24 Jahre lang war Daihatsu ein kleiner, aber bekannter Bestandteil des europäischen Automobilmarktes, auch wenn die Zahlen zuletzt deutlich rückläufig waren: Im Geschäftsjahr 2008 wurden in Europa noch 57.700 Neufahrzeuge zugelassen, 2009 waren es 36.300, 2010 nur noch 19.300. Der deutsche Markt hatte 2010 einen Anteil von 5317 Fahrzeugen, 2011 waren es 3932 Fahrzeuge.
Mit Daihatsu geht auch ein Hersteller, der einen nicht unerheblichen Anteil an der "Offroadisierung" Deutschlands hatte. Ich schätze, dass nicht wenige von uns in einem Daihatsu ihre ersten Erfahrungen abseits der Straße gemacht haben, in einem Wildcat, einem Feroza oder einem Rocky. Die kleinen Japaner waren günstig, klein, wendig, mehr oder minder unkaputtbar und immer leicht wieder instand zu setzen. Ich selbst kann mich an diverse DGM-Läufe erinnern, die wir zu zweit im offenen F20 absolvierten...einer fuhr (solange der Motor nicht mal wieder abgesoffen war), einer hielt den immer zurückspringenden Schalter für die hintere Sperre fest, und beide schaukelten die Kiste durch Körpereinsatz im entscheidenden Moment wild hin und her und riefen dabei rhytmisch "oh-ne-Spe-rre-oh-ne-Spe-rre", weil das Mistding doch mal wieder rausgesprungen war. Nicht wenige dieser Versuche endeten in stabiler Seitenlage, meistens jedoch kamen wir tatsächlich oben an.
Mit der Marke Daihatsu sind auch und gerade wir Land-Cruiser-Fans ganz erheblich verbunden: Nach dem Motorenhersteller Hino im Jahre 1967 holte Toyota im Jahre 1968 auch Daihatsu mit in den Konzern, und das aus ganz handfestem Kalkül: Fortan werkelten nämlich mit dem B und dem H die unzerstörbaren Daihatso-Staplermotoren auch im Land Cruiser, und von deren Ruf profitierte die "Geländemacht" Toyotas ganz erheblich. Denn was begründet den legendären Ruf des Land Cruisers besser als diese unglaublichen Motoren?
Darüber hinaus - gelobt sei die Konzernsynergie - wurde der Wildcat (bzw. Taft bzw. Scat) von 1980-1984 auf dem japanischen Markt auch als Toyota Blizzard vermarktet.
Der selige Wildcat (von dem erst kürzlich einer hier im Marktplatz einen neuen Besitzer fand) wurde von 1974 bis 1984 gebaut und war das erste Fahrzeug von Daihatsu, das in Deutschland verkauft wurde. Deshalb ist der Wildcat für mich auch so massiv mit der Marke verbunden wie kein anderes Modell. Vom F10 mit dem 45-PS-Benziner mit stattlichen 0,9 Litern Hubraum über den F20 mit immerhin schon 62 PS und 1,6 Litern bis zum geradezu brachialen F50 mit - endlich - 68 PS Saugdiesel mit 2,5 Liter Hubraum wüteten die Wildcats zu hauf durch deutsche Kiesgruben und Wälder und waren quasi die etwas massivere Alternative zum LJ80 von Suzuki - und für die meisten eben auch die günstigere Alternative zu den großen Geländewagen wie dem Land Cruiser. 1984 kam dann der Nachfolger "Rocky", 1989 parallel dazu der "Feroza" und 1997 schließlich der Terios, der zwar nichts mehr mit den alten Gusseisenbrocken gemein hatte, aber auf seine Art ein stimmiges und erstaunlich durchsetzungsstarkes Konzept darstellte.
Heute sind die Wildcats langsam sehr, sehr, sehr selten geworden, und auch Rockys und Ferozas sind nicht mehr massenweise auf dem Markt zu finden. Erinnern wir uns zu diesem Anlass also etwas sentimental an die seligen Daihatsu-Zeiten in der Kiesgrube und wünschen wir der Marke auf dem Weltmarkt auch weiterhin viel Erfolg in der besetzten Nische der Klein- und Kleinstwagen!
Text: Alexander Wohlfarth
Bilder: Daihatsu, Karsten Suckau, aus dem Internet stibitzt




