weniger aggresiv.
Dieses Herstellungsverfahren ist schon recht alt und auch "einfach".
Nachteil: Die Kettenlänge der Atomketten ist "ungenau" festlegbar und es gibt immer Abweichungen.
Vollsynthetisches (Grund-) Öl über "normales" Cracking:
Wesentlich aufwendiger hingegen ist das Vollsynthetisch Hergestellte Öl - es kann dafür aber sehr exakt hergestellt und die Kettenlänge bestimmt werden, zudem ist es sehr Alterungsstabil und thermisch höher belastbar.
Als Basis dient hier reines Benzin - also ohne jegliche Zusätze - auch Naphta genannt. Dies hat eine Kettenlänge zwischen C2 und C5.
Durch einen "Cracking" Prozess werden diese Ketten zunächst aufgebrochen, sodass nur noch C2 Ketten - also die kürzest mögliche - Form übrig ist.
Dabei geht das ganze dann vom flüssigen Aggregatzustand des Naphta in einen Gasförmigen Zustand über.
Nun folgt der Prozess des "synthetisieren" der entsprechend diese kurzen C2 Ketten zu den gewünschten Kettenlängen von C20-c35 zusammensetzt.
Dabei wird ebenfalls Wasserstoff zugeführt - damit die Ketten "geschlossen" und stabil sind.
Nachteil ist hier, das das Verfahren teuer und Aufwendig ist - und durch gewisse Nebenprodukte früher die Materialverträglichkeit dadurch geringer war. Bei aktuellen Verfahren ist das eher nicht mehr der Fall.
Hydrocrack (Grund-) Öl:
Hier wird als Basis nicht ein sehr dünnflüssiges und kurzkettiges Naphta verwendet, sondern das beim klassischen raffinieren von Mineralöl abgeschiedene und ausgefilterte, langkettige Paraffin.
Dieses Paraffin hat eine Kettenlänge von über C35 und wird unter hohem Druck und Hitze mit einem Katalysator aufgebrochen um eine Länge von C20-C35 zu erhalten.
Anschließend wird dies bei einer Vakuumdestillation nochmal gereinigt und "abgeschlossen" - und man erhält so ein sehr reines Grundöl höchster Qualität.
Wat bedeutet das nun?
Man kann durchaus aber sagen das ein Mineralischer Motoröl weniger "Gut" ist als ein "Synthetisches" (egal ob über klassisches Cracking oder Hydrocking).
Teilsynthetisch wäre dann einfach nur eine Mischung von mineralischem und Synthetischem Öl - verschwindet heute aber nahezu komplett vom Markt, ebenso wie mineralisches Öl (Zumindest als Motoröl).
Früher wurden Motoren nahezu direkt mit dem Mineralöl geschmiert - das reicht heute nicht mehr.
Insbesondere höhere Temperaturen, länge Wechselintervalle, Materialmischungen der Bauteile etc. machen hochwertigere Öle erforderlich.
Auch die beiden Synthesearten helfen hier nicht alleine, um die Anforderungen zu erfüllen - stellen aber eine besser kontrollierbare, stabilere Ausgangslage dar.
Aus dem Grund spricht man inzwischen dabei auch von "Grundölen", die zwar die Basis stellen, aber dann eben verfeinert werden.
Nun kommen also die Additive hinzu:
Ein gutes Motoröl muss mehr können als "nur" schmieren:
Es muss Alterungsstabil sein, es muss von der Viskosität stabil sein, es muss zum Korrosionsschutz beitragen, Schmutz lösen können, es muss unter hohem Druck "halten", es darf nicht schäumen etc.
Dazu sind inzwischen rund 20-30% der Ölmenge rein die zugesetzten Additive! Nur die restlichen 70-80% sind das Grundöl.
Was ist da so grob drin?
- Tenside: Als "waschaktive" Substanzen, die Rückstände lösen und Ablagerungen vermeiden
- Druckfeste Bestandteile wie Schwefel- und Phosphorverbindungen die sich beim hohen Temperaturen ablösen und eine Sulfidschicht (Schwefel) bzw. Phosphatschicht (Phosphor) auf den Metalloberflächen bilden um Verschleis zu vermeiden.
- Additive die den Stockpunkt (also den Punkt an dem das Öl zu Fett wird) tiefer setzen, damit das Öl flüssig beliebt auch wenn es sehr kalt ist.
- Viskositätsanpassungen: Durch spezielle Polymere wird die Viskosität bei unterschiedlichen Temperaturen beeinflusst, da diese sich "ausdehnen" und Zusammenziehen und damit die Viskosität im gewünschten Bereich halten. Nur dadurch sind Öle wie 5w-30 etc. überhaupt möglich!
