Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

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farnham
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Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von farnham »

Hallo zusammen,

hier mal eine dringende Frage in die Runde. Mir sind heute hier in Südafrika (Karoo NP nahe Beaufort West) hinten rechts alle sechs Gewindebolzen, die die der Steckachse mit der Radnabe verbinden, abgeschert. Von den beiden Passstiften, die normalerweise das Drehmoment übertragen, ist einer verschwunden und einer nicht mehr dort, wo er hingehört (schaut 10mm nach außen raus aus der Steckachse).

Wie wäre denn der beste Plan, um die nächsten 5..10 km als Fronttriebler zur nächsten Werkstatt zu humpeln? Steckachse rausziehen und Flansch mit einer Plastiktüte abdichten? Oder besser (frei drehend) drin lassen und irgendwas basteln, damit ich sie nicht verliere? Das hintere Diff hat natürlich auch eine unbekannte Menge Öl verloren. Diff-Öl wäre vorhanden, aber nachfüllen erscheint fragwürdig, da es wohl nicht lang drin bleiben wird. Das Radlager hab ich mir angesehen - unauffällig (leichtgängig und keinerlei fühlbares Spiel im angehobenen Zustand).

Falls es beim J7 Unterschiede geben sollte: ich habe die australische Version mit der Scheibenbremse hinten, die Achse sollte eine Full Floating Achse sein.
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Jelonek
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von Jelonek »

5-10 km so als Notfall wäre für mich okay

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JakobP
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von JakobP »

Hatte in Georgien mal das selbe Problem. Betreffende Steckachse gezogen, mit Panzertape und Folie "abgedichtet" damit kein Dreck rein kommt, danach die hintere Kardanwelle ausgebaut und ca. 150-200 Km in 4H also "Frontantrieb" nach Tiflis gefahren auf der Suche nach den passenden Bolzen und Konussen. Das hat tadellos funktioniert, bin allerdings nicht schneller als 60 Km/h gefahren. FF-Achse mit Trommelbremse.
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Thomas aus LAU
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von Thomas aus LAU »

Ich würde die Position der Kardanwellenflansche auf beiden Flanschseiten markieren (Körnerpunke, Farbklecks,...) und dann die hintere Kardanwelle entfernen.

Steckachse raus und die Öffnung mit Gummihandschuh = Dichtung + Pfropfen (Holz, Kork,...) abdichten. Pfropfen gegen Rauswandern sichern.
Sicherstellen, dass zumindest etwas Differentialöl drin ist.

Gruß von Thomas aus LAU der Euch die Daumen drückt.
Zuletzt geändert von Thomas aus LAU am 22. Januar 2026 00:02, insgesamt 3-mal geändert.

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spec
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von spec »

wenn du auf nummer sicher gehen willst, beide steckachsen ziehen uns hintere kardan ab. dann bewegt sich das diff nicht mehr.

radlager unbedingt ausbauen und im zweifelsfall erneuern. die bolzen brechen eigentlich nur wenn das radlager spiel hat
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HJ61-Freak
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von HJ61-Freak »

Mit unserem J6, der allerdings das große Differentialgetriebe der Hinterachse auch baugleich an der Vorderachse hat, sind wir in Südamerika wegen eines Differentiallagerschadens an der Hinterachse gut 300 km nur mit Frontantrieb gefahren. Das hintere Diff. sowie die Kardanwelle waren dabei demontiert, die Antriebswellen montiert. Das geht auch umgekehrt, also Kardanwelle und Diff. montiert und dafür die Antriebswellen demontiert. Ich würde Plastiktüten über die Radnabengehäuse ziehen und mit Kabelbindern sichern. Solange das Diff. nicht unter Last mit zu wenig Öl betrieben wird, richten die paar Kilometer keinen Schaden daran an.

Bezüglich des Fahrtempos habe ich mich damals nicht beschränkt, ich bin halt so gefahren, dass ich kein Verkehrshindernis bin. Die Lenkung bedarf dabei aber herzhaften Zupackens, da die Lenkgeometrie nicht für den Vorderradantrieb ausgelegt ist. Die Antriebseinflüsse machen sich deswegen sehr deutlich bemerkbar.

