Hallo "verlinkt" (komischer Nickname... meiner aber auch

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erst mal herzlich willkommen hier im Forum!
Sehr gut, dass Du Dich an die alten Hasen hier wendest. Das Buschtaxiforum ist eines der besten die kenne. Viel netter, ehrlicher als die meisten anderen Foren, hier gibt es fast keine Dinge unter der Gürtellinie. Soll aber nicht heissen, dass hier alles 'Friede, Freude, Eierkuchen' ist. Auch hier gibt es unterschiedliche Meinungen, die aber quasi immer sachlich, mit Respekt diskutiert werden.
Und ich habe hier eine etwas andere Meinung, als meine Vorposter, ich rate Dir nicht unbedingt von dem Kauf ab.
ich werfe aber auch mal einige andere Argumente in die Waagschale, die teilweise nicht unbedingt auf rein technischen Gründen basieren.
Ich bin mir nicht sicher, dass der J100 / HDJ 100 hier das falsche Auto für Dich und Deinen doch etwas speziellen Fall ist.
Ob der 80er die bessere Wahl ist wage ich noch mehr zu bezweifeln. Der 80er ist ja selten und im guten Zustand ja auch nicht billiger, da der schon gesammelt wird und noich mehr Liebhaberpreise bezahlt werden.
Ob man einen 100er (oder 80er) generell besser in Marokko kauft, weil die öfter fahren... kann sein, keine Ahnung, die Frage klammere ich also aus.
Das ist doch alles sehr relativ. 24.000 Franklis sind auch für den einen mehr und für den anderen weniger Geld.
Wenn das alles an Geld ist, was Du zum Auswandern nach Marokko hast, (dort noch) keinen gut bezahlten Job (in Aussicht) hast, dann würde ich sicher nicht soviel in einen fahrbaren Untersatz stecken. Auch wegen der Unterhaltskosten (die in Marokko geringer sind, da macht es halt der Hufschmied Und man bestellt die Teile bei Partssouq in Saudi Arabien oder findet die dort auf dem Schrottplatz) .
Wenn es aber nur ein Bruchteil Deines Auswanderungsbudgets ist, und Du schon gut für Deinen Lebensunterhalt vor Ort sorgen kannst... warum nicht das Geld für den Traumwagen ausgeben?
Es wird hier über die Elektronik am 100er gemeckert. Aber wer hatte denn schon wirklich Probleme damit?
Ich nicht und im Forum, welches ich intensivst lese und selber auch relativ viel schreibe, war bisher auch quasi nichts zu Elektronik-Problemen. Jedenfalls solche, die den Wagen lahm legen.
Bei dem Potenziaktuator (richtiges Wort??) am Gaspadal gab es bisher meines Wissens 2 mal Probleme hier im Forum, die aber behoben werden konnten. Einer mit Bastelei und der andere mit teuren Neuteilen, wenn ich mich richtig erinnere.
Bei ca 200-250.000 km sind nach den Berichten hier im Forum sind die Düsen dran. Was mal einen 1000er verschlingen wird. Sonst kann es wohl auch zum Motorschaden führen.
Und die vom AGR wahrscheinlich zugekokste Ansaugbrücke will ich bald an meinem 100er (rund 140.000 km) mal sauber machen, dann gleich das AGR stilllegen.
Meine Lichtmaschine ist voriges Jahr mal abgeraucht, da waren die Lager vom Schlamm zerfressen. Normal...
Ein Querträger an der Vorderradaufhängung war mal bhei ca 110.000 km ausgeschlagen. Kostet bei Parssouq nicht die Welt, kann man sogar mit einer linke Hand selber machen. Und der Hufschmied in Marokko macht es für ein paar Dirham.
Batterien waren bei mir mal im Winter platt, halten wie bei jedem anderen Auto nicht ewig, und die beiden im 100er kosten als Markenbatterie halt jeweils um die 100 €. Ja, das ist "etwas" teurer, als die kleine Batterie im Mini meiner Frau. So what..? It's a Landcruiser...
Ja, die Höhensteuerung des Fahrwerks ist anfällig, und eine Reparatur auch teuer. Alternativ bauen viele dann den Mist aus und ein konventionelles Fahrwerk rein (mit Höherlegung), was ich in Marokko eh für sinnvoll halte.
Ich hatte sonst nur Kleinigkeiten und habe hier und da etwas verbessert. Von der kleinen Krankheit der nichtschliessendwollenden Mittelkonsole, über schwache Gasdruckfedern an der Haube, Verlängerung der Entwässerung der Klimaanlage, damit diesen nicht auf den Rahmen tropft und noch ca 35 andere, nicht essentielle Kleinigkeiten, die hier im Forum quasi alle zu nachmachen drin stehen.
Beim älteren 100er, so wie meiner, sind die 4-gang-Getriebe wohl ein Schwachpunkt. Ich habe es bei 120.000 km spülen lassen, und werde es spätestens alle weiter 80.000 machen. Und zwischendurch öfter das Öl wechseln. Das soll helfen, hoffe ich. Ein Getriebe findest Du als Austausch selten, eine Reparatur können nur gute Spezialisten und ist dann auch 4-stellig teuer.
Aber hier handelt es sich schon um die neuere Version mit dem robusteren 5-Gang-Getriebe.
Öle und filter öfter wechseln als in den Intervallen angegeben ist auch gut, gerade in Marokko.
