Morgen beginnt die 28. "Abenteuer & Allrad" in Bad Kissingen, die größte europäische Messe für alles rund um Offroad, Outdoor und Reisen. Auch ich werde wieder dabei sein, wenn auch dieses Jahr nur als Tagesbesucher.
Die A&A und das Buschtaxi verbindet tatsächlich eine lange Tradition, wir sind sozusagen zusammen aufgewachsen und groß geworden. Mitte der 80er Jahre, als der Geländewagen-Boom in Deutschland begann, war nach wie vor die IAA das Maß der Dinge, und da wurde das Allrad-Thema über die glänzenden Hersteller-Präsentationen in den Haupthallen und ein paar windige Spezialstände irgendwo im Keller gespielt. Zubehör und Umbauten kamen erst langsam ins Rollen und waren kaum Messethema. "Wir hatten ja nix". Bis dann 1988 mit der "IOR", der "Internationalen Offroad-Messe", eine eigene Veranstaltung für unsere kleine Nische entstand. Diese erste Offroad-Messe, untrennbar verknüpft mit Verleger Alfons Czerny und seinem Magazin "OFF ROAD", gab dem aufblühenden Markt exakt, was er brauchte: Einen Überblick über Hersteller, Zubehör, Reisen, Neuigkeiten...und natürlich einen Treffpunkt für die Szene. Jährlich haben wir vom Offroad-Club einen Reisebus organisiert und sind gen Süden gepilgert, um einen Tag lang zu reden, zu planen, zu träumen. Was in München begann, wanderte zwischendrin mal nach Köln und dann wieder zurück: Die 10. IOR im Jahre 1998 war die erste Automobilveranstaltung auf dem neuen Messegelände München-Riem und wurde als "größte Geländewagenausstellung der Welt" kommuniziert. Und ja, die Jubiläums-Veranstaltung war erfolgreich, und eine Offroad-Messe in modernen Messehallen war auch schön, gut und professionell...aber die Szene fing sie damit immer weniger ein. Die Offroader wollten raus, weniger steril sein, weniger "anständig", die wilden Zeiten feiern. Man wollte in Dreck und Staub stehen, nicht auf Teppich.
Czerny reagierte: 1999 gab es eine neue Messe, genannt "OFF ROAD AKTIV" und immer noch unter der Schirmherrschaft der OFF ROAD. Sie sollte im Wechsel mit der Münchener IOR stattfinden und ein gänzlich anderes Flair bieten. Als Austragungsort wurde ein ehemaliges taktisches Trainingsgelände der US Army gewählt: Die "Reiterswiesen" in Bad Kissingen. Und das war wirklich etwas ganz anderes: Alles draußen, alles deutlich handfester, und ein Fahrgelände gab es auch. Die Sterilität der Messehallen war verschwunden, endlich konnte man "Offroad" auch anfassen und ausprobieren. Keine Frage: Darauf hatten die Allradler gewartet, das zog. Veranstalter vor Ort war die Firma pro-log, die sich mit Rallye-Logistik, Offroad-Events und Incentive-Veranstaltungen beschäftigte. Die steckten mitten in der Szene, hatten viel handfeste Erfahrung und wussten deshalb genau, was die Leute wollen. Und sie konnten es. Kurzum: Es hat funktioniert. Was wohl nicht so ganz funktioniert hat, war die Stimmung zwischen Alfons Czerny und pro-log. Und um es kurz zu machen: Ab 2001 veranstaltete pro-log die Messe in Bad Kissingen alleine, nun unter dem Namen "Abenteuer & Allrad".
Ich durfte alles von Anfang an erleben: Als ich 1999 zum ersten Mal nach Bad Kissingen fuhr, hatte ich die Buschtaxi-Idee im Hinterkopf, die wilden Trial-Jahre in Gedanken, den ersten eigenen Land Cruiser im Blick und - wie alle anderen da oben auch - richtig viel Bock auf alles, was mit vier Stollenreifen zu tun hatte. Zwei Jahre später war das gerade erst online gegangene Buschtaxi dann mit einem eigenen Stand dabei. Und es lag eine Menge Euphorie in der Luft. Die ersten Messejahre waren wild und ungestüm, getrieben von Aufbruch und Anarchie, gestützt von einer noch recht überschaubaren Offroad-Community, hemdsärmelig und herrlich chaotisch. In diesen Zeiten waren noch viele kleine Aussteller mit dabei, die herrlich rotzig hingeworfene Speziallösungen zeigten, die sie tagtäglich selbst im Gelände auf Herz und Nieren testeten. Es waren positiv Verrückte, allesamt. Und: Damals waren auch die Vereine noch mit dabei, auch das hat die Stimmung maßgeblich geprägt. Die Aussteller haben oben direkt auf dem Stand übernachtet, die Nächte waren lang, laut, fröhlich und sehr, sehr feucht. Wir haben die halbe Nacht im Zelt der Allrad-Spezis Franken oder auf irgendeinem anderen Stand verbracht. Wir haben Spanferkel gegessen, und Fässer geleert, Bekanntschaften geschlossen, Ideen ausbaldowert und nicht über den nächsten Morgen nachgedacht. Viel Schlaf haben wir alle nicht bekommen, und das hat man uns verflixt nochmal auch angesehen. Ich erinnere mich an so viele Anekdoten, und die meisten darf ich nie jemandem erzählen. Bad Kissingen war wie Rock am Ring, wir waren fünf Tage lang beseelt und danach völlig ausgenudelt. Was für eine Zeit.
