GRJ78 hat geschrieben: 5. August 2025 16:11
Manche checken es nur über den

Geldbeutel.
Naja, weiter so, das Thema hat sich innerhalb weniger Jahre beerdigt.
Wer richtig overlandern will, muss halt paar Tausend Kilometer fahren. Das schreckt genug Leute ab. Der Rest macht lookalike für Insta&Co am Tümpel um die Ecke. Ich auch.
Das müsste man echt überall anpinnen. Und wo man auch ansetzen müsste, wäre bei der Werbung. Auf der Suche nach einem freistehenden Vorzelt/Pavillion hab ich fast NUR Bilder von diesen Zelten vor Fahrzeugen bekommen, die einfach komplett unrealistisch sind:
- auf einer wilden Wiese direkt am Ufer eines idyllischen Sees
- Neben dem Bulli in den Dünen, mitten im Sand
- oder sonstwo in der Natur, ohne jegliche Anzeichen von Menschen oder Infrastruktur und natürlich immer alleine und bei strahlendem Sonnenschein
Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute ohne (oder auch mit) Camping-Erfahrung das bewusst oder unbewusst suchen. Bei allen auch nur entfernt mit "4x4" vermarkteten Fahrzeugen ist es das gleiche. Und zack, wenig später steht wieder ein J7 (oder sonstiges Fabrikat), vorbereitet für den härtesten Geländeeinsatz, zum Verkauf, der außer Schotterpisten nichts gesehen hat.
Meines Erachtens sind wir in vielen Gegenden längst an dem Punkt, wo die Nachteile eines Offroaders die Vorteile überwiegen. Anschaffungkosten, Komfort, Platzausnutzung, Verbrauch, Wartung sind das eine. Das andere ist, um überhaupt in den Bedarf der Offroadfähigkeiten des Fahrzeugs zu kommen, muss man das in sehr vielen Ländern ganz explizit wollen. Also ganz gezielt nach Strecken suchen, für die man so ein Fahrzeug braucht. Mitunter, ganz gezielt bestimmte Regionen ansteuern, und da dann die wenigen Strecken in der "wilden Natur" mit allen möglichen anderen teilen, die auch alle nur deswegen dort sind. Was schon eine gewisse Ironie hat. Aber es wird weiterhin suggeriert, dass es endlos viele Reiseziele überall gäbe, die einem ohne Allradfahrzeug schlicht verborgen bleiben. Das ist einfach Quatsch, und das Gedränge um diese immer weniger werdenden Destinationen macht das sehr deutlich. Ja, Langzeitfernreisen sind ggfs. anders, aber davon spreche ich auch nicht.
Mit etwas Abstand betrachtet, bringt ein geländetauglicher Camper in Europa ausgerechnet die Dinge mit, an denen hier kein Mangel herrscht: einen Schlafplatz, sanitäre Einrichtungen und Verpflegung. Außerdem bringt er dann noch zu enormen Mehrkosten und Kompromissen eine Geländetauglichkeit mit, die man kaum bis gar nicht nutzen kann bzw. im wesentlichen nicht nutzen
darf.
Ich war vor 6 Jahren mit Freunden in einem geliehenen Wohnmobil in Norwegen. Das war das perfekte Fahrzeug: Platz, Schutz vor dem Wetter (es hat jeden Tag mehrfach kurz geschauert), beheizbar (einstellige Temperaturen im August), Raum um Klamotten zu trocknen, und alles was auch nur entfernt nach Gelände aussah war mit Durchfahrt verboten beschildert. Freistehen war kein Problem zu der Zeit, Allrad oder nennenswerte Bodenfreiheit brauchten wir ebenfalls nicht. Wer also mit dem 4x4 der WoMo-Schwemme entgehen will, fährt vielleicht am besten einfach nicht nach Norwegen oder umfährt alternativ möglichst die Sehenswürdigkeiten, wegen der man ja eigentlich kommen würde...