Fahren oder gefahren werden?

Für alles, was sonst nirgends reinpaßt...
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GRJ78
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Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von GRJ78 »

Aus dem Netz geklaut, für gut befunden!

Zwei Autos. Zwei Welten.
Und ich kann dir jetzt schon sagen, welches öfter bei mir steht.

Heute reden wir mal darüber, was ich hier jeden Tag sehe.

Ich mache das jetzt seit über 30 Jahren. Jeden Tag Bühne, jeden Tag Autos, jeden Tag dieselben Geschichten – nur andere Farbe, anderes Kennzeichen und am Ende eine andere Summe auf der Rechnung.

Neulich stand wieder einer bei mir auf dem Hof. Neues Auto. Richtig neu. Groß, teuer, alles drin, was der Konfigurator hergibt.

Steigt aus, schaut mich an und sagt „Irgendwas stimmt da nicht.“
Ich setz mich rein, mach die Zündung an… und die Karre fängt sofort an, mir Ansagen zu machen. Piept hier, meldet da was, warnt, bewertet, meckert, widerspricht sich selbst…. Ich saß da wirklich kurz und dachte mir: Eigentlich braucht man keinen Termin mehr in der Werkstatt… Man braucht einen Termin beim Auto.

Am besten mit kurzer Vorstellung und Entschuldigung: „Guten Tag, ich bin heute der Fahrer, ich bemühe mich, alles richtig zu machen.“

Wir fahren los. Oder besser gesagt: wir verhandeln.
Ich lenke – er korrigiert.
Ich beschleunige – er prüft erstmal, ob das hier überhaupt zulässig ist.
Ich bremse – er bremst vorsichtshalber nochmal mit.
Und irgendwo im Hintergrund läuft ein Protokoll: „Fahrer zeigt Eigeninitiative. Beobachten.“

Zurück auf dem Hof, Motor aus, Kunde schaut mich an.
Dieser Blick… kenn ich. Der rechnet schon. Innerlich Urlaub gestrichen, Weihnachten abgesagt und ganz kurz überschlagen, ob eine Niere wirklich zwingend auf beiden Seiten nötig ist.

Und genau in dem Moment rollt hinten einer rein. Alter Kombi. Über 20 Jahre plus. Lack eher „war mal rot“, Felgen irgendwo zwischen Bordstein und Lebenserfahrung.
Motor aus – läuft sauber aus. Der Fahrer steigt aus, grinst und sagt: „Mach mal TÜV, sonst läuft er ja.“

Ich steh da zwischen den beiden Autos und denk mir: Das ist doch komplett absurd.

Der eine hat mehr Technik als ein Raumschiff, zahlt jeden Monat ordentlich Geld und hat trotzdem ständig irgendwas. Der andere fährt einfach… und kommt nur, wenn er muss.

Dann machst du bei beiden die Haube auf und plötzlich ergibt alles Sinn.

Beim alten: Haube auf – da ist ein Motor. Einfach da. Sichtbar. Greifbar. Verständlich. Du siehst sofort, wo du bist. Wenn was kaputt ist, findest du es. Ohne Expeditionsteam.

Beim neuen: Haube auf – erstmal eine riesige Plastikabdeckung. Schön geschniegelt wie ein Ausstellungsstück im Möbelhaus, damit der Kunde denkt: „Ah, das ist der Motor.“ Darunter? Technik-Versteckspiel auf Profi Niveau. Kabel, Schläuche, Stecker, Sensoren und irgendwo ganz unten versteckt sich der eigentliche Motor wie ein scheues Wildtier, das bloß keinen Kontakt mehr zu Menschen will.

Alles zugebaut, alles versteckt, alles so konstruiert, dass du möglichst nichts mehr anfassen kannst. Nicht, weil es besser ist – sondern weil es keiner mehr reparieren soll.

Und wenn dann wirklich mal was kaputt geht, wird’s richtig interessant.

Früher: Bremsen hinten. Kolben zurück, Beläge rein, fertig.
Heute: Tester dran, Wartungsmodus aktivieren, Kolben elektrisch einfahren, dann trotzdem noch mechanisch reindrehen, alles zusammenbauen, danach Kolben wieder elektrisch ausfahren, anlernen, kalibrieren, Verschleißanzeige zurücksetzen, Fehler Parkbremse löschen.… und am Ende hoffst du, dass das Auto deine Arbeit überhaupt akzeptiert.

