Wie ist das bei euch ? Macht ihr zu 100% immer alles selbst ? Oder gibt es noch gute Werkstätten für ältere Land Cruiser ?
Ich versuche mal mein "Problem" oder sagen wir, meine "Wahrnehmung" zu Werkstätten zu beschreiben. Es soll aber nicht als "beschweren" oder "jammern" rüberkommen. Ich will einfach nur möglichst genau beschreiben, was ich als Problem sehe :
Von anderen Fahrzeugen bin ich eigentlich gewohnt, dass ich mein Auto zur Wartung oder für eine eventuelle Reparatur zu meiner Werkstätte bringe. Normalerweise nimmt der Empfang mein Auto entgegen, und wenn ich es wegen eines Defekts bringe, kommt ein Meister zur Auftragsannahme und er nimmt mein Problem auf. Meist am gleichen, oder spätestens am nächsten Tag ist mein Auto fertig, und ich kann es ohne Einschränkung wieder ganz normal benützen.
Bei einem älteren Land Cruiser ist das aber anscheinend anders. Meine erste Ernüchterung hatte ich bereits kurz nach dem Kauf : viewtopic.php?t=81138
Die offizielle Toyota-Werkstätte übernimmt die Reparatur nicht. Nach den Erklärungen der Werkstätte können sie das gar nicht mehr. In Folge können und möchten sie auch nicht garantieren, dass der Wagen nach ihrer Arbeit wieder läuft. Sie haben das Wissen und die Mitarbeiter dafür nicht mehr. Ihr Fokus liegt auf Service nach WHB, oder eventuell Fehlerauslesen mit einfacherem Komponententausch. Auch meine anschliessende Suche nach einer alternativen Werkstätte brachte mir nur Absagen ein. Das einzige, was mich noch rettete, war das Forum. Hier im Forum ist die Kompetenz und das Wissen, wie man einen Land Cruiser repariert. Nachdem ich selbst, aber kein Mechaniker bin, hat mich das Forum ferngesteuert. Ihr habt mir jeden Griff erklärt. Ich habe ständig Fotos gepostet und Rückmeldung bekommen, ob ich etwas OK gemacht habe, oder nochmal machen muss. Am Ende, habe ich dann nach langer Arbeit den Schlüssel gedreht, und er lief. Wie eine 1 ! Problem behoben ! Motor perfekt ! Danke Forum !
Kurz darauf stellte ich fest, dass mein Lenkgetriebe Spiel hat und knackt. Wenn eine Person das Lenkrad festhält und eine zweite Person mit der Hand am Rad wackelt, sah man, dass auf der linken Seite der Spurstangekopf mit der Radbewegung den Gummibalg links zusammendrückt, während sich das Lenkrad nicht bewegt. Auf der rechten Seite war das nicht so. Also bin ich zu einer Werkstätte gefahren, die mir hier aus dem Forum empfohlen wurde und auf ältere Land Cruiser spezialisiert ist (ich nenne sie mal "Wertstätte-1" - damit ich niemand persönlich kritisiere).
"Wertstätte-1" schaut sich alles an. Ich deute mit dem Finger auf die linke Manschette und sage, dass es darunter klackt. Ich mache es vor. Es hat Spiel und klackt. Der Meister von "Wertstätte-1" beruhigt mich aber dann und sagt, dass das normal sei. Ich füge hinzu, dass auch das Lenkrad schief steht. Aber auch hier beruhigt er mich. Auch das sei normal bei einem Geländewagen.
So ganz beruhigt bin ich aber nicht, da ich meinen Land Cruiser ausschliesslich für lange Offroad-Touren einsetze. Sollte also doch irgendwann etwas noch weiter kaputt gehen, stehe ich irgendwo im Nirgendwo. Also habe ich entgegen der Beruhigung der Werkstätte mal vorsorglich ein billiges Ersatzlenkgetriebe gekauft und ins Auto gelegt. Und tatsächlich ging das Lenkgetriebe dann nach weiteren 1.200 km ganz kaputt. Ich konnte mich nur noch mit viel eiern in eine Dorfwerkstätte in Rumänien retten. Dort hatte mir eine Werkstätte dann mein mitgeführte Ersatz-Lenkgetriebe eingebaut und ich konnte weiterfahren. Die Arbeit wurde sehr gut durchgeführt und der Wagen fuhr mit geradem Lenkrad, sowie ohne Spiel und ohne Klacken wieder perfekt.
