Texas

Alles bis zur 6. Generation des HiLux (bis 2004) bzw. 3. Generation des 4Runner (bis 2002)
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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

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Hallo zusammen,

ich hatte letztens die Gelegenheit den wärmsten Novembertag seit hundert Jahren zu nutzen um die Faltenbälge endlich auszutauschen.

Für ein paar Fotos hat es gereicht, zwischendurch war aber zu viel Fett an den Pfoten. Was eine dreckige Arbeit...

Freilaufnabe abbauen:
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Die konischen Spannhülsen kann man lösen, indem man beherzt mit dem Hämmerchen auf den Bolzen haut. Dabei auf das Gewinde aufpassen, das ist schnell vermackt. Lt. Handbuch soll man einen Messingstab dazwischen legen, das ist eine gute Idee.
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Wenn die Zentralschraube draußen und die Muttern und Spannhülsen weg sind kann man die Freilaufnabe einfach abnehmen. Zum Vorschein kommt das Radlager, die Antriebswelle ist nur noch mit einem Sicherungsring gesichert. Bild

Auf den Sicherungsring besser aufpassen, ich habe bei Toyota 6,50€ pro Stück bezahlt. :shock: (Wahrscheinlich in Moria aus Elfenpenissen gefertigt, sonst kann ich mir den Preis nicht erklären... :elk: )
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Als nächstes habe ich das Diff etwas aufgebockt (vorne dazu die Schraube ausbauen), das schafft etwas mehr Luft. Kann man sich aber eigentlich auch sparen.
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Dann die Antriebswellen innen am Differential losschrauben. Die Schrauben gehen übrigens besser auf wenn das Auto noch am Boden steht. Alternativ kann man auch einen Hiwi ins Auto setzen und die Bremse treten....
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Löst man die unteren Traggelenke schafft man Raum um die Antriebswellen über die Bolzen an den Diffs zu bekommen.
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(Bild schon ohne Antriebswelle)

Antriebswellen aus der äußeren Radnabe herausziehen und nach innen zum Diff hin ausfädeln.
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Schlauchschelle entfernen und Gummiboots nach innen ziehen. Sauber machen und die Ausrichtung der beiden Gelenkteile mit Edding o.ä. markieren.
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Läufer herausziehen. Hier noch so ein günstiger Sicherungsring...
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Sauber machen und markieren. Den Läufer auf der Welle soll man laut Handbuch mit Körner markieren. Das Teil ist aber gehärtet. Also einmal Körner schleifen und Edding auspacken. Aber nur die Außenseite markieren, das Teil kann man verkehrt rum einbauen, das sollte man verhindern. Die Welle an sich kann man mit Körner markieren, die ist weich genug.

Hier ist die fettbedingte Bilderlücke. Den Läufer kann man lt. Handbuch mit einer Messingstange von der Welle schlagen. ich konnte den nach dem Entfernen des Sicherungsrings einfach von Hand abziehen.
Die Faltenbälge kann man dann ebenfalls einfach runter ziehen.

Das äußere Gelenk kann man lt Handbuch nicht zerlegen, das habe ich nur gespült und frisch gefettet:
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Die Verzahnung vor Montage der neuen Faltenbälge mit Tape abkleben, sonst verletzt man die neuen Bälge schon bei der Montage.
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Faltenbälge auf die Welle ziehen. Etwas Fett hilft dabei.... Das hilft auch gegen Rost, der sich sonst unter dem Gummi breit machen könnte.
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Gleichlaufgelenk und Sicherungsring wieder montieren. Ausrichtung beachten.
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Den Rest an Fett verteilen, Faltenbälge mit Schlauchschellen befestigen.
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Einbau dann in umgekehrter Reihenfolge.

Der Zeitaufwand war ca. vier Stunden. Das ging auch ohne Bühne mit zwei ordentlichen Böckchen ganz gut, das nächste Mal darf aber gerne auf einen weit entfernten Sommer warten, das brauche ich nicht sooo oft haben. Ich bin gespannt, wie lange die halten, die geklebten waren zum Schluss alle anderthalb bis zwei Jahre fällig.

Viele Grüße,
Marc

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Servus zusammen,

da die Faltenbälge aus dem letzten Beitrag schon wieder "durch" waren und in den sechs Jahren maximal 20tsd Kilometer abgerissen haben musste ich wohl was tun. Die Freilaufnaben hatten schon vor 10-15 Jahren den Geist aufgegeben und nicht mehr getrennt. War ja außer für die Faltenbälge auch kaum ein Problem.... Aber so langsam hat es genervt, also einmal neu:
IMG_3304.jpeg
Die AVM wurden es da Toyota für die Aisin absolut obszöne Preise aufruft... :roll:

Und weil die STT zumindest vorne so richtig glatt waren gab es noch neue Schuhe:
IMG_3305.jpeg
Und @12HT nein, die STT waren nicht laut. Also so im Vergleich... 😇

Die Tage kommt noch ein weiteres Update, was sich zwischenzeitlich getan hat.