Über die Jahre ist die Abenteuer & Allrad mächtig gewachsen. Und mächtig erwachsen geworden. Während die Messe immer größer und professioneller wurde, entwickelte sich auch der Buschtaxi-Stand weiter. Und er wurde über die Jahre zu einem festen Treffpunkt der Buschtaxi-Familie. Der erste Stand bestand aus ein paar Autos und einer tonnenschweren Holz-Trennwand mit aufgeklebten Fotos, die Shirts wurden aus dem Kofferraum raus vertickt, wir standen am Rande des Fahrgeländes und wurden vier Tage lang von den 6x6-Amphibien-Knatterbüchsen mit Lärm überzogen und völlig eingestaubt. Des Staubs am Fahrgelände überdrüssig zog das Buschtaxi ein paar Jahre später ans Eck vor der Gerätehalle, in der die Aggregate standen, 2008 nahmen wir dann das Fahrgelände in der Mitte komplett in Beschlag und hatten ein großes offenes Zelt, jede Menge Land Cruiser drunter und einen eigenen Community-Bereich. 2010 bauten wir zusammen mit dem DLC ein schönes Tipi mit ausreichend Bestuhlung für viel Gemeinschaft auf, Kaffee wurde ausgeschenkt, wir haben die Tage auf Heuballen sitzend durchgequatscht. 2011 gab es dann einen gewaltigen Sprung: Mit Unterstützung Toyotas wurde Halle 2 zur Buschtaxi-Halle und wir zimmerten zum 60-jährigen Land-Cruiser-Jubiläum satte 25 Meter Historienwand zusammen, später gab's dann die großen Historienbanner. Als Halle 2 dann zur Veranstaltungshalle wurde, logierten wir im großen Zelt direkt davor und genossen die deutlich hellere Atmosphäre. 2015 startete die Bilderaktion "Members of the Buschtaxi Family". 2016 hatten wir über die vier Tage Andrew St. Pierre White bei uns zu Gast. 2017 startete das Buschtaxi in Bad Kissingen den "High Mileage Award" mit den güldenen Aufklebern, den ich ein paar Jahre später für Toyota Deutschland auf alle Toyotas ausweiten durfte und der seither jeden November in der Toyota Collection in Köln stattfindet. Es gab eine Menge Meilensteine in Bad Kissingen. Eine Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte.
Abenteuer & Allrad 2008
Abenteuer & Allrad 2010
Abenteuer & Allrad 2010
Abenteuer & Allrad 2008
Abenteuer & Allrad 2008
Abenteuer & Allrad 2011
Abenteuer & Allrad 2011
Abenteuer & Allrad 2019
Abenteuer & Allrad 2017
Abenteuer & Allrad 2017
Abenteuer & Allrad 2017
Abenteuer & Allrad 2017
Abenteuer & Allrad 2015
Abenteuer & Allrad 2013
Abenteuer & Allrad 2015
So unterschiedlich die Jahre waren, eines blieb konstant: Das Wetter spielte fast immer eine Hauptrolle. Wind, Regen, Sturm, Unwetter oder brütende Hitze, es war alles dabei, und es hat jeder Messe einen anderen Charakter verliehen. Im einen Jahr wurden Stände überschwemmt und zerlegt, im nächsten gab's Sonnenbrand. 2013 hat es so heftig gegossen, dass unsere Halle gestopft voll war und niemand sich bewegen konnte, ein paar Jahre später musste der Donnerstag sogar abgesagt werden.