Leider war die Freude nur von kurzer Dauer, da das Billig-Lenkgetriebe nur 6.000 km hielt : viewtopic.php?t=84797
In diesem Zug wollte ich dann das in Rumänien ausgebaute Original-Lenkgetriebe überholen und das dann wieder einbauen lassen. Eine Firma zur Lenkgetriebeüberholung meinte aber dann, dass mein Lenkgetriebe gar nicht kaputt sei, sondern nur die linke Spurstange. Ich habe dann in dem Zusammenhang gelernt, was der Unterschied zwischen einer Spurstange und einem Spurstangekopf ist, und dass eine Spurstange, auch wenn sie unter der Lenkungsmanschette liegt, gar nicht zum Lenkgetriebe gehört. Gut. Also neue Spurstangen drauf, und dann das Lenkgetriebe zum Einbau zu einer Werkstätte gebracht, die mir auch hier im Forum empfohlen wurde und sich auch Land Cruiser spezialisiert hat (ich nenne sie mal "Wertstätte-2").
Nach längerer Wartezeit erhielt ich dann die Mitteilung, dass sie es aus zeitlichen Gründen nicht schaffen und ich den Wagen unrepariert wieder abholen soll. Ich hatte ihn dann gebeten, den Wagen doch noch schnell irgendwo reinzuschieben, da ich halt auch nicht selbst ohne Hebebühne auf der Strasse das Lenkgetriebe wechseln kann. Ich habe es geschafft, ihn zu überreden, und er hat es schnell noch irgendwo reingeschoben.
Ich weiss, dass der Meister hier mitliest und erkennt, dass er gemeint ist. Daher ist es mir wichtig, auch zu sagen, dass ich weiterhin eine SEHR hohe Meinung von ihm habe. Er zählt in meinen Augen zu den absoluten Koryphäen für Land Crusier. Es war nur mein Fehler, ihn zu bitten, es noch schnell irgendwo reinzuschieben, obwohl ich wusste, dass er wirklich keine Zeit hatte.
Zum Resultat :
- Das Lenkrad stand bei der Abholung 35° schräg (nachgemessen).
- Der Wagen zog beim Bremsen stark nach links. Die Räder hatten nicht 1° Vorspur, sondern eine sichtbar sehr grosse Nachspur.
- Alle 6 Radmuttern des rechten Rads wurde vergessen anzuziehen. Sie waren nur handgedreht drin. Es wurde nicht nur der letzte Klick mit dem Drehmomentschlüssel vergessen - die Muttern hatten gar kein Werkzeug gesehen. Ich konnte sie mit dem Finger drehen (ich bin so 100 km nachhause gefahren).
- Das Lenkgetriebe hat das Servo-Öl verloren. Später zeigte sich, dass die Druckleitung-Rechts gebrochen war. Sie kann brechen, da sie im Weg ist, wenn man die dahinterliegende grosse Schraube mit einer etwas dickeren Nuss anzieht, statt mit einem Ringschlüssel. Die Druckleitung ist nicht elastisch und darf nicht mit einer Nuss zur Seite gedrückt werden.
- Anstelle der mitgegebenen neuen Lemförder Spurstangeköpfe waren alte TRW-Spurstangeköpfe eingebaut. Die waren wirklich alt. Das Gewinde war mit dem Hammer beschädigt, der Gummi war gerissen und sie waren sichtbar schon sehr alt. Die Verwechslung war mit Sicherheit keine Absicht.
- Ich bin diesmal wieder zu "Werkstätte-1". Er schaute es sich an, und sagte, ich soll zu "Werkstätte-3" fahren, damit der zuerst mal die Spur richtig einstellt.
- "Werkstätte-3" schaut es sich an und sagt, ich soll zuerst mal wieder zurück zu "Werkstätte-1" fahren, damit er zuerst das Lenkgetriebe abdichtet.
