http://service.gmx.net/mc/XmCuXmTUIIbSj ... CjeaSWL4a2 Schärfen im Photoshop- oder warum sind meine Fotos unscharf?
Das Schärfen von Bilddateien im Photoshop ist zwar die letzte aller Aktionen beim Bearbeiten von Bildern, trotzdem aber eine der wichtigsten.
Warum ist es überhaupt notwendig, Bilder nachzuschärfen?
Manch ein Neueinsteiger in die Digitalfotografie wird sich gewundert haben, warum seine Bilder, die er mit einer hochauflösenden digitalen Spiegelreflexkamera angefertigt hat, nicht „besser“ sind, als die seines Freundes mit einer Aldi-Kamera um 99 Euro….
Ja- am Monitor des Heimcomputers wirken die Bilder gar unscharf, flau und verwaschen.
Die Enttäuschung ist groß. War es gar eine Fehlinvestition??
Sicherlich nicht!
Es sind eben ein paar Eigenheiten von digitalen Fotoapparaten zu beachten.
1)
Jede Digitalkamera verfügt über einen eingebauten Tiefpassfilter, der im Prinzip als Weichzeichner funktioniert.
Dessen Aufgabe ist es, durch das Objektiv eingefangene Lichtstrahlen so zu „dimensionieren“, dass nie zwei verschiedene Punkte auf einem „Pixel“ auftreffen. Würde das nämlich passieren, kommt es zu Artefaktbildung in der Aufnahme, da der Computer nicht mehr weiß, soll er nun das Pixel beispielsweise als grün oder rot definieren. Daher würde er beide Farben in den angrenzenden Pixeln unterbringen, obwohl diese gar nicht vorhanden sind.
Vermutlich wird jetzt jemand sagen- es wäre ja möglich, ein Objektiv so „schlecht“ zu berechnen, dass dieser Effekt sowieso nicht auftritt….was grundsätzlich auch möglich wäre.
Aber gerade bei Zoomobjektiven in Kompaktkameras ist eine unterschiedlich hohe Auflösung gefordert. Im Weitwinkelbereich muss sie bedeutend höher sein, wie im Telebereich. Und da kommt dann eben der Tiefpassfilter ins Spiel, und nivelliert sozusagen die Auflösung auf das maximal für den Chip „erträgliche“ Maß.
Bei Spiegelreflexkameras mit wechselbaren Objektiven ist dies umso notwendiger, da jedes Objektiv seine eigene Auflösungscharakteristik besitzt.
2)
Jede Kamerasoftware unterdrückt Chiprauschen und andere negativen Bildeffekte.
Das funktioniert- gerade bei billigen Kameras- wie ein Weichzeichenfilter im Photoshop, oder einem x-beliebigen anderen Bildbearbeitungsprogramm.
Bei Spiegelreflexkameras ist die Korrektur der Fehler bedeutend aufwendiger und genauer, der Effekt ist aber meistens sehr ähnlich.
In Summe ergibt das jedenfalls Fotos, die für den Betrachter „augenscheinlich“ unscharf und flau sind.
Da diese Auswirkungen natürlich bekannt sind, werden für alle Kameras- und auch Scanner- in der Software bereits „Scharfzeichner“ integriert.
Da steht dann meistens im Kameramenü „weniger scharf-scharf-ganz scharf“ oder „Bildschärfe 1-2-3…
Diese Optionen sollte man nach Möglichkeit deaktivieren- sprich keinerlei Schärfung der Bilddateien der Kamera oder dem Scanner überlassen, da hier einfach vordefinierte Parameter verwendet werden, die unabhängig von Motiv oder sonstiger Aufnahmeparameter immer den gleichen Wert verwenden.
Und hier kommt der Scharfzeichznungsfilter des Bildbearbeitungs-Programms ins Spiel.
Verwendet werden sollte ausschließlich die Option „Unscharf Maskieren“!!!
Und hier gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten zu beachten…
Wählt man diese Option, stehen 3 Schieberegler zur Verfügung- nämlich
a)Stärke
b)Radius
c)Schwellenwert
Zu a)
Die Stärke definiert die grundsätzliche Sichtbarkeit des „Schärfungseffektes“, die sich durch kontrastierende Linien an Pixelgrenzen mit einer vordefinierten Kontrastdifferenz zeigt.
-blöder Satz- einfach ausgedrückt: Hier wird die Stärke des Schärfens eingestellt.
Dieser Wert wird im Regelfall auf 100% gestellt.
Zu b)
Der Radius gibt an, wie breit die „Kontrastlinie“ sein soll- idealerweise 1 Pixel.
Bei sehr starken Vergrößerungen 2 Pixel (ab etwa 50x70cm).
Zu c)
Hier wird definiert, ob alles, oder nur stark kontrastierende Konturen geschärft werden sollen.
Bei Einstellung „0“ wird eine kontrastierende Linie an jeder Pixelgrenze gezogen, die von der danebenliegenden farblich abweicht.
Das hat vor allem bei Aufnahmen von Kompaktkameras den Nachteil, dass auch das „Chiprauschen“ oder sonstige Abbildungsfehler mitgeschärft werden.
Um das zu vermeiden, kann man den Schwellenwert erhöhen, beispielsweise auf 5 oder 10….
Im Vorschaubild des Filters kann man diesen Effekt gut beobachten.
Klickt man direkt in das Vorschaubild, sieht man den Originalzustand- lässt man die Taste aus, sieht man die Filterwirkung.
So kann man sehr leicht vergleichen.
Resumee:
1)Digitalfotos müssen immer nachgeschärft werden.
2)Vor der Aufnahme das „Schärfen“ im Kameramenü deaktivieren.
3)Im Photoshop/Photoshop Elements den Filter „Unscharf maskieren“ verwenden.
4)Grundeinstellung bei guter Aufnahme/Scanqualität: Stärke 100% - Radius 1 Pixel – Schwellwert 0
5)Bei Kompaktkameras Stärke 200% - Radius 1 Pixel – Schwellenwert 5 bis 10
Je nach Motiv und Bildstruktur muss man natürlich diese Parameter anpassen.
Aber für den Hausgebraucht- oder eine automatische Korrektur eines ganzen Ordners an Urlaubsfotos kann man sich dieser Grundeinstellungen sicherlich gut bedienen.
Ich habe unter dem oben angeführten Link wieder ein paar Beispielfotos reingestellt, die das ganze praktisch verdeutlichen sollen- für alle, denen das etwas zu theoretisch war, wird die ganze Materie dadurch sicher besser verständlich.
Ich hoffe, euch damit wieder ein kleines Stück weitergeholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen, Martin