Zum Schluss eine Rechnung, bei der ich kurz innehalte und mir denke:
„Jetzt erklärst du ihm das ganz ruhig… ganz langsam… und am besten im Sitzen.“ 😄
Und daneben steht der Besitzer mit diesem Gesicht… dieses „Das kann jetzt nicht euer Ernst sein“-Gesicht. Und ich denk mir…. Am besten, wenn ich mir meine Überstunden das nächste mal vom Urlaub abziehe.😅

Aber genau da passiert das, was viele nicht verstehen. Das Problem ist nicht das Auto. Das Problem ist, dass die Leute aufgehört haben, ihr Auto zu verstehen. Heute drückt man nur noch Knöpfe – und hofft, dass es passt.

Man verlässt sich auf Technik, die alles regeln soll… und merkt selbst nichts mehr. Kein Gefühl mehr für Geräusche, kein Gefühl mehr für Verschleiß. Hauptsache, das Display sagt nichts. Und wenn es doch was sagt, dann wird’s 3x so teuer.

Ich seh das hier jeden Tag. Die einen fahren, die anderen bezahlen. Nicht, weil ihre Autos schlechter sind, sondern weil sie zwangsläufig den Bezug zu ebendieser Technik verloren haben.

Früher bist du ins Auto gestiegen und hast es benutzt. Heute steigst du ein und hoffst, dass es dich lässt.

Und das ist eigentlich der größte Unterschied.

Nicht zwischen alt und neu, sondern zwischen fahren… und gefahren werden.

Also ganz ehrlich: Zu welcher Seite gehörst du?
Am Ende ist es Charakter, der die Neuroplastizität geschehen lassen kann. Mit Hoffnungsfähigkeit und Erwartung eines sinnhaften guten Ergebnisses. Und diese wird gestaltet von Erfahrungen. Machen Menschen wenige gute Erfahrungen, werden sie das auch für die Zukunft nicht tun.

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kristijan
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von kristijan »

Find ich einen super Text, der es genau auf den Punkt bringt!
Danke fürs Teilen!

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Hydraulinski
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von Hydraulinski »

Super!! Danke auch, Jochen

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gruhl
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Registriert: 20. September 2023 11:28
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von gruhl »

Danke fürs Teilen.

Bringt das Problem so ziemlich auf den Punkt

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AlpenCruiser
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von AlpenCruiser »

SUPER !

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Phoenix
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von Phoenix »

Deutschland 2040

Kaum einer hat noch ein eigenes Auto. Die Autos fahren autonom. Man bestellt sich eines und lässt sich fahren.

Die Jugend macht gar keinen Autoführerschein mehr. Damit die Fahrschulen nicht pleite gehen, muss man einen "Mitfahrschein" machen und Mitglied im ADAC sein, kostet 3.000 EUR einmalig und 100 EUR mtl.. Die autonom fahrenden Autos holen den online getätigten Einkauf ab und müssen alle 2 Monate zum TÜV. Der TÜV ist einer der grössten Arbeitgeber Deutschlands.

Die Fahrzeuge sehen alle nahezu gleich aus und gehören den Herstellern aus China. Selbst die bevölkerungsstärkste Gruppe der Rentner, die noch einen Führerschein und ein Auto hat, nutzt kein eigenes Auto mehr. Entweder zu alt zum Fahren oder betrunken, um den permanent fortschreitenden Niedergang im Land ertragen zu können.

Alles ausser Elektroautos ist verboten. Manch einer hat noch einen Verbrenner in der Garage und zeigt ihn den Enkeln. Die stehen verwundert davor und können sich nicht vorstellen, wie so etwas ohne Assistenzsysteme und mit irgendwelchen "brennbaren Flüssigkeiten" gefahren sein soll. Sie vermuten, dass es "damals" millionen von Verkehrstoten gegeben haben muss.
GRJ76 von 2024

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onkel
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von onkel »

Zu der Wahrheit gehört aber auch dass der Großteil der Kunden geil sind auf den ganzen Klimbim .
Gruß Onkel

https://youtu.be/6kP-xraRWOk?si=KNt9yUve_ZrCcgao

HZJ 78 Crocodile Face
Auf 2 Rädern bevorzuge ich auch Stahl statt Plastik :
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lightandy
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von lightandy »

Phoenix hat geschrieben: 26. März 2026 10:31
Deutschland 2040

Kaum einer hat noch ein eigenes Auto. Die Autos fahren autonom. Man bestellt sich eines und lässt sich fahren.