- Also wieder zurück zu "Werkstätte-1". Die sagt mir dann, dass ich erst mal die beiden Druckleitungen besorgen soll, und mich wieder melden soll, wenn ich die habe. Ich soll sie bei Amayama kaufen, damit es originale sind, da andere nicht halten (also die beiden Metallleitungen, die parallel zum Lenkgetriebe laufen und gemeinsam mit einem Lenkgetriebe geliefert werden).
Ich suche sie bei Amayama raus. Sie sind lieferbar und bestelle sie. Nach gut 1 Woche sehe ich dann in meinem Kundenkonto bei Amayama, dass die Druckleitungen wegen nicht-Verfügbarkeit storniert wurden, aber sie würden mir zumindest die Dichtungen schicken.
Nach einiger Abklärung und Marktrecherche, muss ich dann akzeptieren, dass es die Druckleitungen nicht mehr einzeln gibt. Aber das Lenkgetriebe wäre mit 870,- (original Toyota) verfügbar. Also kaufe ich das Lenkgetriebe (inkl. montierten Druckleitungen).
- Nachdem das dann gekommen ist, bin ich wieder zu "Werkstätte-1" (der, der mir sagte, dass er die Druckleitungen wechselt). Als ich dann bei ihm war, meinte er, dass die Lenkgetriebe nie kaputt gehen, und er es daher auch nicht zu wechseln braucht. Es würde genügen, einfach nur mit dem Schraubenschlüssel die Mutter der Druckleitung nachzuziehen. Nachdem er das gemacht hatte, stehe ich auch kurz unter dem Auto und sage ihm, dass es aber doch immer noch rausläuft. Er meinte, dass er es eben dann nochmal fester anzieht. Er schaut es sich an, zieht nochmal fester, und bestätigt, dass es jetzt dicht sei. Ich schau hin und sage ihm, dass das doch gerade schon wieder runtertropft. Er schaut hin und sagt, dass das so weinig sei, dass ich damit bedenkenlos auf Tour gehen könne. Vermutlich werde ich für die nächsten 5.000 km nicht mal was nachfüllen müssen.
Etwas ungläubig fahre ich dann mit meinem Wagen aus der Halle. Aber nur 30 Meter (Meter - nicht km). Dann war die Lenkung so schwergängig, dass ich wieder stehen geblieben bin und es ihm gesagt habe. Er erklärte mir, dass er zwar die Hydraulikflüssigkeit gerade erst aufgefüllt habe, aber sie sei eben nachgelaufen und füllt sie nochmal auf.
- 30 km später war sie wieder leer. Ich rufe an, und bitte nun wirklich um den Einbau des bereits gelieferten neuen Lenkgetriebes. Aber die Werkstätte erklärt mir, dass sie vor ihrem Urlaub leider keinen Termin mehr frei haben. Es würde erst in ca. 3 Monaten wieder gehen.
Ich könnte jetzt vermutlich noch seitenweise weiterschreiben.
- Von Bremsbelägen, die vertauscht eingebaut wurden.
- Vom Zurückdrücken des Bremszylinders mit überlaufender Bremsflüssigkeit.
- Von der Aussage eines Meister, man könne keine Traggelenke wechseln, weil er das noch nie gemacht habe.
- "Werkstätte-4" hat es im Kreuz und kann keine Räder mehr heben. Der Meister dort ist zwar gut, aber er kann nur was machen, wenn ich mit dabei bin und meine Räder selbst runterschraube. Sobald der Wagen dann ohne Räder auf der Bühne ist und er ohne Bücken arbeiten kann, geht's.
- "Werkstätte-5", der einen anderen Wagen von mir macht, habe ich letzten Monat mal in einem Nebensatz halb scherzhaft gefragt, wie lange er denn seine Werkstätte noch hat. Dann wurde er unerwartet ernst und sagte mir, dass diese Frage für ihn tatsächlich gerade relevant sei. Er sagt, er sei leidenschaftlicher Mechaniker, aber in Deutschland sei ihm das drum herum mit Steuererklärungen, Formalitäten und allen möglichen Auflagen und Regeln zu viel. Er wird tatsächlich schliessen.