Viele Grüße,
Marc

Edit fragt sich, warum die neue Forensoftware das zweite Bild um 90 grad dreht... 🤔

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Hallo zusammen,

Es gibt aus akutem Anlass mal wieder ein Update.

Die Antriebswellendichtung hat ihren Betrieb eingestellt, d.h. unter dem Auto bildete sich ein Ölfleck. Texas ist ja kein englischer Patient, also war das nicht akzeptabel...

Um die Dichtung zu tauschen muss man laut WHB leider das Differential ausbauen. Also vorne aufgebockt, Räder ab und Diff raus. Das wird irgendwie auch immer schwerer, das muss am Dreck liegen... :lol:
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Als ich den Deckel vom Diff aufgemacht habe gab es eine unschöne Überraschung. Das Tellerrad hat ja Karies. :shocked:
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Also das ganze weiter zerlegen:
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Neun halbe Zähne fehlen. Krass, beim Fahren hat man das nicht gemerkt. Wahrscheinlich hat der Triebling auf den verbliebenen Hälften noch Vortrieb gefunden.

Bei der Gelegenheit habe ich das alte Differenzial, welches ich vor 15 Jahren gegen ein kürzeres getauscht hatte, ebenfalls zerlegt. Das heuer ausgebaute war ein ADD Diff mit dem ganzen eingebauten Klimbim. Wenn ich also eines überhole, dann das einfacher aufgebaute, originale V6 diff.
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"Witzig" ist, auch das alte Diff hatte den selben Zahnverlust. Zudem ist bei dem auch ein Zahn an einem Ausgleichsrad abgebrochen.

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Der einzige von mir erkennbare Unterschied der beiden Differenziale ist das Nadellager für die Antriebswelle beim (oberen) ADD Diff. Das vom V6 hat da nur ein Gleitlager drin. Das ist aber auch sinnvoll, da sich beim ADD die Antriebswellen immer mit drehen und nicht mit einer Freilaufnabe frei geschaltet werden kann

Das gibt ein ganz schönes Puzzle....
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Morgen (oder so) geht es weiter.

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Der grobe Plan:
Aus zwei Diffs mit den besten Teilen aus beiden eins (und mit einigen neuen Teilen wie Tellerrad/Triebling inkl. Lager/Dichtungen flott) machen. Den Korb nehme ich vom V6 Diff, da sind waren die Korblager vor 15 Jahren noch fast neu. Die Gelegenheit nutze ich um die Übersetzung von 1:4.33 auf 1:4.88 zu ändern. Hinten dann natürlich ebenfalls....

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Wie geht's mit zerlegen des Diffs. Das Tellerrad ist einfach mit den sichtbaren Schrauben abzubauen. Die Sicherungbleche kann man mit einem Schraubendreher und gegebenenfalls einem Hammer soweit klopfen, dass eine Nuss drauf geht.

Um die zentrale Welle auszubauen, muss man den Sicherung Stift raus klopfen. Dieser ist verstemmt (siehe Fingerzeig), es ist sinnvoll, diese Verstemmung von Hand auf zu biegen, ich habe den Rest dann anschließend noch aufgebohrt damit der Stift gut rausgeht.
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Von der gezeigten Seite kann man den sehr einfach mit einem Durchschlag raus klopfen.
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So sieht der Sicherungsstift aus;
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Die Welle sollte dann sich ganz leicht rausdrücken lassen.
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Die kleinen Ausgleichsräder kann man dann seitlich verdrehen und ganz einfach nach oben und unten rausnehmen:
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Die größeren Ausgleichsräder fallen dann fast von alleine raus.

Unter allen vier Ausgleichsrädern gibt es Distanzscheiben. Bei den kleinen sind die gebogen bei den größeren gerade. Mit diesen Distanzscheiben wird beim Zusammenbau das Spiel eingestellt.
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Weiter gehts nachher mit dem Zusammenbau... 😎

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Heute fangen wir mit dem Zusammenbau an, genauer mit Einbau und Einstellung der Ausgleichsräder.

Erstmal alles gut mit Bremsenreiniger sauber machen. Gerade wenn Zähne abgebrochen sind muss man jeden letzten Krümel rausspülen/wischen/saugen...