Die Jugend macht gar keinen Autoführerschein mehr. Damit die Fahrschulen nicht pleite gehen, muss man einen "Mitfahrschein" machen und Mitglied im ADAC sein, kostet 3.000 EUR einmalig und 100 EUR mtl.. Die autonom fahrenden Autos holen den online getätigten Einkauf ab und müssen alle 2 Monate zum TÜV. Der TÜV ist einer der grössten Arbeitgeber Deutschlands.

Die Fahrzeuge sehen alle nahezu gleich aus und gehören den Herstellern aus China. Selbst die bevölkerungsstärkste Gruppe der Rentner, die noch einen Führerschein und ein Auto hat, nutzt kein eigenes Auto mehr. Entweder zu alt zum Fahren oder betrunken, um den permanent fortschreitenden Niedergang im Land ertragen zu können.

Alles ausser Elektroautos ist verboten. Manch einer hat noch einen Verbrenner in der Garage und zeigt ihn den Enkeln. Die stehen verwundert davor und können sich nicht vorstellen, wie so etwas ohne Assistenzsysteme und mit irgendwelchen "brennbaren Flüssigkeiten" gefahren sein soll. Sie vermuten, dass es "damals" millionen von Verkehrstoten gegeben haben muss.
Glaube ich dir alles, nur dass es es schon 2040 HIER nur noch autonom fahrende Autos gibt eher nicht... :biggrin:
Andy aus Teltow-Fläming
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zu Tode gefürchtet ist auch gestorben

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_Malte_
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von _Malte_ »

onkel hat geschrieben: 26. März 2026 10:36
Zu der Wahrheit gehört aber auch dass der Großteil der Kunden geil sind auf den ganzen Klimbim .
Wohl wahr. Mir ist zB. bei Angeboten oder Kaufberatungen in blacklandy schon früher aufgefallen, dass Defender ohne Klimaanlage
oder Sitzheizung so gar nicht beliebt sind und günstiger zu haben sind.
Seltsam, ich vermisse die Klimaanlage (obwohl meine Land Cruiser eine hatten) nicht und die Sitzheizung habe ich in den letzten
11 Jahren nie eingeschaltet. :ka:
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J9 Andy
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von J9 Andy »

_Malte_ hat geschrieben: 26. März 2026 11:12
...die Sitzheizung habe ich in den letzten 11 Jahren nie eingeschaltet. :ka:
Du hast keine Ledersitze, oder? :wink:
Setz dich mal im Winter ins edle Ledergestühl.


Keine Ahnung was manche an Leder so toll finden.
Im Sommer glühend heiß, ohne Sitzbelüftung garen im eigenen Arsxxwasser.
Im Winter gibts Frostbeulen ohne extra Heizung.
Der Verkäufer freuts, kann er doch noch mal extra abrechnen.
Gruss Andy
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_Malte_
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von _Malte_ »

Nee, Leder hab ich nicht, mag ich nicht. Ich fühl mich in der Bauernausstattung wohler, wo ich die Tür auch mit dreckigen
Gummistiefeln aufstoßen und später abspülen kann.
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se7en6
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von se7en6 »

Sehr schöner Fund @GRJ78
Vortrefflich geschrieben.

Das zugrundeliegende Problem ist für mich glasklar:
Es werden Technologien genutzt, die man selbst nicht versteht.
Meiner Ansicht nach wäre das ideal nur Technologien zu nutzen, die man selbst auch versteht.
Dazu wird es aber nicht kommen.
(Λ) LEON-ΙΔΑΣ オフロード سعودي spec J76

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Jelonek
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von Jelonek »

Super Text ... bin voll bei dir
eine Niere kann man schon abgeben - :rofl: , man hat doch zwei ... sonst KI fragen :biggrin:

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_Malte_
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von _Malte_ »

se7en6 hat geschrieben: 26. März 2026 12:28

Meiner Ansicht nach wäre das ideal nur Technologien zu nutzen, die man selbst auch versteht
Wenn ich so manche Frage der vergangenen Jahre hier im Forum erinnere, wäre dann für den einen oder anderen das
Feuerstein'sche Tretmobil die bessere Alternative.

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J9 Andy
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Re: Fahren oder gefahren werden?

Beitrag von J9 Andy »

se7en6 hat geschrieben: 26. März 2026 12:28
Es werden Technologien genutzt, die man selbst nicht versteht.
Meiner Ansicht nach wäre das ideal nur Technologien zu nutzen, die man selbst auch versteht.
Da muß man aber auch ein Stück weiter denken.
Wer hat heut kein Smartphone, nutzt kein GPS etc.
Gruss Andy
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