Gruß

Florian
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farnham
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von farnham »

Bin in der Werkstatt angekommen. Habe letztlich nur die eine Achse gezogen und das Lager großzügig abgeklebt. Mit 20kmh ist die Achse komplett kalt geblieben. Öl war im diff mit langem Finger noch zu finden und durchs Abkleben gab's auch keinen weiteren Verlust.

Radlagerspiel (ohne Steckachse und angehoben) ist quasi nicht fühlbar und auch nach Aussage des m Mechanikers absolut ok. Ich denke wirklich, dass sich einer oder beide Stifte zuerst verabschiedet haben. Oder halt die Bolzen waren nicht korrekt angezogen.
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GRJ78
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von GRJ78 »

Vermutlich letzteres. Kontrollieren schadet nie. Sind aber nur bissi mehr wie handwarm angezogen mit den Sprengringen drunter.
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spec
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von spec »

GRJ78 hat geschrieben: 22. Januar 2026 11:19
Vermutlich letzteres. Kontrollieren schadet nie. Sind aber nur bissi mehr wie handwarm angezogen mit den Sprengringen drunter.

ich klebe die muttern ein, schraubensicherung blau, 33 NM lt WHB
die stehbolzen mit schraubensicherung rot
die muttern sollte sollte man so hin und wieder kontrollieren
wenn du eh dran bist würde ich das radlager nach werkstatthandbuch einstellen (lassen)

mit nur einer steckachse und wenig öl wäre ich nicht weitergefahren auch nicht ein paar km.
Zuletzt geändert von spec am 22. Januar 2026 14:52, insgesamt 1-mal geändert.
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HJ61-Freak
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von HJ61-Freak »

farnham hat geschrieben: 22. Januar 2026 11:03
Radlagerspiel (ohne Steckachse und angehoben) ist quasi nicht fühlbar
Es existiert beim LC an der FF-Achse kein Radlagerspiel, denn das Radlager wird mit einer definierten Vorspannung und damit absolut und in jeder Hinsicht spielfrei eingestellt.
farnham hat geschrieben: 22. Januar 2026 11:03
Ich denke wirklich, dass sich einer oder beide Stifte zuerst verabschiedet haben. Oder halt die Bolzen waren nicht korrekt angezogen.
Das halte ich für ausgeschlossen. Diese Stifte dienen ausschließlich der Zentrierung des Flansches der Antriebswelle im Verhältnis zum Radnabengehäuse. Diese Stifte dienen nicht zur Übertragung des Drehmoments, dies geschieht allein durch den aufgrund der Schraubverbindungen erzeugten Kraftschluss. Bei dieser Schraubverbindung stellen, neben den bei der alten Variante mit M8 zu dünn ausgelegten Stehbolzen, die geschlitzten Kegelstücke das Hauptproblem dar. Diese Kegelstücke müssen eine rostfreie und vor allem absolut gratfreie Kegelfläche (Außenseite) aufweisen. Selbst kleinste Gratstellen können dazu führen, dass sich das Kegelstück nicht vollständig in den entsprechenden Passsitz der Antriebswelle setzt und sich in der Folge die Schraubverbindung durch die Lastwechsel lösen kann. Eigentlich sind die Kegelstücke Einwegteile und müssten nach jeder Demontage gegen Neuteile ersetzt werden. Man kann sich aber behelfen und die Außenfläche mit einer Schlüsselfeile von etwaig vorhandenen Graten befreien. Ich lasse die gebrauchten, geglätteten Kegelstücke auch galvanisch verzinken, wenn die Teile rostig sind. Auch die verzinkte Oberfläche verbessert den antriebswellenseitigen Sitz der Kegel.

Ich selbst verwende bei der Variante mit den M8-Stehbolzen auch nicht die originalen Sechskantmuttern mit Federscheibe, sondern selbstsichernde Muttern (Nylock oder Quetschmuttern). Mit dem Drehmoment bleibe ich 3-4 Nm unter der Werksvorgabe, weil die Werksvorgabe von 33 Nm bezogen auf die M8-Stehbolzen m.E. grenzwertig hoch ist.