- Korrosionsschutzadditive, die z.B. Säuren binden und auch andere Stoffe "neutralisieren".
- Additive die das Geräuschverhalten beeinflussen (Dadurch laufen einige Öle "ruhiger" - ob das besser ist sei mal dahingestellt)
- Dispersanten: Stoffe, die Verunreinigungen in Schwebe halten durch umhüllen (Peptisieren von festen Verunreinigungen, Solubilisierung von flüssigen Verunreinigungen)
- Reibwertmodifizierungen: Es wird eine "Anhaftung" auf Oberflächen erzeugt, die gewisse Eigenschaften mit sich bringt.
Wenn man bedenkt das das bis zu 30% der Ölmenge sind, sieht man das das "nicht ohne" ist und die Additive einen entscheidenden Teil beitragen.
Warum verschließt Öl?
Wie ihr oben gelernt habt, handelt es sich beim Grundöl um lange Kohlenstoffketten.
Diese können "zerreißen" druch zu hohe Belastung, hohe Temperaturen etc. - und dadurch verändern sich die Eigenschaften.
Teils verlieren sie ihre Schmierwirkung, teils bilden sich damit aggressivere Stoffe etc.
Auch die Polymere zur Viskositätsstabilisierung gehen "kaputt" und verbrauchen sich.
Zusätzlich landet auch Kraftstoff, Ruß und Wasser im Öl - neben dem Abrief der entsteht.
Das verbraucht zum Beispiel die Korrisionsschutzbestandteile und die Dispersanten.
Bei sogenannten "LongLife" Ölen wird durch stärkere Additivierung, bessere Grundölgüte etc. versucht den Verschleiss zu verzögern bzw. länger in einem "akzeptablen" Bereich zu halten - ob das klappt sei mal dahingestellt.
Was heisst das nun für die Frage im Thread:
Kurz:
Billiges Öl = Häufiger wechseln
Neuerer Motor = Synthetiköl
Alter Motor = Synthetiköl schadet nicht, wenn auch nicht zwingend notwendig.
Öle nicht mischen! Da sich gewisse Additive nicht vertragen!
Bei den billigeren Ölen ist häufig die Grundölqualität "variabler" und das Additivpaket oft weniger abgestimmt und teils auch nicht immer gleich, da zum Beispiel Überproduktionen aufgekauft und abgefüllt werden.-
"Schlecht" ist es dadurch nicht.
Bei teuren Ölen wird eben ein höherwertigeres Grundöl genommen, und ein immer gleiches Additivpaket bei der gleichen Ölsorte.
Dadurch ergeben sich eben auch die teils x-verschiedenen Öle eines Herstellers mit gleicher Ölviskosität - sie sind eben anders additiviert.
Nun heisst "mehr Additiv" aber nicht zwingend "besser" Denn mehr Additiv heisst auch: Weniger Grundöl!
Da sind wir auch bei den Herstellerfreigaben:
Einige Hersteller (Ford, VW, Mercedes etc.) schreiben nun eben mit den x unterschiedlichen Freigaben gewissen Additivmengen und Grenzwerte vor.
Obs hilft sieht man in der Werkstatt - ironischerweise haben grade die Hersteller, die für jeden Motor eigene Freigaben und Freigabeverfahren für Öl haben die meisten Motor- und Turboschäden zu beklagen...
Da darf sich nun jeder seinen Teil denken!
Toyota hält sich an die groben Vorgaben der Normen ILSAC, API und ACEA - und ist dort auch oft mit den Anforderungen sehr genügsam.
So fordern selbst die aktuellsten Toyota Motoren nicht die neuesten Nomen - zumindest wenn man das Weltweit betrachtet.
In USA und EU wird leider inzwischen oft sehr "hoch" gefordert, um die letzten paar Milliliter Verbrauch zu optimieren und weil die Prüfzyklen für Verbrauch die engen Rahmenparameter vorgeben.
So kommt es dann eben auch zu Vorgaben von 0W-20 für die aktuellen HiLux und Land Cruiser.
Da macht ein 5W-30 sicherlich mehr Sinn und ist weltweit auch zugelassen von Toyota (wenn es nicht zu kalt ist geht sogar ein 102-40 teils noch).
Ich hoffe das bringt ein bisschen EInblick wie so ein Öl funktioniert - allerdings ist Motoröl auch das "schwierigste" Öl im KFZ: Denn alle anderen Öle (Getriebe, Diff und CO) werden deutlich weniger von Aussen verunreinigt als das Motoröl...
Später kommt noch was zu "Ölzusätzen" - kurz vorab: Alles Mist
Viele Grüße
Broesel