Dann setzen wir die großen Ausgleichsräder ein. Denkt an die Distanzscheiben.... Es wäre vorteilhaft gewesen die Ausgleichsräder zu markieren welche wohin kommen. So bleibt das Spiel auf beiden Seiten gleich.
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Die kleinen Ausgleichsräder werden dann auf beiden Seiten wieder eingesetzt. Die müssen genau gegenüber ausgerichtet werden. Klingt trivial. Also eigentlich... 🤣 Die Einstellscheiben müssen auch wieder drauf.
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Dann kann man das ganze Paket wieder reindrehen. Dabei auf die Einstellscheiben achten, dass die sich gleichzeitig mit reinziehen.
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Einmal hindurch peilen, hier mal der Zustand um einen Zahn verdreht... ;) Also nochmal.
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Als Nächstes ist der Bolzen dran. Der gleitet relativ leicht Von Hand hinein. Die Querbohrung für den Stift muss mit der Bohrung für den Stift im Gehäuse ausgerichtet sein.
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Nun kommen wir dazu das Spiel zu messen. Dazu müssen wir ein großes Rad festhalten und am anderen an einer Zahnflanke mit Feinmessfühler das Spiel beim verdrehen messen. Laut Werkstatt Handbuch sind das mindestens 0,05 mm und maximal 0,20mm. Unsere amerikanischen Freunde akzeptieren allerdings ein deutlich höheres Spiel, in deren Anleitung findet man Werte bis zu 0,5 mm als Obergrenze. Hat man zu viel oder zu wenig Spiel muss man mit anderen Einstellscheiben arbeiten.
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Ich hatte das Glück, dass ich aus zwei Differenzialen eins mache und dass dadurch durch Kombination an der Obergrenze einstellen konnte.

Wenn das Spiel dann stimmt, muss man den Sicherungsstift wieder herein klopfen und gegen herauswandern sichern. Dazu bringt man oben an der Bohrung mit Körner oder Meißel und einem Hammer eine kleine Delle an.
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Das ist der aktuelle Stand. Für mehr muss ich auf die Lieferung von Tellerrad Triebling und Lagern warten.
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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Ach ja, kleiner Nachtrag: beim zusammenbauen die Teile immer schön einölen. Ich nehme dazu eine normales Maschinenöl, Differentialöl fällt wegen des Gestanks aus.

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Jelonek
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Re: Texas

Beitrag von Jelonek »

na du bist aber empfindlich :rofl:
tolle Arbeit

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Danke!

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Da die Stehbolzen auf den Abtriebsseiten beim Wechseln der Faltenbälge und bei Demontage der Antriebswellen immer im Weg sind habe ich die ausgepresst. Passend dazu einfach auf der Seite bis ganz nach oben scrollen. Ohne Stehbolzen muss man das Traggelenk nicht mehr lösen.

Hier die drei Zustände. Eingepresst ohne Mutter, zum Schutz des Gewindes eine Mutter draufgeschraubt und ausgepresst.
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Auspressen geht ganz einfach im Schraubstock. Auf den Schraubenkopf eine passende Nuss aufstecken und im Schraubstock den Schraubenkopf da rein pressen.
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Das ist in Summe eine Sache von zehn Minuten:
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Die Bolzen werde ich wieder verwenden, aber den Rändel vorher abschleifen. Und das ganze mit Schraubensicherung sichern. Die Muttern hatten sich früher auch schon mal gelöst, da gehe ich lieber auf Nummer sicher.

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Jelonek
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Re: Texas

Beitrag von Jelonek »

was oder wie hast du das gemacht mit der Quetschhülse ? , neu, eingestellt und wieder neu? oder die alte benutzt :( , oder neue rein und gleich fest gemacht ..
frage weil die Vorspannung muss erst eingestellt werden ...

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Richtig! Da ich Tellerräder und Trieblinge und alle Dichtungen eh neu mache muss auch die Quetschhülse neu. Der Triebling der noch auf der Werkbank steht ist der Alte. Die neuen Teile bin ich immer noch am Zusammensuchen. Ist nicht mehr ganz so einfach wie früher, da es die englischen Lieferanten durch den Brexit nicht mehr gibt.

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Olli16
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Re: Texas

Beitrag von Olli16 »

Colt hat geschrieben: 12. November 2024 23:04
....Ist nicht mehr ganz so einfach wie früher, da es die englischen Lieferanten durch den Brexit nicht mehr gibt.
Ist leider so :(

Gruß
Olli

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wunibald
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Re: Texas

Beitrag von wunibald »

wegen Scrollen ganz nach oben , bin ich auf deine Bilderstrecke vom wärmsten Novembertag 2017 gestossen ....

Aus aktuellem Anlass : besten Dank für diese für mich äusserst hilfreiche Dokumentation :D !!! .. einfach sagenhaft (passend zu Moria)
.. auch die Stundenschätzung hilft mir da ich in meiner Einfahrt beim aktuellen Wetter liegen muss und die Falten glatt ziehen muss
Klasse Beitrag
Gruss
Reinhard

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Hallo Reinhard,

Freut mich wenn es hilft! Wenn du es das erste mal machst plane gerne ein oder zwei Stündchen mehr ein. Ein Schlagschrauber hilft übrigens ungemein bei der Demontage Zeit zu sparen.

Viele Grüße,
Marc

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Colt
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Re: Texas

Beitrag von Colt »

Und nun noch "das drumherum soll schwarzer werden "....

Vorher:
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Mehrere Dosen Bremsenreiniger, eine Stahlbürste und zwei Schichten Brantho Korrux 3in1 später:
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Der Deckel ist aus Alu, den mache ich ausnahmsweise mal nicht schwarz:
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Sondern sauber:
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Viel mehr hab ich am Diff nicht mehr vorzubereiten... nun heißt es auf Teile zu warten.

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