Gruß

Florian
Zuletzt geändert von HJ61-Freak am 22. Januar 2026 16:42, insgesamt 2-mal geändert.
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spec
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von spec »

die stehbolzen sind jetzt M10, keine Ahnung ab welchen BJ bei meinem 2001 jedenfalls so
die kegelstücke gebe ich auch neu, ein bischen kupferpaste drauf ist auch gut
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HJ61-Freak
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von HJ61-Freak »

Jepp, irgendwann hat Toyota die Anzahl der Radbolzen auf fünf reduziert und im gleichen Zug die Stehbolzen der Antriebswellenbefestigung auf M10 vergrößert. Ich habe das in meinem vorangegangenen Text angepasst bzw. verdeutlicht.

Gruß

Florian
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von farnham »

HJ61-Freak hat geschrieben: 22. Januar 2026 13:02
Das halte ich für ausgeschlossen. Diese Stifte dienen ausschließlich der Zentrierung des Flansches der Antriebswelle im Verhältnis zum Radnabengehäuse. Diese Stifte dienen nicht zur Übertragung des Drehmoments, dies geschieht allein durch den aufgrund der Schraubverbindungen erzeugten Kraftschluss. Bei dieser Schraubverbindung stellen, neben den bei der alten Variante mit M8 zu dünn ausgelegten Stehbolzen, die geschlitzten Kegelstücke das Hauptproblem dar.
Hochinteressante Info, vielen Dank!

Inzwischen bin ich wieder auf der Straße.

Nachdem die Fahrzeugübergabe nach Reparaturversuch Nr.1 mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Händen endete (Stift Nr. 1 schaute 2cm aus der Antriebswelle, von Stift Nr. 2 keine Spur, Antriebswelle außerdem noch um ein Loch versetzt eingebaut), war ich bei Reparaturversuch Nr.2 heute dann doch ununterbrochen in der Werkstatt dabei. Drehmomentschlüssel hab ich - außer in Windhoek vielleicht - in ganz Afrika noch nicht in Aktion gesehen. Ich hab mal ins Bordwerkzeug gegriffen und auf 30NM festgezogen. Hoffe das hält bis Windhoek auch mit nur einem ordentlichen Stift und einem Spannstift als Ersatz für den fehlenden Zylinderstift- denn der originale war in ganz Beaufort West weder für Geld noch für gute Worte aufzutreiben. Das die Reparatur nur ein Provisorium ist, steht außer Frage und das Richtersveld werd ich mir wohl tendenziell auch fürs nächste Jahr aufheben...

Ich habe übrigens fünf Radbolzen und M8-Stehbolzen an den Antriebswellen am VDJ79 aus 2008

spec hat geschrieben: 22. Januar 2026 11:39
mit nur einer steckachse und wenig öl wäre ich nicht weitergefahren auch nicht ein paar km.
Ich hatte dabei nach etwas Überlegung eigentlich kein allzu schlechtes Gewissen: das Rad mit Welle sollte das Ausgleichsgetriebe mit der gleichen Drehzahl antreiben wie die Kardanwelle es übers Kegelrad tut. Außer in Kurven sollte sich im Diff selbst nicht allzu viel drehen, was sich besser nicht (schnell) drehen soll. In der Kurve gibts auch keine Verspannung - die zweite Seite ist ja offen. Die übertragene Leistung dürfte bei ziemlich genau 0W liegen und das Tellerrad war ziemlich sicher noch im Ölbad.

Im Nachhinein hat sich auch herausgestellt, dass kaum Öl fehlte (vielleicht 100 oder 200ml zu wenig).
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onkel
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von onkel »

Bist du sicher mit M8 ?
Normalerweise sollten da M10 Stehbolzen sein
Gruß Onkel

https://youtu.be/6kP-xraRWOk?si=KNt9yUve_ZrCcgao

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Auf 2 Rädern bevorzuge ich auch Stahl statt Plastik :
http://www.bmw-r35.de

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farnham
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Re: Fahren im Frontantriebsmodus - mit oder ohne Steckachse?

Beitrag von farnham »

onkel hat geschrieben: 23. Januar 2026 18:15
Bist du sicher mit M8 ?
M8 SW14 - totsicher. Auto ist wie gesagt ein Australier mit Scheibenbremse hinten.
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