Vielleicht mag ihn hier auch der Eine oder die Andere lesen.
LIBYEN 2025
Wie viele Jahre habe ich in alten Erinnerungen geschwelgt!
Meine 4 Libyenreisen in den Jahren um die Jahrtausendwende waren wunderschön, und damals auch "auf eigene Faust" relativ einfach zu machen.
Dann kamen Krieg und Unruhen, und in all' den Jahren hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, dass ich dieses schöne Land nochmal wiedersehe.
In diesem Sommer beim Globetrotter-Treffen in Burk präsentierte der Veranstalter plötzlich den Plan, wieder nach Libyen zu reisen.
Er bietet seit Jahrzehnten solche Touren an, auch in anderen Ländern, und er ist da sehr erfahren.
In Libyen war er aber auch schon lange nicht mehr, aber er hat von damals noch sehr gute Kontakte im Land, auch an höheren Stellen in Tripolis und Bengasi.
Kurz gesagt, die Sache hat mich sogleich ergriffen und ich habe mich angemeldet.
Anfang November 2025 ging's los, normale Anreise über Genua, Tunis und schnurstracks durch Tunesien.
Diese Route war vorgesehen, und größtenteils sind wir auch so gefahren:

An der libyschen Grenze bei Nalut dann schon das erste Problem.
Von den 10 beantragten Visa, die an der Grenze durch einen Mittelsmann für uns hinterlegt worden waren, fehlten 2 Visa!
Bis die dann (nach fieberhaften Telefonaten durch unseren Reiseleiter) nachgeliefert waren, mussten wir 48 Stunden (2 Nächte!) in der Grenzstation warten.
Ebenfalls dort gewartet hat eine französische Reisegruppe, die hatten ein ähnliches Problem.
Die mussten dann nach 2 Tagen wieder nach Tunesien umkehren.
In der Grenzstation:

Hier an der Grenze erwarteten uns auch unsere libyschen Begleiter,
2 Tuareg als Führer / Aufpasser und ein Polizist in Zivil.
Die sind während der gesamten Tour mit ihrem V8-Toyoto-Pickup hinterher gefahren.
Sie waren aber überaus freundlich und hilfsbereit, und so eher eine Bereicherung als eine Belastung.
Zunächst nach Ghadames, Besichtigung der historischen Altstadt mit gemeinsamem Essen in einem restaurierten Wohnhaus, ging es dann in zügiger Fahrt nach Süden.
Die Hauptstraße nach Brak ist über weite Strecken neu asphaltiert und prima zu befahren.
Fast alle anderen Straßen stammen noch aus Gaddafi-Zeiten und sind in sehr schrecklichem Zustand.
Die wenigen Verkehrsschilder, falls wirklich mal vorhanden, sind ausschließlich in arabischer Schrift.

Es gibt sehr viele Polizeikontrollen, die wir aber zügig passieren konnten, da unser Reiseleiter alles sehr gut vorbereitet hatte und immer die passenden Dokumente präsentieren konnte.
Im Bereich der landesinneren Grenze zwischen Ost- und Westregierung waren besonders viele Kontrollen.
Hier waren auch schwere Maschinengewehre in Stellung gebracht, die aber schon ziemlich rostig und untauglich aussahen.
Überhaupt waren im gesamten Land keinerlei Schusswaffen zu sehen, von ein paar Kalaschnikows bei den Kontrollen mal abgesehen.
Unten im Erg Murzuk waren wir dann wesentlich weiträumiger unterwegs, als die geplante Route vorgesehen hatte.





Unser Reiseleiter mit Toyota 78 ist immer vorausgefahren und natürlich immer mal wieder eingesandet.
Der Sand, über weite Strecken fest und gut befahrbar, überrascht dann wieder mit urplötzlichem Weichsand.
Auf diesem Bild gut erkennbar:

Natürlich hat es mich, besser gesagt meinen Syncro, auch ein paarmal erwischt.

Hier im Erg Murzuk fiel dann auch eins der Fahrzeuge aus.
Der VW T5 hatte seine Kupplung komplett abgeraucht und fuhr keinen Meter mehr.
Die Fahrerin hatte wohl wegen zu großer Ängstlichkeit zu oft die Kupplung schleifen lassen.
Wir mussten den Wagen dann einen kompletten Tag lang auf kürzester Strecke wieder zurück zur Straße schleppen.
Er wurde dann auf einem LKW mitsamt Besatzung zurück nach Tunis gebracht.
In Summe hat uns das 2 Tage Reisezeit gekostet.
Zusammen mit dem Grenzaufenthalt waren also 4 Tage verloren.
Die Zwischenübernachtung war im altbekannten "Afrika-Tours-Camp" an der schweren Einstiegsdüne zu den Mandara-Seen.
Dieses Camp präsentierte sich recht einladend mit ordentlichen Hütten und Sanitär mit heißen Duschen.