Auch Getriebe- und Differenzialöle... die Lifetimegarantie ohne Ölwechsel einiger Hersteller ist Murks.
Ich habe meinen HDJ 100, Baujahr 2001 (zwar erst) seit 2015, und da war er erst knapp 90.000 km alt und Checkheft gepflegt. Und der hatte schon Umbauten wie Höherlegung, Unterfahrschutz, Diffsperre vorn, Schnorchel, Unterfahrschutz, grosse Räder etc. Hat der Vorbesitzer machen lassen, wurde aber krank und hat es so nie für Afrikatouren genutzt, wie er es geplant hatte.
Ja, ich habe auch damals 24.000 € bezahlt. Aber in dem Zustand, mit den Umbauten (für 8.000 €) war es mir das wert und ich bereue es nicht. Ich habe dann nur noch eine Hohlraumversiegelung machen lassen (Rost ist ein ständiges Thema bei den Toyotas, wenn Du nicht gerade in der Atakama-Wüste wohnst. Da muss man also immer dran bleiben), und die Heckklappe, die schon etwas angefressen war (besonderes Problem beim 100er).
Jetzt stehen knapp 140.000 km auf der Uhr. Seit einem Jahr fahre ich ihn auch im Alltag problemlos, davor nur als Fernereisefahrzeug und um im Dreck zu spielen. Iran (Gebirge, Wüste bei 45 Grad, alles easy. Tropfte nur am Verteilergetriebe mal. Habe sicherheitshalber gleich einen Ölwechsel vor Ort gemacht, bei der Bestimmung der Ölsorte hat mir das Forum in 2 Std geantwortet)), Rumänien (heftig Offroad), Sardinien, Portugal, Korsika, Slowenien (auch heftig Offraod) und noch mehr.
Der 100er war quasi immer problemlos... Im Juli geht es ins Baltikum, da wird der auch Dreck und Pisten unter die Räder bekommen. Mache vorher nur noch schnell einen Ölwechsel... thats's it.
Ja, mann muss ich um so eine älteren Wagen immer kümmern, aber das ist doch normal. Fahren, bis es zum Schaden kommt, ist beim 100er sehr teuer. Ab und zu mal drunter legen, in den Motorraum gucken, an teilen rütteln, auf Geräusche achten kann nicht schaden (daher ist bei mir auf reisen immer alles megafest verzurrt... Alte Motorradfahrer-Angewohnheit... ich möchte den Wagen permanent hören. So kann man ggf schnell hören, wenn was nicht stimmt).
Ja. der 100er frisst auch Bremsbeläge und die vorderen Bremssattel fressen sich gerne fest, insb. wenn man viel im Schlamm fährt. Die muss man im Blick halten. Wrenn die kratzgeräusche von den Bremsbelähen kommen, sollte man den Ersatz griffbereit haben und schnellstens wechseln. Also besser vorher drauf achten.
Und ja, man bekommt HDJ 100er schon unter 10.000 €. Aber das sind Bastelbuden und Möhren.
Für Gute, so um die 200.000 km geht nichts unter 15.000 €.
Wenn es alles tatsächlich gemacht worden ist, wie es in der Anzeige steht, dann wären 20- 22.000 Franklis in meinen Augen ein Preis, den man zahlen kann (wenn man das Geld hat, s.o.). Auch 24.000, wenn man den Wagen unbedingt haben möchte.
Also zur Frage, ob Du" den Wagen brauchst. In Marokko fahren die Einheimischen mit den letzen Möhren durch den hohen Atlas. Ob der 100er da tatsächlich "notwendig" würde ich auch bezweifeln.
Aber ich schreibe hier eiach mit 3 PC-Bildschirmen um mich herum... einer würde auch 'reichen' (sagt meine Frau)
Ich bewege meinen 100er auch sehr artgerecht durchs harte Gelände (und hatte schon viele andere wie CJ5, Patrol, Chikoree etc. und bin viel Unimog gefahren. Ich bin Enduro- und Motcross semiprofessionell gefahren. Ich bin mit Geländewagen und im Dreck aufgewachsen... Landschaftgärtner in 3. Generation), den 100er muss man erst mal an seine Offroadgrenzen bringen (von wegen Mädchenachse). Mit Sperren und Hochlegung sind die Grenzen schon weit oben, was ich auch in Offroadparks immer wieder sehe und merke (das meiste macht der Fahrer aus... ich komme mit einem Panda weiter als die meisten mit Ihren Eisdielen-Wrangler)

. Ohne Sperre und Hochlegung würde ich nur zu guten stabilen Reifen raten, also gute ATs (die hat er ja schon drauf), um in Marokko Schotterpisten zu fahren.
Mir wäre der 100er im Alter von 20 Jahren (damals für mich ohnehin unbezahlbar) zu lahm gewesen, zu gediegen. Aber wer cruisen will und kann, der liegt mit dem 100er richtig.
Mein Fazit: Wenn Du das Geld wirklich übrig hast, wenn der Wagen tatsächlich in dem Zustand ist, wenn Du nicht rasen willst, wenn Du Dich um den Wagen kümmerst, pflegst und pfleglich behandelst, dann ist der 100er 'ne geile Karre in Marokko.
Dann komm ich Dich auch mal besuchen (Marokko habe ich noch auf der Liste, schon viel gelesen..)
Herzliche Grüsse,
Peter