- Nachdem ich bei meinem Frontbügel einen Haarriss gesehen habe, von dem ich glaube, dass er sich vergrössert hat, habe ich "Werkstätte-2" gefragt, ob er das schweissen kann. Nein. Edelstahl macht er nicht. "Werkstätte-1" gefragt : "Nein, kann ich nicht." ... "Ähh, können natürlich schon. Aber ich habe das Material dafür nicht.". Zu einem Schlosser gefahren : "Autos mache ich nicht." Zu "Werkstätte-4" gefahren : "Nein, aber ich kenne einen, der kann sehr gut Edelstahl schweissen." -> "Werkstätte-6". Er gibt mir dessen Nummer. Ich rufe an, er sagt zu und wir vereinbaren einen Termin. 1 Stunde vor dem Termin, ruft er mich an und verschiebt auf den Folgetag. Am Folgetag wiederholt es sich. Am dritten Termin verschiebt er wieder. Danach habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Er antwortet auf keinen Anruf mehr und ist auch nie in seiner Werkstätte anzutreffen. Ich frage bei "Werkstätte-4" nach, ob er etwas weiss. Er erklärt mir, dass der von "Werkstätte-6" ein Alkoholproblem hat. Es gibt da Phasen, da schüttet er hochprozentigen Schnaps flaschenweise rein und fällt dann für länger Zeit aus. Dann nochmal 4 verschiedene Schlosser probiert. Alle nicht erreichbar (hingefahren - aber kein Mensch in der Halle). Einen 5. Schlosser angetroffen : Ich soll ihn ausgebaut bei ihm lassen. Aber es wird ein paar Wochen dauern. Ausserdem sei das sehr aufwändig, wird teuer und nachdem es verchromter Stahl sei, würde das Ergebnis nicht sehr schön werden (Anmerkung : Es ist Edelstahl). Ich habe meinen Frontbügel nicht bei ihm gelassen. Dann habe ich mir selbst ein Schweissgerät besorgt, Schweisshelm, Handschuhe, Edelstahlelektroden und Übungsblech mit Übungselektroden. YouTube studiert, um zu lernen, wie es geht - geübt und aufgegeben. Schweissen kann ich einfach nicht. Ausserdem habe ich Augenschmerzen bekommen. Am Ende habe ich aufgegeben und meinen Frontbügel mit Karosseriekleber geklebt.
- "Werkstätte-1" gefragt, ob sie mir meine Lagerbuchsen der Querlenker wechseln können. Ja, Termin in 2 Monaten. Aber ich muss zuvor den Unterbodenschutz von meinem Auto entfernen, denn Autos mit Unterbodenschutz würden ihm immer von seiner Hebebühne runterrutschen. Er nimmt also keine Autos mit Unterbodenschutz mehr an. Ausserdem kann er gar keine Lagerbuchsen pressen. Er macht es nur, wenn ich komplette Querlenker kaufe.
Natürlich schraube ich gerne an meinem Auto. Aber ich habe eigentlich einen anderen Beruf. Ich muss alles auf der Strasse machen, kann nur arbeiten, wenn es nicht regnet und nicht zu kalt ist, muss das benötigte Werkzeug kaufen, es in YouTube einstudieren, und das Einzige, was mir dann in Notfälle noch hilft, ist das Forum hier.
Bin ich der einzige, mit diesen Werkstatterfahren ? Liegt es an mir, dass ich vielleicht ein unangenehmer Kunde bin ? (Ich weiss, das könnt ihr im Forum nicht beurteilen - aber die Frage schliesse ich für mich natürlich nicht aus.)
Rentiert es sich für Werkstätten einfach nicht mehr, guten Service und gute Qualität anzubieten ?
Darf ich in die Runde fragen, wie diejenigen, die einen älteren Land Cruiser haben, ihre Wartung und Reparaturen machen ?
- Macht ihr immer alles selbst ? Habt ihr alle eine Halle, Werkzeug und Erfahrung ?
- Oder macht ihr das "hybrid" ? z.B. normale Wartung selbst, und grössere Reparaturen in einer Werkstätte ?
- Oder habt gibt es noch gute Werkstätten ?
- Oder habt ihr die gleichen Erfahrungen wie ich und lebt einfach damit ?