Aber egal, wie das Wetter uns mitspielte: Wir hatten immer eine super Zeit auf der Messe, ich hatte die Unterstützung eines enorm starken und zupackenden Teams, die Stimmung tagsüber und abends war grandios. Müde waren wir immer noch, aber je eingespielter wir wurden, desto mehr Last wurde mir auch von den Schultern genommen, und desto mehr konnten wir auch auf die Beine stellen. Dafür gibt es einen Riesenbrocken Dankbarkeit in meinem Herzen, das kann ich gar nicht deutlich genug sagen. Viele Erinnerungen verschwimmen heute natürlich ein wenig (was keinesfalls am Alter liegt!), aber ein paar haben sich glasklar und dauerhaft eingebrannt. Einer dieser Momente: Jemand kam in die Halle und meinte "die halbe Messe trägt Buschtaxi-Shirts!" Und tatsächlich: Wo man hinschaute, glühte "Land Cruiser Only" in der Sonne, "Mud Happens", "High Times in Low Gear"...für mich ein bewegender Anblick, für die Leute ein Riesenspaß. Ein Jahr später waren die Buschtaxi-Sammeltassen der Hit, die es zusammen mit einem Kaffee gab, wir waren quasi am Donnerstag schon fast ausverkauft. Und überhaupt, der Kaffee: Der Buschtaxi-Stand war immer Treffpunkt. Die Verabredung "beim Buschtaxi" zu Kaffee, Kuchen, Beisammensein gehörte einfach dazu, die lange Tischreihe war meist besetzt und laut und fröhlich. Auch für die Daheimgebliebenen wurde gesorgt: Das Buschtaxi war das erste Medium, das live von der Messe berichtet hat, und das hat ein paar Jahre gut funktioniert. Und ich muss immer noch drüber lachen, dass Albert bei der Vorbereitung mit dem Begriff "Mud Kissingen" um die Ecke kam und wir das kurzerhand an den Messe-eigenen APE geklebt haben, wo es jahrelang hing (und ich bin immer noch der Meinung, dass die Stadt für die Messe-Zeit die Ortsschilder hätte ändern müssen!).
Abenteuer & Allrad 2010
Abenteuer & Allrad 2013
Abenteuer & Allrad 2010
Abenteuer & Allrad 2010
Abenteuer & Allrad 2010
Mit Corona und vielen weiteren Veränderungen endete die Ära des Buschtaxi-Stands, seither bin ich "nur noch" als Besucher da. Aber ich bin da, jedes Jahr. Nach wie vor mit Vorfreude und Begeisterung, und nach wie vor ist die Stimmung da oben einfach eine besondere. Nach wie vor fühlt es sich einfach anders an als jede Messe, die ich in meinem Leben kennengelernt habe.
Natürlich hat sich "Bad Kissingen" massiv verändert. Wie wir alle und alles im Leben. Es ist groß geworden, professionell, voll. Und natürlich, wie alles, auch teurer. Das liegt in der Natur der Dinge. Die kleinen Aussteller wurden weniger, die Industrie hat große Areale besetzt. Der Campground ist zur gleichberechtigten Attraktion geworden, die Schlammschlachten sind legendär, die Festival-Stimmung ebenso. Manche fahren nur hin, um vier Tage unten an der Saale zu stehen und Spaß zu haben. Messe-Wirbelwind Gottfried Krassa hörte irgendwann auf, die pro-log-Urgesteine Peter Rössner und Peter Lauffer zogen sich ebenfalls zurück. Seit 2011 ist Marion Ripberger die Herrin über die "Abenteuer & Allrad", und was sie und ihr Team da jedes Jahr auf die Beine stellen, nötigt einem eine Menge Respekt ab: Die Messe ist, da gibt es überhaupt keinen Zweifel, wirklich gut gemacht. Das Gelände wurde über die Jahre massiv umgestaltet, Gebäude wurden renoviert, neue Konzepte eingeführt...die ganze Arbeit hat der A&A gut getan, und der Plan ging auf: Mit über 200 Ausstellern und über 50.000 Besuchern ist sie Europas größte Messe zu diesem Thema. Was da oben passiert, ist nach wie vor etwas ganz Besonderes, und es ist unendlich viel Arbeit. Bei all der Veränderung - und das ist die große Kunst - hat sich die Messe einen außergewöhnlichen Charme bewahrt. Und ich freue mich wie immer sehr auf meinen Besuch, auf den Rundgang, auf die Gespräche und Frotzeleien, auf Wiedersehen und alte Geschichten, auf Neuigkeiten und Lösungen und auf viele Gesichter aus der großen Buschtaxi-Familie!
Also: Wir sehen uns in Bad Kissingen...
Abenteuer & Allrad 2007 - Bericht
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