Im Wadi Mathendous gibt es die berühmten Felsbilder aus prähistorischer Zeit, aus die Sahara noch wasserreich, begrünt und mit reicher Tierwelt gesegnet war.
Hier beispielhaft einige Bilder:



Nach schier endlosen Fahr-Tagen, teils bis in die Dunkelheit, erreichten wir den südlichen Bereich des Akakus-Gebirges mit seinen grandiosen Fels-Formationen.




Die berühmten Felszeichnungen sind ein Steckenpferd unseres Reiseleiters, er hat da auch große Sachkenntnis, und dementsprechend hat er uns (gefühlt) hunderte davon gezeigt.
(Keine Sorge, ich zeige hier nur beispielhaft 2 Bilder.)


Hin und wieder gab es auch mal einen gemütlichen Abend mit gemeinsamem Essen und Lagerfeuer, wobei das Holz sehr schwer zu finden war.




Naja, und irgendwann hatte auch jeder mal was zu reparieren.

Nach weiteren endlosen Kilometern erreichten wir die berühmten Mandara-Seen, die für mich das Highlight dieser Reise waren.


Der "Um el Ma" präsentierte sich mit sehr braunem Wasser und niedrigem Wasserspiegel.
Wenig einladend, da hinein zu steigen, zumal es auch sehr salzig ist.
Was mich bei dieser Reise überraschte, war diese gewisse "Aufbruchstimmung", die überall verspürbar war.
Allerorten gab es neue Bauprojekte, die aus dem Boden wuchsen, und in den Ortschaften fanden sich neben den alten Krämerläden auch neue moderne Supermärkte im westlichen Stil.



Aber das Allerbeste waren die Menschen!
Wir wurden überall freundlich empfangen,
Autofahrer winkten uns zu,
jeder kramte ein paar englische oder französische Wortfetzen hervor,
und auch die Polizei bei den unzähligen Kontrollen war durchweg sehr freundlich.
Die wollen keinen Krieg und keine Unruhen mehr!
Die wollen einfach nur in Frieden leben!
Jetzt kommt noch ein Thema, das diese gesamte Reise in größtem Maße belastet hat.
Es gibt fast keinen Dieselkraftstoff!!!
95% der Tankstellen sind komplett geschlossen und liegen verwaist da, dem Verfall preisgegeben.
Auch bei neu gebauten Tankstellen, die teilweise noch niemals in Betrieb waren, "nisteten schon die Aasgeier" in den Zapfsäulen.
Die ganz wenigen Stationen, die noch geöffnet waren, hatten meist nur Benzin.
Nur sehr selten konnten wir hier Diesel bekommen.
Nun, wie sind wir denn dann vorwärts gekommen?
Unser Reiseleiter mit seinen weitreichenden Kontakten im Land hat jedesmal fieberhaft telefoniert, und nach stundenlanger Wartezeit tauchte dann irgendein Fahrzeug auf, mit rostigen Fässern und Diesel aus irgendwelchen dunklen Quellen.
Diese Situation hat aber uns Reiseteilnehmer arg belastet.
Immer wieder mussten wir im Outback unsere Tanks hin- und her pumpen, damit wir alle gemeinsam die nächste Straße erreichen konnten.
Buchstäblich auf den letzten Tropfen!
(Schlaflose Nächte garantiert!)


Verlassene Tankstellen:


Dieses Dieselproblem und auch die Zeitnot durch die 4 verlorenen Tage hat die Stimmung in der Gruppe sehr belastet.
Ständig diese endlosen Fahr-Tage bis in die Dunkelheit!
Da hat es auch immer wieder böse Worte gegeben, teils auch sehr lautstark, und die Gruppe ist eigentlich nie eine harmonische Gruppe geworden.
Kontrastpunkte zur Wüste waren die Historischen Stätten, die wir besuchten, in Ghadames und auch in Tunesien.
Da gab es dann manchmal auch ein gemeinsames Essen.


Kolosseum in Tunesien

Aquaeduct von Carthago

Berber-Speicherburg

Zusammenfassend kann man sagen:
Diese geführte Tour mit einem erfahrenen Reiseleiter bot die Gelegenheit, das schöne Libyen noch mal wiederzusehen.
Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie man das in der jetzigen Situation auf eigene Faust hinkriegen soll.
Schade halt, dass es so viele zwischenmenschliche Unstimmigkeiten gab.
Jeder von uns hatte mal Momente, wo er sich gewünscht hat, er hätte den havarierten T5 nach Tunis begleitet.
Ein Erholungsurlaub war das wohl eher nicht.
Trotzdem bin ich froh, dass ich dabei war.
Mein Auto:
VW-Bus Allrad, Baujahr 88, 600000 km, 1,9 TDI, 120 PS.
Reifen: Goodrich AT, 31x10.5 - 15, entspricht ca. 265/75-15


Meine Wenigkeit
(70 Jahre)

Mit besten Grüßen
Andi




